Altbergbau: Seiffener Untergrund ist wieder sicher

Mehrere Stollen sowie die Binge sind in den zurückliegenden Jahren gesichert worden. An einigen Stellen in der Tiefe stießen Arbeiter auf Unerwartetes.

Seiffen.

Jahrelang hat es im Seiffener Untergrund rumort, jetzt ist in der Tiefe wieder Friede eingekehrt. Seit November 2015 ließ das Oberbergamt Freiberg den Altbergbau im Ort zunächst ergründen und anschließend sanieren. Nun sind die Arbeiten unter Tage abgeschlossen. Am Johannes-Stollen werden derzeit noch das Mundloch saniert und die Abflussvorrichtung für das Grubenwasser erneuert. In der Binge wird in den kommenden Tagen das Stahlnetz, das die Arbeiter vor Steinschlag schützte, abgebaut, sagt Oberberghauptmann Bernhard Cramer von der Freiberger Behörde. Bis Oktober soll das Millionenprojekt endgültig abgeschlossen und das Areal im Dorfzentrum wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Bei der Kalkulation der Ausgaben steht indes schon jetzt fest, dass sich die Kosten für das Vorhaben mehr als verdoppeln. Zusätzlichen Arbeiten und ein gestiegener Sicherheitsaufwand verteuern laut Bernhard Cramer das Projekt von ursprünglich knapp 3 Millionen auf insgesamt 6,6 Millionen Euro. Davon stammen 80 Prozent aus EU-Mitteln, 20 Prozent übernimmt der Freistaat. Die zeitliche und finanzielle Planung der Sanierungs- und Sicherungsarbeiten musste mehrfach angepasst werden, erläutert Cramer. So seien die Bergleute bei einer Ergründung der Stollen Johannes und Heilige Dreifaltigkeit auf abgebrochene Gesteinsmassen und angespültes Sediment gestoßen. Dabei wurde der tiefer gelegene Johannes-Stollen vor knapp 500 Jahren zur Entwässerung der Bergwerke angelegt. Die nun gefundenen Gesteinsmassen verhinderten ein Abfließen des Grubenwassers und mussten deshalb entfernt werden - sonst hätten dem Ort Überschwemmungen gedroht.

Um die Erdmassen beseitigen zu können, wurden drei zusätzliche Schächte angelegt. Dabei arbeiteten sich die Bergleute bis in eine Tiefe von 38 Metern vor. Bei der Aufwältigung der alten Stollen mussten laut Bernhard Cramer die schmalen Gänge an zahlreichen Stellen zunächst verbreitert werden. Während der Arbeiten saß den Bergleuten zudem das Wasser des Öfteren nicht nur sprichwörtlich im Nacken - besonders während der Schneeschmelze und nach Starkregen konnte nicht gearbeitet werden, sodass es zu Verzögerungen kam. Um die Situation dauerhaft zu entschärfen, wurden im Johannes-Stollen Rohre zur Entwässerung verlegt. Die Schächte werden für Wartungs- und Kontrollzwecke erhalten bleiben.

Auch wenn die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten weitgehend abgeschlossen sind, wird das Thema Bergbau auch künftig in Seiffen präsent bleiben. Aktuell bringen die Mitglieder der Seiffener Berg- und Hüttenknappschaft den Lehrpfad rund um die Binge auf Vordermann. Dazu werden neuen Schilder mit Farbfotografien und dreisprachiger Beschriftung in Deutsch, Tschechisch und Englisch aufgestellt, kündigt der Knappschaftsvorsitzende Jörg Beyer an. Die kleine Runde im Ort soll zudem durch einen zweiten, 14 Kilometer langen Pfad samt Schilder ergänzt werden. Zwei Jahre Recherche im Freiberger Bergarchiv waren dazu nötig. "Mit dem eben erst zugesprochenen Welterbetitel müssen wir auch entsprechende Angebote schaffen", so Jörg Beyer.

In einem anderen Bereich sind die Pläne indes längst zurückgestellt worden. Eine Umgestaltung der Binge zum Theaterstandort ist vom Tisch. Zunächst sei lediglich geplant, auf dem Gelände der Freilichtbühne neue Bänke aufzustellen, stellt Seiffens Bürgermeister Martin Wittig (CDU) in Aussicht. Es soll sichergestellt werden, dass die Veranstaltungen - wie das Seiffener Glück auf - auch in den kommenden Jahren auf dem Areal stattfinden können, sagt der Ortschef.

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