Zwei Fälle im Kreis - Grenze jetzt dicht

Das Corona-Virus bremst das öffentliche Leben aus. Auch im Erzgebirge überschlagen sich die Ereignisse. Ein Überblick.

Aue/Schwarzenberg.

Im Erzgebirgskreis gibt es die ersten beiden nachgewiesenen Corona-Fälle. Am Freitag ist ein Mann aus Raschau-Markersbach positiv auf Covid-19 getestet worden, bestätigte die Kreisverwaltung am Vormittag. Der Erkrankte war am vergangenen Wochenende aus dem Skiurlaub aus Österreich zurückgekehrt und befindet sich nun in häuslicher Quarantäne. Das Gesundheitsamt ermittelt derzeit Kontaktpersonen. Diese sollen vorsorglich in häusliche Isolation. Außerdem ist eine Frau aus Annaberg-Buchholz erkrankt, teilte der Landkreis am Samstag mit.

Zu Hause bleiben auch die Teilnehmer einer Schwarzenberger Reisegruppe, die vor Kurzem aus Italien zurückgekehrt waren ("Freie Presse" berichtete). Das Gesundheitsamt hatte mit dem Reiseveranstalter Kontakt. Die Isolation sei aber freiwillig, so ein Kreissprecher.

Abgesagte Veranstaltungen, Unterrichtsausfall und beendeter Spielbetrieb: Der Corona-Virus bremst das öffentliche Leben im Erzgebirge aus. "Freie Presse" fasst die wichtigsten Entwicklungen zusammen.

Die Diakonie Erzgebirge schränkt den Besuchsverkehr in ihren Einrichtungen ein. Besuch ist nur im Ausnahmefall und nach vorheriger Absprache mit der Einrichtungsleitung möglich. Das wurde auf einer Krisensitzung der Leitung des Diakonischen Werkes Annaberg-Stollberg und Aue/Schwarzenberg zum Corona-Virus beschlossen.

Extra-Hotline: Das Gesundheitsamt des Kreises berät an diesem Wochenende erneut zum Corona-Virus und hat dazu eine neue Hotline-Nummer geschaltet. In der Region Aue-Schwarzenberg gilt die Nummer 03771 277-4444 ab dem heutigen Samstag, 8 Uhr. An diesem Tag und auch am morgigen Sonntag ist die Hotline von 8 bis 18 Uhr erreichbar und soll besonders von Menschen genutzt werden, die aus den vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebieten zurückkehren. Diese sollten - unabhängig von Symptomen - unnötige Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben, betonte ein Sprecher. Darüber hinaus sollte man sich in diesen Fällen an das Gesundheitsamt wenden.

Absagen: Beinahe im Minutentakt melden Kommunen und Einrichtungen die Absage von Veranstaltungen: im Schneeberger Kulturzentrum "Goldne Sonne" das für den heutigen Samstag geplante Schülerkonzert des Musikkorps, ebenso für die kommenden Tage die "Musical Night", die Teenie-Disco sowie die Ü-30-Party mit Melanie Müller und in Schwarzenberg der für den 22. März geplante "Tag des Wassers" am Hauptstandort der Wasserwerke Westerzgebirge in der Stadt.

Die für den Samstag im Kulturhaus Aue angekündigte Aufführung des Musicals um die kleine Hexe Bibi Blocksberg ist ebenfalls abgesagt und soll später nachgeholt werden. Die Rückerstattung des Eintrittsgeldes für die Gäste sei möglich, heißt es. Jedoch erst ab 1. April. Auch die Rallye Erzgebirge, die für den 17. und 18. April geplant war, fällt aus. Die Stadt Schneeberg hat am Freitag zudem alle städtischen Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit abgesagt, darunter eine Einwohnerversammlung am 17. März, den Ausbildungsmarkt am 18. März, den Frühjahrsputz am 21. März und den Ostermarkt Anfang April.

Grenzschließung: Am Grenzübergang Johanngeorgenstadt herrschte am gestrigen Freitag reger Betrieb. Die Ankündigung, dass die Grenzübergänge zu Tschechien geschlossen werden, hat dazu geführt, dass viele Erzgebirger noch einmal die Chance nutzten, um sich mit Waren aus dem Nachbarland einzudecken. Dennoch lief der Verkehr ruhig und ohne Stau. Auch an den Bushaltestellen standen weit mehr Fahrgäste mit vollen Einkaufstaschen als an einem gewöhnlichen Freitag.

