Birkhuhn: Ministerium und Naturschützer uneins

Im April sollte das Artenhilfsprogramm in Kraft treten. Doch der Entwurf ist bei den Ornithologen aus dem Erzgebirge und Vogtland durchgefallen.

Olbernhau/Dresden.

Der Streit ums Birkhuhn geht weiter: Nachdem es Ende 2018 unter dem Druck immer kleiner werdender Vorkommen die Hoffnung gab, dass sich die Interessen der Naturschützer und die des Sachsenforstes in einem Artenhilfsprogramm unter einen Hut bringen lassen, scheint man aktuell davon weit entfernt. In einer Stellungnahme der Initiative Birkhuhnschutz, zu der die Ornithologen Udo Kolbe aus Olbernhau und Michael Thoß aus Auerbach gehören, kritisieren die Naturschützer den vom Umweltministerium vorgelegten Entwurf zum Teil scharf.

Das betrifft auch das Schutzgebiet Deutscheinsiedel. Die Initiativgruppe sieht zwar den Flächenumfang des Kerngebiets als ausreichend an, bemängelt aber die räumliche Ausformung. Den größten Umfang würden demnach Gebiete in Südwesten einnehmen, in denen es seit Jahren keine Birkhuhn-Nachweise mehr gegeben habe. Vielmehr sollte die ausgewiesene Kernzone östlich des Kohlbergs am Grenzweg nach Norden erweitert werden. Im Kern geht es um die Frage, wie viele Tiere in Gebieten welcher Größe gehalten werden sollen. Zuletzt waren die Zahlen dramatisch gesunken. Nur 30 Exemplare wurden 2018 in den vier Vogelschutzgebieten zwischen Osterzgebirge und Vogtland gezählt. Davon hielten sich im Frühjahr laut offiziellem Monitoring zwölf im Schutzgebiet Satzung auf. Im Gebiet Deutscheinsiedel, das weit in den Nachbarkreis Mittelsachsen hineinragt, war kein einziges Tier mehr zu finden.


Rund um Johanngeorgenstadt befinden sich dagegen mehrere feste Balz- und Brutgebiete des Birkhuhnes. Erst am Ostersamstag und am folgenden Dienstag hatten Michael Thoß und weitere Ornithologen dort vier Hähne und zwei Hennen gesichtet. Das Problem: Im Artenhilfsprogramm sollen diese Flächen zum Teil ausgeklammert und stattdessen eine andere, zu kleine Fläche dem Birkhuhnschutz zugewiesen werden. Dazu schrieb Thoß an den zuständigen Chef-Biologen im Ministerium: "Man kann nicht eine Fläche mit regelmäßig gehäuften Vorkommen einfach mit einem Federstrich halbieren. Das widerspricht gröblichst den fachlichen Anforderungen."

Sowohl der Sachsenforst als auch das Landesamt für Umwelt sind dem Umweltministerium unterstellt. Seit Jahren wird mit beiden Behörden und den Naturschützern um ein Artenhilfsprogramm gerungen. Für Thoß läuft das, was das Ministerium vorgelegt hat, im Fall Westerzgebirge in die falsche Richtung. "Sachsen tut sich mit dem Birkhuhnschutz schwer", sagt er und verweist auf gesetzliche Vorgaben, die als Grundlage in dem Entwurf fehlen würden.

Der Sachsenforst hatte sich bislang nie selbst geäußert und Anfragen ans Umweltministerium weitergeleitet. Dort will man sich aktuell zum Stand und zur Kritik der Naturschützer nicht äußern. "Derzeit laufen zwischen unserem Haus und den weiteren beteiligten Behörden Abstimmungen, welche dieser Wünsche in welchem Umfang in der Endfassung Aufnahme finden können", heißt es. Es sei beabsichtigt, das Artenhilfsprogramm am 20. Mai im Westerzgebirge vorzustellen. (mit mik)

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