Ausweichlösung für Seiffener Schüler in Gebirge ist vom Tisch

Weil die Sanierung der Einrichtung nicht in den Ferien abgeschlossen werden konnte, sollten die Kinder zum Unterricht in die Bergstadt geschickt werden. Nun gibt es offenbar eine Alternative.

Seiffen.

Welch eine Groteske: Im Seiffener Haus des Gastes soll Anfang nächster Woche Schulanfang gefeiert werden. Ausgerechnet im bereits geschmückten Saal des Gebäudes musste Bürgermeister Martin Wittig (CDU) am Montag die Hiobsbotschaft bekanntgeben, dass die Sanierung der Grundschule nicht mehr im Zeitplan liegt. Eine Fertigstellung vor Schulbeginn am kommenden Montag ist somit unmöglich.

Es war jedoch nicht die Nachricht vom verzögerten Sanierungsabschluss, die bei den rund 90 anwesenden Eltern von Schülern den meisten Unmut verursachte. Bereits seit einigen Tagen kursierte im Spielzeugdorf die Information, dass die Kinder bis zum Ende der Bauarbeiten im Marienberger Ortsteil Gebirge unterrichtet werden sollen. In diesem Punkt herrschte unter den Anwesenden Einigkeit: Die lange Fahrtzeit von täglich zweieinhalb Stunden ist den Kindern nicht zumutbar.


Am gestrigen Dienstag folgte die Kehrtwende: Ein Ausweichen nach Marienberg ist offenbar vom Tisch, stattdessen können die Kinder in der ehemaligen Heidersdorfer Schule unterrichtet werden. Es gebe mit dem Inhaber eine Übereinkunft, in einigen Bereichen müssen jedoch noch Mängel beseitigt werden, erläutert Martin Wittig. "Das Gebäude benötigt Brandmelder, ausgeschilderte Fluchtwege, und die Sanitäreinrichtungen müssen auf Vordermann gebracht werden." Diese Auflagen sind Bedingungen, damit das Landesschulamt (Lasub) seine Zustimmung für den Ausweichstandort gibt. Der Zustand des Gebäudes müsse den Schülern angemessene Lernbedingungen gewährleisten, sagt Lasub-Sprecher Roman Schulz. Die Behörde halte sich die Alternative in Marienberg deshalb als Plan B in der Hinterhand.

Aus Sicht des Seiffener Bürgermeisters sind die Auflagen in der verbleibenden Zeit bis zum Schulbeginn erfüllbar. Es sei zudem möglich, mit jeweils einem Wander- und Projekttag Anfang der kommenden Woche für etwas zusätzliche Karenzzeit zu sorgen, um die notwendigen Auflagen zu erfüllen, so Wittig. Bis zu den Oktoberferien sollen die Seiffener Grundschüler dann im Nachbardorf unterrichtet werden.

Für den größten Kritikpunkt scheint somit eine Lösung greifbar nahe. Doch die Liste der Fragen, denen sich der Seiffener Bürgermeister am Montagabend zu stellen hatte, war noch länger: Seit wann war es bekannt, dass die Bauarbeiten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden können? Warum fand sich keine Ausweichmöglichkeit im Ort? Und wieso informiert der Bürgermeister erst jetzt, so kurz vor Schulbeginn, die Eltern?

Wittig räumte ein, dass er seit rund zweieinhalb Wochen Kenntnis von der Verzögerung der Sanierungsarbeiten hatte. Der Grund seien Schwierigkeiten beim Entfernen des Bodenbelags samt Estrich. Der beauftragten Firma fehle es dafür an Geräten, weshalb zunächst eine rund 600 Kilogramm schwere Maschine besorgt werden musste, so Wittig.

Als sich abzeichnete, dass in der Schule nicht pünktlich zum Schuljahresbeginn unterrichtet werden kann, habe er sich um Alternativen bemüht. Sieben Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung seien geprüft worden, darunter das Pfarrhaus und die Feuerwehr. "Doch diese erfüllten nicht die Auflagen, um darin unterrichten zu können. Lediglich der Hort kann vorübergehend bei den Kameraden der Feuerwehr unterkommen, da dafür andere Bestimmungen gelten", erklärte Wittig. Auch ein Umzug in Container sei geprüft worden. Eine Lieferzeit von bis zu zwei Monaten und Kosten von bis zu 35.000 Euro ließen diese Option ausscheiden. Auch die Marienberger Alternative wäre mit Kosten verbunden. Laut Martin Wittig würde die Beförderung der Schüler, für die drei Busse notwendig wären, die Gemeinde wöchentlich 4000 Euro kosten.

Für die späte Bekanntgabe der Information entschuldigte sich der Seiffener Bürgermeister. Bevor die Eltern benachrichtigt werden, habe er erst sicherstellen wollen, dass es eine Alternative gebe. Für die Zukunft kündigte Wittig ein Informationssystem auf der offiziellen Internetseite der Gemeinde an.

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