Wie ein Vöglein zum Todesschützen wurde

Der "Schneeberger Bote" berichtet von einem tragischen Todesfall. Und belegt die Legende, dass die Schnorrs einen eigenen Zugang zur Wolfgangskirche hatten.

Schneeberg.

Ein Vöglein als Mörder? Von dieser scheinbar hanebüchenen Geschichte erzählt der "Schneeberger Bote" in seiner aktuellen Ausgabe. Das Heft befasst sich in regelmäßigen Abständen mit Historie und Genealogie im Schneeberger Raum. Besagter Fall trug sich laut Sterberegister anno 1720 zu. An Tragik nicht zu überbieten: Damals starb der Sohn von Georg Flößel, ein gewisser Johann Gottfried, im Alter von nur zwölf Jahren, weil sich ein Vöglein auf den gespannten Hahn von Vaters Flinte setzte und einen Schuss auslöste - der den Spross tödlich traf. Das Stöbern in Archiven und Kirchenbüchern erweist sich demnach als durchaus spannende Angelegenheit.

Doch der zweite "Bote" im Jahrgang 2020 bietet noch weit mehr als diesen Krimi. Einmal mehr geht es um die bekannte Bergherrenfamilie Schnorr, die auch in Schneeberg Spuren hinterließ, unter anderem die Schnorr-Pforte als privater Zugang in die St.-Wolfgangs-Kirche. Nach etlichen Akteneinsichten und Archivbesuchen stellten die Historiker nun fest: Veit Hans Schnorr der Jüngere (1644-1715), geboren und gestorben in Schneeberg, wurde nicht nur 1687 von Kaiser Leopold I. geadelt und trug seither den Namen "von Carolsfeld". Er ließ sich auch "von seinem vertrauten Tischler und bekannten Baumeister Johann Georg Roth aus Lößnitz" im Bergmannsdom seinen Kirchenchor, sprich eine Art Loge errichten. Von außen führte besagte Schnorr-Pforte hinein, die der Hammerherr durch die Kirchenmauer brechen ließ. Er ging fleißig zur Kirche. Erst im Zuge des Wiederaufbaus von St. Wolfgang nach 1945 wurde der Zugang zugemauert.

Über vier Seiten erstreckt sich die Familiengeschichte im aktuellen Heft. Diesmal dreht sich alles um die von Ryssels, die im 17. Jahrhundert nach Schneeberg kamen. Laut Stammbaum reichen die Wurzeln der Unternehmerfamilie nach Maastricht zurück. Carl und Heinrich sind die Begründer der Schneeberger Unterlinien. So heiratete Heinrich als Ratsherr und Kaufmann aus Leipzig 1624 in der Bergstadt Rosina Pöckel, Tochter von Enoch Pöckel und Maria Siegel. Das Handelsgeschlecht von Ryssel brachte Seidensticker, Edelstein- und Seidenwarenhändler hervor. Die Familie wurde in kurzer Zeit sehr reich. Über Aufstieg und Niedergang der Gebrüder Vater in Schneeberg - etwa mit manueller und maschineller Klöppelei - wird auf den folgenden Seiten berichtet. Mit ihren Spitzenerzeugnissen belieferten die Erzgebirger selbst das englische Königshaus.

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