"Engel" wollen innerhalb von 24 Stunden Bodensee umradeln

Mitarbeiter der Firma Wendt & Kühn Grünhainichen haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Eine DDR-Meisterin im Bahnradsport fungiert dabei als Tempomacherin.

Grünhainichen.

Die Angestellten bei Wendt & Kühn müssen eine ruhige Hand, ein gutes Auge und viel Fingerspitzengefühl haben. Und gute Beine sowie ausreichend Kondition und Durchhaltevermögen. Zumindest diejenigen, die sich übernächste Woche an einer Radtour im Dreiländereck Deutschland-Österreich-Schweiz beteiligen. Das Team der Engelmanufaktur will den Bodensee umrunden - an einem Tag. Also rund 250 Kilometer innerhalb von 24 Stunden.

Die Idee für den körperertüchtigenden Betriebsausflug in den Süden Deutschlands hatte Petra Ullm. "Ich war vor Jahren am Bodensee und dachte mir damals: Den müsste man mal umradeln", berichtet die Hennersdorferin, die bei Wendt & Kühn als Malerin arbeitet. Als Frist hatte sie sich ursprünglich ihren 60.Geburtstag gesetzt. "Da das nicht geklappt hat, eben nun solange ich noch 60 bin", begründet Petra Ullm die Terminwahl. Dafür konnte sie bei ihrer Geburtstagsfeier im Oktober, bei der sie von ihren Plänen berichtete, einige Arbeitskollegen und Freunde für das ehrgeizige Vorhaben begeistern. Zu zehnt - sechs Frauen und vier Männer - wollen sie nun die Tour in Angriff nehmen. Das jüngste Teammitglied ist 31, das erfahrenste Mitte 60 - alles Hobbysportler.


Die Vorbereitungen auf die für den 30. Juli geplante Bodensee-Runde erfolgen individuell. "Jeder nach seinen Möglichkeiten", sagt die leidenschaftliche Radfahrerin. Sie selbst steigt mehrmals in der Woche aufs Rad. Letzter Test war eine Tagestour über 160 Kilometer im Spreewald. Dass die Form stimmt, zeigen die Feierabendfahrten mit ihrem Mann. Jürgen Ullm hat große Mühe, sich ans Hinterrad seiner Frau zu heften. Geht es bergauf, verliert er nicht selten den Anschluss. Nur einmal, bei einer Runde über Zschopau, sei er vor ihr wieder in Hennersdorf gewesen. "Da hat er abgekürzt", berichtet Petra Ullm schmunzelnd. Der 65-Jährige, der einmal in der Woche beim Volleyball am Netz steht, nimmt die Überlegenheit seiner Frau gelassen: "Sie ist ja vorbelastet." Dabei ist das noch untertrieben.

Petra Ullm ist eine ehemalige Leistungssportlerin. Von 1968 bis 1984 war sie als Eisschnellläuferin für den SC Karl-Marx-Stadt aktiv. 1981 lief sie - unter ihrem Mädchennamen Richter - in Davos Jahresweltbestzeit über 500 Meter. Zum Ende ihrer Karriere stieg sie wie andere Kufenflitzerinnen aufs Rennrad - mit Erfolg: 1983 wurde sie DDR-Bahnradmeisterin über 500 Meter. 1980 und 1984 wäre die Hennersdorferin beinahe bei Olympischen Spielen dabei gewesen. "Ich habe die Vorbereitungen auf Lake Placid und Sarajevo mitgemacht. Es gab drei Plätze, ich war leider nur die Nummer 4", erinnert sich die studierte Diplomsportlehrerin.

Bei dieser Vita ist es nicht verwunderlich, dass Petra Ullm bei dem Betriebsausflug auf einen der beliebtesten Radwege Europas als Teamführerin und Tempomacherin fungieren wird. "Wir wollen so lange wie möglich zusammen fahren, schließlich geht es bei der Tour auch um das gemeinsame Erlebnis", betont die 60-Jährige. "Wir haben auch alle nur ganz normale Räder. Lediglich eine Kollegin fährt mit einem E-Bike, da sie Knieprobleme hat." Der Bodensee-Radweg führt zum größten Teil durch nur leicht hügeliges oder gänzlich flaches Gebiet.

Somit wird das "Hauptfeld" auf den ersten gut 100 Kilometern von Friedrichshafen über Lindau und Bregenz bis nach Konstanz zusammenbleiben. Dort könne jeder für sich entscheiden, ob er auf der großen Schleife (250 Kilometer) über Stein am Rhein sowie um Untersee und Überlinger See bleiben oder lieber die kürzere, insgesamt "nur" etwa 170 Kilometer lange Runde fahren möchte, erläutert die Hennersdorferin. An der Strecke gebe es mehrere Rastplätze, auf denen Verwandte und Freunde die Betreuung der zehn Pedalritter übernehmen.

Egal ob große oder kleine Runde, Claudia Baer, die Chefin der "Engel" auf Rädern, findet es spitze, dass ihre Mitarbeiter so in die Pedale treten. "Sie haben fast alle eine sitzende Tätigkeit, da tut Bewegung sehr gut", sagt die Komplementärin der Grünhainichener Traditionsfirma, die die Truppe mit schmucken Mannschaftstrikots im typischen Wendt & Kühn-Grün ausgestattet hat.

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