Schwimmhallen und Bäder: Die Zwönitzer Schwimmhalle bleibt zunächst für das öffentliche Schwimmen geöffnet. "Am Montag entscheiden wir neu", sagte der Zwönitzer Beigeordnete Andy Kehrer. Einen Wettstreit am heutigen Samstag hatte der Zwönitzer Schwimmverein bereits am Freitagmorgen abgesagt. Weiter geöffnet haben auch das Hallenbad in Schwarzenberg-Sonnenleithe und das Gesundheitsbad "Actinon" in Bad Schlema. Es werde aber mehr gereinigt und desinfiziert, sagte Kathrin Bösecke-Spapens, die Chefin der Kurgesellschaft Schlema als Betreiberin des Actinon. Erhöhte Infektionsgefahr sieht sie nicht. "Über das Wasser können sich keine Viren übertragen, weil es gechlort ist." Dennoch sei ein Besucherrückgang spürbar. "Während es am Wochenende normal war, kamen am Donnerstag etwa 40 Prozent weniger Gäste." Keinen Rückgang gibt es in den Badegärten Eibenstock. "Wir haben Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt und empfehlen, erkälteten Personen von einem Besuch abzusehen", sagte Geschäftsführer Hendrik Pötter.

. Schulen und Prüfungen: Die Industrie- und Handelskammer hat ab Montag sämtliche Prüfungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung abgesagt. Dies gilt vorerst bis zum 24. April.

Am Freitagnachmittag setzte zudem der Freistaat die Schulpflicht aus. Als die letzten Schülerinnen und Schüler am Freitag gegen 13 Uhr das Bertolt-Brecht-Gymnasium in Schwarzenberg verließen, war diese Entscheidung noch nicht gefallen. "Natürlich ist all unseren Gymnasiasten, Pädagogen und Mitarbeitern die Problematik bekannt. Wir sind vorbereitet, handeln aber besonnen, um niemanden zu beunruhigen", sagte André Ullmann, stellvertretender Schulleiter. Man werde kurzfristig Informationen auf die Internetseite stellen. Die Notrufnummern der Schulverantwortlichen seien beim Landratsamt und damit auch beim Gesundheitsamt hinterlegt. Abgesagt wurde am Freitagvormittag der für den heutigen Samstag geplante Tanzstundenball in der "Goldnen Sonne" in Schneeberg. "Es wären insgesamt um die 200 Leute dabei gewesen." Stadtwerke: "Kein Bürger muss befürchten, dass wir unserer Verantwortung als regionaler Energieversorger nicht gerecht werden", betonte Sascha Wehrmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwarzenberg. "Wir haben - auch betriebsintern mit unseren Mitarbeitern - Vorsorge getroffen, dass wir in vollem Umfang handlungsfähig bleiben, um die Daseinsvorsorge zu gewährleisten, die Strom- und Gasbelieferung sicherzustellen."

Klinik: Um eine Vermischung von infektiösen und nicht infektiösen Patienten im Kinderbereich zu vermeiden, richtet das Helios-Klinikum in Aue ab Samstag eine Kinder-Fieber-Ambulanz ein. Diese befindet sich in der Gartenstraße 6 in den Räumen von Reha-Aktiv. Der Schritt erfolge mit Blick auf aktuelle Influenza-, aber auch mögliche Corona-Fälle, sagte eine Kliniksprecherin. "Wir bitten Eltern von erkrankten Kindern, die Fieber zusammen mit Halsschmerzen oder Atemwegserkrankungen oder Durchfallerkrankungen haben, diese Ambulanz zu nutzen und das Klinikgebäude nicht zu betreten." Eine Anmeldung soll vorab telefonisch erfolgen unter 03771 583999.

Sport: Auf den Fußballplätzen im Erzgebirge rollt vorerst kein Ball mehr. Der Vorstand des Kreisverbands hat entschieden, den Spielbetrieb zunächst bis zum 30. März auszusetzen. Das Fußballspiel des FC Erzgebirge Aue am Samstag im Erzgebirgsstadion gegen den SV Sandhausen findet nun ebenfalls nicht statt. (matu/stl/tjm/juef/klin)


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