Was sie in jener Nacht sah, hat sie lange verschwiegen

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Kugelblitze gibt es. Im Erzgebirge kracht es zudem häufig. Berichte über rollende Entladungen waren aber bislang rar.

Aue.

Jahrelang hat Gudrun Fretsch mit sich gerungen und doch lieber geschwiegen. Aber was sie in der Nacht auf den 13. Mai 2011 sah, hat sie nie vergessen. Erst ein kürzlich in der "Freien Presse" erschienener Artikel gab ihr den Mut, darüber zu reden. "Ja, ich habe in der Nacht einen Kugelblitz gesehen", sagt die Frau aus Aue heute mit fester Stimme.

"Damals habe ich mich nicht getraut, darüber zu reden", sagt sie. Denn - und das ist der eigentliche Grund, weshalb sie sich so genau an das Datum erinnern kann - an jenem Freitag, 13. Mai 2011, hat ihre Nichte geheiratet. Und Gudrun Fretsch wollte unter keinen Umständen, dass ihre Erzählung vielleicht gar als "böses Omen" für die Ehe ausgelegt werde. "Ich bin nicht abergläubisch, aber man weiß ja nie", sagt sie heute.

Kugelblitze gibt es. Nur aus dem Erzgebirge, einem Landkreis mit einer extrem hohen Blitzdichte, sind bislang nur sehr wenige Fälle bekannt. Das hatte kürzlich Dr. Alexander Keul, ein Blitzforscher aus Salzburg, gesagt. Er nahm die diesjährige Beobachtung eines Kugelblitzes durch das Schwarzenberger Ehepaar Barnitzke zum Anlass, um über "Freie Presse" einen Aufruf zu starten. Wer, wann auch immer einen Kugelblitz gesehen habe, sollte sich bei Claudia Hinz melden. Sie arbeitet (aber nur noch bis heute) in der Wetterwarte auf dem Fichtelberg. Doch diese Einrichtung des Deutschen Wetterdienstes wird ab morgen nicht mehr mit Personal besetzt sein. Sie wird geschlossen.

"Mehr als 20 Leute haben sich auf den Aufruf hin gemeldet und uns von Kugelblitzen berichtet", sagt Claudia Hinz erfreut. Und sie kann durch die exakt geführten Aufzeichnungen der Wetterwarte bestätigen, dass es in jener Nacht vom 12. auf den 13. Mai 2011 ein kurzes Gewitter über Aue gab. "Genau zwischen 1.15 und 1.30 Uhr", sagt Hinz.

"Es muss so gegen 2 Uhr morgens gewesen sein", hatte Gudrun Fretsch aus der Erinnerung im Gefühl. Sie habe unruhig geschlafen, war immer wieder wach und ging ans Fenster. Von dort habe sie, die mit ihrem Mann auf dem Eichert in der siebten Etage eines Elfgeschossers wohnt, einen traumhaften Blick über ihre Stadt. "Auf einmal kam hinter dem Garagenkomplex wie ein großer heller Scheinwerfer hervor. Aber ein Auto war es nicht. Es schien mir so groß wie ein Medizinball mittlerer Größe", wählt die ehemalige Sportlehrerin einen ihr naheliegenden Vergleich. "Das Ding rollte aber wie im Zickzack und dann auch noch bergan. Dann den Wiesenweg runter, und von da an hab' ich ihn nicht mehr sehen können."

Nun ist es also endlich raus. Und nicht nur Claudia Hinz glaubt ihr aufs Wort. Auch ihrer Nichte hat sie ihre Beobachtung von damals jetzt erstmals erzählt.

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