Deutschneudorfer Bürgermeisterin will 2021 viel anpacken

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Claudia Kluge spricht über diegeplanten Investitionen, Streitigkeiten in der Verwaltungsgemeinschaft und ihr neues Hobby

Deutschneudorf.

Die finanzielle Situation hat sich in Deutschneudorf entspannt. Investitionen können angepackt werden. Bei einem anderen Problem ist laut Bürgermeisterin Claudia Kluge (FDP) keine schnelle Lösung in Sicht: die Streitigkeiten innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft mit Heidersdorf und Seiffen. Es gebe Kommunikationsprobleme, sagt die 53-Jährige im Gespräch mit Georg Müller. Was einen Austritt Deutschneudorfs angehe - dazu herrsche aktuell jedoch Stillstand.

Freie Presse: Waren Sie schon einmal in Elterlein oder in Deutzen bei Borna?

Claudia Kluge: Nein. Warum?

Es handelt sich um die einzigen beiden Kommunen in Sachsen, die bislang einen Austritt aus bestehenden Verwaltungsgemeinschaften geschafft haben.

Das ist für mich sehr interessant. Ich werde mich auf jeden Fall schlau machen.

Ist der Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft in Deutschneudorf überhaupt noch ein Thema?

Derzeit herrscht Stillstand. Diesbezüglich bin ich von der Landesregierung etwas enttäuscht. Vor der Landtagswahl wurde uns die Prüfung eines Musteraustrittsverfahrens zugesagt. Daraus ist nichts geworden. Wir sind im Gemeinderat der Meinung, dass eine ordentliche Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft besser ist als die Kraft für Streitereien zu vergeuden.

Beim Blick auf die vergangenen Monate kann von einer ordentlichen Zusammenarbeit kaum die Rede sein. Dies zeigt sich etwa an der Umlage, die Deutschneudorf an Seiffen für erbrachte Verwaltungsaufgaben zahlen soll. Um die Höhe gibt es Streit.

Ich bin gefühlt eine Million Schritte auf Seiffen zugegangen - ohne Erfolg. Wir haben in Hinblick auf die Umlage neue Klagen für die Jahre 2019 und 2020 eingereicht.

Seiffen, Deutschneudorf und Heidersdorf haben jüngst eine neue Gemeinschaftsvereinbarung auf den Weg gebracht. Wird sie das Problem lösen?

Die Berechnung der Umlage wird darin nicht geklärt. Ich wollte dies im Vorfeld mit hineinbringen. Es ist leider nicht gelungen.

Hand aufs Herz: Geht es bei dem Streit noch um die Sache oder stehen persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund?

Es geht überhaupt nicht um Persönliches. Ich habe kein Problem, mich mit jemandem an einen Tisch zu setzen. Die Dinge müssen diskutiert werden. Persönliche Befindlichkeiten gehören da nicht hin.

Warum finden Sie keinen gemeinsamen Nenner?

Weil nicht miteinander geredet wird. Es gibt ein Kommunikationsproblem.

Lässt sich das ändern?

Es ist schwierig. Wir sind übrigens in Sachsen nicht die einzige Verwaltungsgemeinschaft, in der es knirscht. Kürzlich war ich bei einem Treffen mit anderen ehrenamtlichen Bürgermeistern. Mein Eindruck: Bei einigen funktioniert es, in der Masse nicht.

Wie sieht es aktuell finanziell in Deutschneudorf aus?

Durch zusätzliche Steuereinnahmen sieht die Situation gut aus. Der Bau der Leitung und der Verdichterstation durch Gascade war für uns die finanzielle Rettung. Die freiwillige Haushaltskonsolidierung läuft dennoch weiter. Ich habe zwar bei der Rechtsaufsicht angefragt, ob sie noch nötig ist, erhielt jedoch eine Absage, weil Jahresabschlüsse ausstehen. Die Zuständigkeit liegt bei der Verwaltung in Seiffen.

An welchen Stellen soll in diesem Jahr im Ort investiert werden?

Ganz oben auf der Liste steht die Reparatur von Straßen. Wir wollen zudem das verbliebene Stück der Straße Obere Häuser fertigstellen. Dort werden wir auch eine Zisterne als Wasserentnahmestelle für die Feuerwehr errichten. In der Planung enthalten sind die beiden Dorfplätze in Deutschneudorf und in Deutscheinsiedel. Darüber hinaus investieren wir in Bauhoftechnik. An unserem Abschnitt des Kernwanderweges stellen wir Sitzgruppen, Hinweistafeln und Wegweiser auf.

Im Besucherbergwerk und im Huthaus lässt die weitere Instandhaltung auf sich warten.

Wir wollen Fördermittel beantragen, dafür muss ein Konzept erarbeitet werden. Im Bergwerk müssen zum Beispiel Holzbalken ausgetauscht werden. Im Huthaus wollen wir Toiletten und Heizung auf Vordermann bringen.

Wann wird die marode Talstraße im Ort erneuert?

Das liegt nicht in unserer Hand. Zuständig ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Bereits im Jahr 2016 sollte eine Versammlung für die Anwohner veranstaltet werden. Sie fand bislang nicht statt. Solange in Seiffen die Hauptstraße gebaut wird, wird bei uns vermutlich nichts geschehen (die Talstraße dient während der Bauarbeiten als Umleitungsstrecke, Anm. d. Red.). Ich werde immer wieder bei den zuständigen Behörden Druck machen.

Ebenfalls Stillstand herrscht beim geplanten Breitbandausbau. Während Heidersdorf und Seiffen diesen selbst in die Hand genommen haben und deutlich weiter sind, hat Deutschneudorf die Verantwortung so wie andere Kommunen auf den Kreis übertragen. War das ein Fehler?

Wir sind in Deutschneudorf bereits gut erschlossen. Die verbliebenen Problemkinder sind die Ortsteile Oberlochmühle sowie die Brüderwiese. Beim Kreis tut sich nichts. Dennoch: Das Übertragen war richtig. Die Situation ist mit Heidersdorf und Seiffen nicht vergleichbar. Der Ausbau ist bei uns aufwendiger. Denn das alte Antennenkabelnetz ist in Deutschneudorf nicht mehr vorhanden.

In Anbetracht der vielen großen und kleinen Konflikte im Spielzeugwinkel: Wie finden Sie einen Ausgleich?

Ich habe ein neues Hobby entdeckt und halte jetzt bei uns zuhause Hühner. Die Tiere haben etwas Beruhigendes. Und das Beste daran: Man hat jeden Tag frische Eier.

Zur Person

Claudia Kluge (FDP) ist seit 2016 ehrenamtliche Bürgermeisterin von Deutschneudorf. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Verwaltungsangestellte bei einer Hilfsorganisation. Die 53-Jährige stammt aus Breitenau und lebt seit 2008 in Deutschneudorf. Seit Mitte der 1990er-Jahre engagiert sie sich politisch. Von 2006 bis 2019 arbeitete sie in Berlin als Angestellte in Büros verschiedener Bundestagsabgeordneter. (geom)

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