Adels-Geschlecht sichert sich Zuschlag für Schloss Pfaffroda

Nach mehr als 70 Jahren kehren die einstigen Besitzer in ihre Heimat zurück. Der Kauf soll schon bald besiegelt werden. Die größten Herausforderungen warten jedoch noch.

Pfaffroda.

Das Schloss Pfaffroda steht vor einer Zukunft, die an alte Zeiten anknüpft. Die Familie von Schönberg will in die historischen Mauern zurückkehren und sie wieder mit Leben erfüllen. Die genauen Pläne wird das Adelsgeschlecht voraussichtlich erst im Sommer verraten. Fest steht schon jetzt: Angesichts der hohen Kosten für die anstehende Sanierung, muss mit dem Schloss ausreichend Geld eingenommen werden.

Joachim Heinrich Diener von Schönberg verweist auf Nachfrage darauf, dass der Kauf noch nicht vollzogen ist: "Wir haben vom jetzigen Besitzer, den Sozialbetrieben Mittleres Erzgebirge, nur den Zuschlag erhalten." Die Unterschrift auf den Verträgen sei jedoch eine Formsache, es gebe Einigkeit. Vor allem das gute Konzept habe den Ausschlag gegeben, sagt Joachim Heinrich Diener von Schönberg, der das Projekt mit seinem Bruder Carl-Alexander Diener von Schönberg vorantreibt. Auf 60.000 Euro beläuft sich der Kaufpreis.

Die beiden Adligen sind derzeit damit befasst, eine Stiftung zu gründen. Sie wird ihren Worten zufolge mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet und soll sicherstellen, dass das Schloss auch in Zukunft in geordneten Verhältnissen bleibt. So lassen sich etwa Erbstreitigkeiten ausschließen. Der Name: Alfons Diener von Schönberg Stiftung. In der Region erinnert vieles an den Urgroßvater der Brüder. So wurde im vergangenen Jahr auf der Bärenbachwiese bei Olbernhau der Schriftzug "ADvS 1929" mit 1500 Fichten erneuert. Der Naturschutzbund brachte sich maßgeblich ein. Im Jahr 1929 war Alfons Diener von Schönberg 50 Jahre altgeworden. Er hatte bis zu seinem Tod im Jahr 1936 im Schloss gelebt. ADvS steht als Abkürzung für seinen Namen.

Bis zur Wende kannten Joachim Heinrich Diener von Schönberg und Carl-Alexander Diener von Schönberg das Schloss nur aus Erzählungen. Nach der Enteignung und der Flucht im Jahr 1945 hatte sich die Familie in Bayern ein neues Leben aufbauen müssen. "Das war ein harter Schlag", erinnert sich Joachim Heinrich Diener von Schönberg. "Die Familiengeschichte reicht in Pfaffroda bis zum 14. Jahrhundert zurück." Die Brüder erlernten später den Beruf des Kaufmannes und verdienten im Immobilienbereich ihr Geld. Im Zuge der Wiedervereinigung kam auch für die Familiengeschichte die Wende. Ab 2011 konnte die Familie bei Pfaffroda Ländereinen erwerben. Sie sind mehr als 100 Hektar groß. Zudem werden von dem Forstbetrieb auch in Brandenburg und Thüringen Flächen bewirtschaftet.

Mit Blick auf die künftige Nutzung bleiben sich die Brüder treu. Es soll im weitesten Sinne um das Thema Holz gehen. Angesichts der hohen zu erwartenden Sanierungskosten sei es wichtig, das Schloss so zu betreiben, dass damit genügend Einnahmen einher gehen, erklärt Carl-Alexander Diener von Schönberg. So besteht unter anderem an der Außenhülle ein großer Handlungsbedarf. Jahrelang wurde nur wenig an dem Gebäude gemacht.

