Der erste Fernseher des Orts stand im Jugendclub

Der Dittmannsdorfer Treffpunkt ist 65 Jahre alt geworden - und findet auch heute noch neue Mitglieder. Zahlreiche Besucher schwelgen zum Geburtstag in ihren Erinnerungen.

Dittmannsdorf.

Der 65. Geburtstag läutet bei vielen Menschen einen neuen Lebensabschnitt ein: die Rente. Zudem eignet sich dieses Wiegenfest bestens für eine kleine Rückschau auf Kindheit, Jugendjahre und andere Meilensteine im Leben des Jubilars. Am Wochenende wurde im Olbernhauer Ortsteil Dittmannsdorf ein 65. Geburtstag gefeiert. Allerdings der des dortigen Jugendclubs. Dutzende der einstigen und heutigen Nutzer sowie Besucher der Einrichtung waren der Einladung zu einer Geburtstagsfeier gefolgt. Und die schwelgten in den Gesprächen der Generationen untereinander vielfach in Erinnerungen.

Ein gefragter Gesprächspartner war Lothar Hegewald. Der heute 80-Jährige, der 1955 zu den Gründungsmitgliedern des Jugendclubs gehörte, erzählte lebhaft von den Anfängen. "In einer Holzbaracke, in der auch der Kindergarten untergebracht war, standen einige wenige Räume frei, die uns der damalige Bürgermeister Rudi Deierlein 1954 zur Nutzung anbot", berichtete Lothar Hegewald. Uns, das waren in diesem Fall die Dittmannsdorfer Mitglieder der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Diese mussten ihre Treffen bis dato stets im Gasthof des Ortes abhalten, was weder für die Jugendlichen noch für die Gäste der Wirtschaft optimal war. Die Heranwachsenden nahmen deshalb das Angebot gern an und brachten die Räume selbst auf Vordermann, sodass am 7. März 1955 Einweihung gefeiert werden konnte.

An diese Zeit denkt Lothar Hegewald gern zurück. "Wir haben Arbeitseinsätze in der Landwirtschaft gemacht und uns damit ein paar Mark verdient", erinnert sich der Rentner. Mit dem Geld wurden dann zum Beispiel gemeinsame Ausfahrten, etwa in den Harz, finanziert. Auch der erste Fernseher im Ort stand in den Räumen des Jugendclubs. "Für unsere gute Arbeit erhielten wir das Gerät 1957 von der FDJ-Kreisleitung", weiß Lothar Hegewald noch heute. Genau so, dass nach der Übergabe des Geschenks an Samstagabenden der Jugendclub voller Dittmannsdorfer war, die die Fernsehsendung "Da lacht der Bär" sehen wollten. Bis 1960 war Lothar Hegewald aktives Mitglied im Jugendclub. Dann musste er zum Wehrdienst. Das Clubleben ging ohne ihn weiter.

Jede Generation habe sich in den Räumen verwirklicht. In Eigenleistung wurden nach dem Auszug des Kindergartens beispielsweise weitere Räume umgebaut. "Mode, Musik und Sprache mögen sich noch so wandeln - für Jugendliche bleibt wohl eines immer gleich: Es kommt die Zeit, in der sie sich vom Elternhaus abkoppeln wollen. Und das klappt im Jugendclub sehr gut", sagt Ortschaftsratsvorsitzender Bernd Dietel, der ab Anfang der 1970er-Jahre selbst dort ein- und ausging.

Auch heute treffen sich junge Leute dort, um, wie es der 18-jährige Sebastian Matthes sagt, zu quatschen und beisammen zu sein. "Aktuell besteht der harte Kern zwar nur aus sechs Leuten, aber das werden wieder mehr", ist sich Theresa Lippmann sicher. Auch, weil sie und ihre heutigen Mitstreiter auf die Unterstützung der Kommune bauen können. "Die Gemeinde stand und steht zu jeder Zeit hinter dem Jugendclub", weiß Bernd Dietel.

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