Briefschmuggel aus Liebe endet vor Gericht

Er saß im Gefängnis und suchte Kontakt zu Freundin und Kind. Weil ihm die Kontrolle seiner Post zu lange dauerte, wurde ein Mitinsasse zum illegalen Boten.

Marienberg.

Zu einem Bußgeld ist am Freitag ein Pärchen aus dem Erzgebirge vom Amtsgericht Marienberg verurteilt worden. Weil die Angeklagten, ein 34-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, illegal Briefe ausgetauscht haben, müssen sie nun in Summe 140 Euro zahlen.

Der jungen Frau wurde vorgeworfen, ihrem Partner, der zwischen 2019 und 2020 in der Justizvollzugsanstalt Zwickau saß, Post durch einen seiner Mitinsassen zugeschoben zu haben. Zwischen Anfang und Mitte Februar 2020 soll die 33-Jährige zwei Briefumschläge, jeweils mit selbst geschriebenen Texten und mehreren Postkarten gefüllt, einem Mithäftling ihres Partners übergeben haben. Die Umschläge waren mit einem falschen Namen beschriftet. Damit, so hieß es weiter, haben sie und ihr Freund versucht, dessen Postkontrolle durch die Staatsanwaltschaft zu umgehen.

Zu den Vorwürfen schwiegen die beiden Angeklagten zunächst. Als die Frau allerdings gefragt wurde, ob das auf den Briefen ihre Schrift sei, bejahte sie das. Als im Anschluss der Mitinsasse des angeklagten Mannes als Zeuge befragt wurde, gab dieser schließlich zu, ihr Postbote gewesen zu sein. Der 34-Jährige habe ihn gebeten, Briefe seiner Freundin zu ihm zu bringen - allerdings unter falschem Empfängernamen. Er habe das aus Verständnis für den Angeklagten getan. Dieser habe ihm zuvor berichtet, dass er neben seiner Freundin auch eine kleine Tochter habe und wissen wolle, wie es ihr geht. Die Post habe er ihm zu verschiedenen Gelegenheiten zugesteckt, unter anderem beim Aufschließen der Zellen, erzählt der Mann, der inzwischen erneut im Strafvollzug sitzt.

Eine Begründung für die Tat gab es seitens des Angeklagten dann doch. Er und seine Freundin haben die Postkontrolle wegen ihrer Dauer umgangen. Mehrfach sei es zuvor vorgekommen, dass er seine Post erst fünf Wochen später erhalten habe. Die Briefe wurden anschließend von einem Polizisten in der Zelle des Angeklagten gefunden. Eine Strafe hat er laut seines Verteidigers auch während der U-Haft schon bekommen. Sein Einkommen sei gekürzt und ihm der Ausgang für zwei Wochen verwehrt worden. Diese Vorgehensweise, so erklärte es der Verteidiger, sei aus seiner Sicht nicht verhältnismäßig gewesen.

Ähnlich verhalte es sich mit den Bußgeldbescheiden, die den beiden Angeklagten im Anschluss zugestellt wurden und gegen die sie Widerspruch eingelegt hatten. 300 Euro hätte jeder von ihnen zuvor zahlen müssen. Durch das Gerichtsurteil fiel das Bußgeld geringer aus.

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