2013 war die Sanierung gescheitert, da der damalige Pfaffrodaer Gemeinderat mit Blick auf die Finanzierung sein Veto einlegte. 4,6 Millionen Euro standen damals an Kosten im Raum. Eine Million Euro sollte die Gemeinde tragen.Die Sozialbetriebe wollten 1,7 Millionen Euro zahlen, als Fördermittel wären etwa 1,9 Millionen hinzu gekommen. Im Jahr 2015 entschlossen sich die Sozilabetriebe, das im Schloss untergebrachte Seniorenheim aufzugeben. Das Jugenddorfwerk, es betreut Jugendliche mit Suchthintergrund, durfte bleiben. Ebenso die Ausstellung zur Heimatgeschichte.

Joachim Heinrich Diener von Schönberg betont, dass sich daran nichts ändert. Auch am jährlichen Weihnachtsmarkt halten die Adligen fest. Den können sie sogar auf kurzem Wege besuchen. "Wir werden Privaträume im Schloss haben, bleiben aber auch Bayern treu."


Ursprüngliches Gebäude fällt 30-jährigem Krieg zum Opfer

Das Schloss Pfaffroda weist eine wechselvolle Geschichte auf. Auf einem Felsvorsprung wurde zunächst ein festes Haus errichtet, heißt es dazu auf der Internetseite der einst eigenständigen Gemeinde Pfaffroda.

Erst 1352, als das Rittergeschlecht von Schönberg das Anwesen übernahm, wurde das Haus zu einer Burg ausgebaut. Dabei blieb es nicht. Im

Jahr 1575 entstand im Zuge weiterer

Arbeiten das Schloss.

Ein vorläufiges Aus brachte der

30-jährige Krieg mit sich. 1643 brannten das Schloss, die Kirche sowie große Teile des Ortes ab. Später begann der Wiederaufbau. Die heute noch vorhandenen Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Von 1879 bis 1936 lebte der Heimatforscher und Schriftsteller Alfons Diener von Schönberg, Sohn von Sara von Schönberg und dem Kammersänger Franz Diener, im Schloss.

Das Deutsche Rote Kreuz richtete 1945/46 im Schloss ein Flüchtlingslager ein. Ab 1947 wurde es als Feierabendheim/Seniorenheim genutzt.

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2Kommentare
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    voigtsberger
    16.05.2017

    Bei solchen Berichten stellt sich bei mir immer wieder die Frage, wer war und ist Nutznießer dieser Wende. Da kommen all die Personen zurück und bekommen ihre Immobilien zurück oder können diese für ein "Butterbrot" kaufen, ohne das der Staat BRD seine investiere Ausgaben an die sogenannten Geflüchteten mit Ausgleichszahlungen zurück fordert und da hatten die meisten der Übersiedler doch nur einen Fluchtgrund, weil sie mit den Nazis paktierten oder selbst Schuld auf sich geladen hatten.
    Aber nun als Wohltäter und rechtmäßigen Eigentümer, gefeiert werden, na so was.
    Was ist da mit all den "kalt Enteigneten" im ehemaligen Gebiet der DDR und da vor allen im ehemaligen Grenzgebiet geschehen?
    Da wurde für die Hiergebliebenen entschieden, die Gesetze der DDR sind rechtskräftig und Rückgabe erfolgt nur an in den "Westen" geflohene, weil diese Enteignung ohne Anwesenheit des Eigentümers auf dem Gebiet der DDR geschah.
    Für was waren da viele Opfer des Sozialismus, auch die Macher der Wende, wenn nun die, die meist auch mit dem NS-Regime in Zusammenhang standen, die Gewinner sind und die Opfer heute nur noch als "Wutbürger" sich äußern können, denn die Politik und der Gesetzgeber hat sie schon längst abgeschoben und gar nicht erst erhört und wer wird da am Ende mit der Gründung von Stiftungen auch noch mit Zuschüssen, Steuervergünstigungen und Fördermittel belohnt!

  • 4
    0
    Freigeist14
    16.05.2017

    Adelsgeschlecht ? Ich dachte 1918 wurde der Adelsstand abgeschafft.E h e m a l i g e Prinzen,Barone oder Durchlauchte können aber gern Pfaffroda bereichern.



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