Der Neid ist ihnen sicher - zu Unrecht

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Schwimmmeister Frank Hofmann und Rettungsschwimmer Michel Weber.

Gelenau.

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten, heißt eine Weisheit, die Robert Lembke zugeschrieben wird. Mitleid haben Frank Hofmann und Michel Weber in diesem Sommer nicht gespürt, Neid dafür um so mehr. "Wie ihr arbeitet, möchte ich mal Urlaub machen", lautet einer der vielen Sprüche, die sich die Gelenauer tagein, tagaus anhören dürfen. Frank Hofmann und Michel Weber arbeiten im Gelenauer Freibad, aber das, was sie tun, Arbeit zu nennen, fällt dem normalen Badegast nicht ein.

Dafür sind sie auch viel zu gut zu sehen, wie sie vor ihrem Häuschen stehen und aufs Wasser schauen. Frank Hofmann ist Schwimmmeister und Michel Weber Rettungsschwimmer, sie arbeiten in Schichten im Freibad Gelenau, einem der wenigen Orte, die in diesem Sommer etwas Abkühlung von der großen Hitze boten. Also eine gute Gelegenheit, mal eben in die Fluten zu springen? "Das machen wir schon mal gar nicht, dafür ist keine Zeit. Wir müssen schließlich auf die Leute aufpassen", erzählt Michel Weber. Ab 10 Uhr dürfen die Badegäste das Areal betreten, doch die ersten stehen schon vorher vor der verschlossenen Tür. Da haben die beiden längst angefangen mit ihrem täglichen Ritual: "Wir ziehen die Planen auf, die während der Nacht über der Wasserfläche gespannt sind, dann nehmen wir Wasserproben, die wir auf Chlorgehalt und pH-Wert untersuchen. Laub muss aus dem Wasser gefischt werden, einmal in der Woche werden die Filtersiebe der Pumpen gewechselt", zählt der 35-Jährige die Arbeiten auf, die keiner der Gäste sieht.

Die Spielgeräte werden noch kontrolliert- und dann strömen schon die Gäste ins Freibad. Trotz des Supersommers, ein Rekordbesuch ist nicht zu erwarten. "Den hatten wir, als das Freibad vor 23 Jahren neu eröffnet wurde. Damals kamen 35.000 Besucher in einer Saison, in diesem Jahr waren es bis zum Mittwoch genau 22.812", sagt Frank Lehmann, der seit der Eröffnung des Bades dort seinen Dienst versieht, aber schon vorher bei dessen Bau mitgearbeitet hatte. Abkühlung verschaffen sich Schwimmmeister und Rettungsschwimmer bei Kaltgetränken, einige Liter rinnen da an einem heißen Tag die Kehlen hinunter.

Irgendwann haben auch die beiden Männer Urlaub, die Ostsee ist bei beiden eingeplant. Frank Lehmann ist 63 Jahre alt, im Januar geht der Schwimmmeister in Rente. Mit Michel Weber steht sein Nachfolger schon bereit, doch vorher muss der gelernte Dreher noch einen weiteren Berufsabschluss machen, den eines Fachangestellten für Bädertechnik.

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