Feuerwehrchef fordert Anreize

In der Cämmerswalder Wehr stehen tagsüber nicht mehr genug Aktive bereit. Neue Mitglieder zu gewinnen, wird immer schwieriger.

Neuhausen.

Gerd Kriebel versucht seit zwölf Jahren, neue Mitstreiter für die freiwillige Feuerwehr zu bekommen, zum Beispiel beim jährlichen Tag der offenen Tür. "Das hat an dem Tag noch nie geklappt, aber er ist inzwischen Kult", sagt der Neuhausener Gemeindewehrleiter. Die Interessen lägen heute woanders und die Arbeitsstelle oft nicht mehr im Heimatort - was dazu führe, dass wochentags die Mindestbesetzung in der Ortsfeuerwehr Cämmerswalde kaum erreicht werde und auch nicht alle Mitglieder die geforderten 40 Stunden Ausbildungszeit pro Jahr schaffen.

Der Anreiz müsse vom Gesetzgeber kommen, zum Beispiel in Form von Steuervergünstigungen. Kriebels Befürchtung: "Das wird erst passieren, wenn keiner mehr da ist."


Aktuell hat Cämmerswalde 27aktive Kameraden, 13 Mitglieder im Musikzug, 22 in der Alters- und Ehrenabteilung und 10 in der Jugendfeuerwehr. In Neuhausen zählt die Feuerwehr 31 Aktive, drei neue konnten 2018 gewonnen werden. Zu den Mitgliedern gehören auch sechs passive, 13 in der Alters- und Ehrenabteilung und 12 in der Jugendfeuerwehr. Kriebel selbst wurde als Drittklässler Mitglied der Feuerwehr, seit 1979 ist er im aktiven Dienst und seit zehn Jahren Gemeindewehrleiter. "Ich habe es nie bereut", so der 55-Jährige, "Bei der Feuerwehr kann man doch ein bisschen was bewegen."

Es sei aber schwierig geworden, Jugendliche zu halten. "Viele gehen mit 16 aufgrund der Lehre weg", sagt er. Quereinsteiger nehme er deshalb gern - Männer wie Frauen. "Denn das sind Leute, die schon sesshaft sind." In die Aufgaben würden sie reinwachsen, regelmäßige Lehrgänge helfen dabei. Wer die Feuerwehr unterstützen will, kann dienstags alle 14 Tage von 19 bis 21 Uhr im Gerätehaus an der Poststraße vorbeischauen.

Zu den aktuellen Herausforderungen zählt Kriebel auch die Umstellung auf die neue Leitstelle in Chemnitz. Seither habe es einige Fehlalarme gegeben, zudem wurden Informationen falsch vermittelt - so im Dezember bei einer Alarmierung wegen Schneebruchs. Statt einem Baum auf einem Auto fanden die Kameraden nichts vor. Die Situation war vor Stunden beräumt worden. Dramatische Einsätze waren bei den 16 Alarmierungen 2018 nicht dabei, so Kriebel. Bei einer Türöffnung wie im Oktober einen Toten vorzufinden, gehöre leider dazu. "Da müssen wir mental stark sein, und wenn einer schwächelt, ihn aufbauen."

Technisch ist die Wehr gut aufgestellt, so Kriebel. In den vergangenen Jahren konnten mithilfe von Fördermitteln die Druckschläuche erneuert, ein neuer Rettungssatz mit Schere und Spreizer, ein pneumatisches Hebekissen für die Neuhausener sowie ein Mannschaftstransporter für die Cämmerswalder Ortswehr angeschafft werden. Ein paar Wünsche gebe es noch. "Dafür ist ein guter Draht zur Verwaltung wichtig", sagt Kriebel, der auch im Gemeinderat sitzt. Große Anschaffungen seien in diesem Jahr nicht geplant.

Am zweiten Septemberwochende gibt es wieder einen Tag der offenen Tür im Depot - zum 29. Mal. Der beginnt am Samstagabend mit Lampionumzug und Familientanz und wird am Sonntag mit Frühschoppen, Schauvorführungen und Musik fortgesetzt.

Der Feuerwehr gehe es auch um Zusammenhalt, nicht nur im Ort: Seit 1990 besuchen sich die Mitglieder aus Neuhausen und der Partnerfeuerwehr im schwäbischen Affalterbach gegenseitig. "Sie haben viele junge Leute, die gern herkommen, um das erzgebirgische Flair kennenzulernen", so Kriebel. "Inzwischen sind richtige Freundschaften entstanden."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...