DFB geht gegen Freigeist-Verein vor

Die rechtsextreme Interessengemeinschaft mit Sitz in Schwarzenberg hat im Internet ein Foto verbreitet, das andeutet, Bundestrainer Joachim Löw zeige den Hitlergruß. Der DFB reagierte.

Schwarzenberg.

Mit Provokationen kennen sich die Betreiber der rechten Freigeist-Seite im sozialen Netzwerk Facebook aus. Mal wüten sie gegen "Multikulti aka Verwahrlosung". Mal zeigen sie ein bearbeitetes Buchcover mit einem Foto von Angela Merkel und dem Titel "Mein Bamf", das auf den ersten Blick an Hitlers "Mein Kampf" erinnert. Eine ähnliche Grenzüberschreitung war auch, was der Verein - den der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft - vor ein paar Tagen im Internet veröffentlicht hat.

Nach dem 2:1-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Schweden hatten die Betreiber ein Bild von Bundestrainer Joachim Löw bei Facebook eingestellt, das ihn in spezieller Pose zeigt - mit rechtem Arm und flacher Hand schräg nach oben gestreckt. Dazu schrieben sie: "Der Jogi ist schon ein echter Schelm und immer für eine Überraschung gut."

Dann war der Beitrag für lange Zeit nicht zu sehen. Sowohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als auch eine Anwaltskanzlei, die Löw vertritt, hatte die Freigeist-Betreiber aufgefordert, ihn zu entfernen. Wie ein DFB-Sprecher auf Nachfrage von "Freie Presse" erklärt, kontrolliere man regelmäßig Inhalte, die im Internet und in den sozialen Medien über den Fußball-Bund veröffentlicht werden. Dabei war auch dieses Foto aufgefallen und Facebook gemeldet worden, das der Sprecher als "unangebracht" bezeichnet. Zum Bild selbst erklärt der DFB, es sei nicht während der Weltmeisterschaft in diesem Jahr entstanden, sondern vermutlich mehrere Jahre früher. "Dies kann man an den Outfits der Teammitglieder im Hintergrund erkennen", heißt es.

Der Verein Freigeist will den Post selbst als "Satire" verstanden wissen und hat das Bild von Löw kurze Zeit später einfach erneut ins Netz gestellt, diesmal jedoch mit Smiley-Gesicht über Löws Kopf. Dazu veröffentlichten die Betreiber auch das Schreiben, das sie zu dem Fall von der Anwaltskanzlei erhalten haben. Darin waren sie aufgefordert worden, die Veröffentlichung zu unterlassen, weil das Foto aus dem Kontext gerissen wird. Löw zeige eine taktische Anweisung und nicht den Hitlergruß, wie von Freigeist suggeriert.

Der Vorsitzende des Vereines Freigeist, Stefan Hartung (NPD), sagt zu dem Foto auf Nachfrage: "Ich hätte es nicht gepostet. Ich fand es aber witzig." Es habe die "politische Korrektheit" des DFB hinterfragen sollen. Zwar sehe es auf dem Foto so aus, als mache Löw den Hitlergruß, sagt Hartung. Aber man "muss auch diese Epoche satirisch behandeln dürfen".

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