Vorwurf: Diebstahl im Kaufland gipfelt in Attacke gegen Detektiv

Ein 25-Jähriger soll Parfüm und Lebensmittel in Jacke und Rucksack gesteckt haben. Als er erwischt wurde, rastete er offenbar aus. Ein seltener Fall oder Alltag in den Geschäften der Region?

Aue.

Besonders brutal soll im Februar vergangenen Jahres ein 25-jähriger Erzgebirger im Kaufland Aue gegen einen Ladendetektiv vorgegangen sein. Er soll ihn geschlagen, gewürgt und gegen ihn mit einem Messer vorgegangen sein. Wegen schweren räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hatte ihn gestern das Amtsgericht Aue vorgeladen - aber der Angeklagte erschien nicht.

"Er hat uns im Nachgang ein ärztliches Attest geschickt. Weil er krank ist, gilt er als entschuldigt", sagte Gerichtssprecher Hartmut Meyer-Frey. Er schilderte auf Nachfrage die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft aus der Anklageschrift. Der Mann soll versucht haben, Waren im Wert von 150 Euro zu stehlen. Parfüm und Lebensmittel habe er in seine Jackentaschen und seinen Rucksack gestopft.

Das entging offenbar dem Kaufhausdetektiv nicht. Als er den Dieb aufhalten wollte, soll der sich zur Wehr gesetzt haben. Durch die Attacken habe der Detektiv rote Striemen am Hals und einen blauen Fleck an der Hüfte, wo ihn der Rucksack des 25-Jährigen getroffen haben soll, davongetragen, so Meyer-Frey. "Im Regelfall stehen auf schweren räuberischen Diebstahl mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe." Aufgrund des geringen Diebstahlsschadens von 150 Euro habe die Staatsanwaltschaft aber einen minderschweren Fall angenommen. Dabei liegt das Mindeststrafmaß bei einem Jahr Freiheitsentzug.

Doch wie häufig kommen Ladendiebstähle in der Region vor? Laut Kriminalitätsstatistik der Polizei für das Jahr 2017 ist die Anzahl der Ladendiebstähle in der Region zuletzt rückläufig gewesen. Insgesamt wurden im Erzgebirgskreis im Vergleich zu 2016 exakt 688 Fälle weniger gezählt. Die Aufklärungsquote lag bei 40,4 Prozent (2016: 36,3Prozent).

Jana Ulbrich, Pressesprecherin bei der Polizei, gibt allerdings zu bedenken, dass nicht alle Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht werden. Die Dunkelziffer liege sicher höher. "Man liest zwar in vielen Geschäften das Schild 'Jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht', aber wenn in einem Geschäft eine Verkäuferin an der Kasse sitzt und die andere Regale einräumt, bemerken sie sicher nicht jeden Diebstahl. Oft sind die Täter schon über alle Berge, und einen Ladendiebstahl kann man nun mal nur aufklären, wenn man den Dieb ertappt hat", sagt sie.

Der Handelsverband Deutschland geht nach eigenen Berechnungen sogar von einer Dunkelziffer von "mindestens 98 Prozent" aus. Wie Sprecher Kai Falk sagt, hätten viele Händler inzwischen aufgegeben, Diebstähle anzuzeigen. "Die Erfahrung zeigt leider, dass die Strafverfolgung häufig nicht stattfindet oder vorzeitig eingestellt wird." Der Verband fordert deshalb schärfere Gesetze und mehr Personal bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Falk dazu: "Es besteht dringender Handlungsbedarf." Ladendiebstähle verursachten deutschlandweit jährlich Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro.

Größere Geschäfte und Supermarktketten versuchen Diebe abzuschrecken, indem sie Ladendetektive oder Sicherheitsdienste einstellen. So auch im Auer Kaufland. Dennoch kommen dort hin und wieder Diebstähle vor, wie der Hausleiter berichtet. "Dass einer so austickt", wie es im Februar 2017 passiert sein soll, sei allerdings selten.

Was gegen seinen Mandanten vorgebracht wird, stuft Verteidiger Ralf Vollmer derweil bislang nur als Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. Ob die in der Anklage geschilderte Aggressivität seines Mandanten von ihm oder der Gegenseite ausgegangen sei, könne nur in der Verhandlung geklärt werden. Der Prozess soll im November fortgeführt werden. (mit juef)

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