Firmenparkplatz wird zur Lebensinsel

Mit einem Projekt will der Landschaftspflegeverband Zschopau-/Flöhatal die Bedingungen für Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen verbessern. Ein Unternehmen aus Weißbach geht mit gutem Beispiel voran.

Weißbach.

Eigentlich sind Elektrogeräte und Schaltschränke das Ding von Rainer Hollnagel. In den vergangenen drei Wochen widmete sich der Geschäftsführer der Weißbacher Firma Flexiva aber auch Rasengittersteinen und Pflanzen. "Alles ist so ausgerichtet, dass wir ökologisch produzieren. Dazu gehört, dass wir der Natur ihren Raum lassen", nennt er die Firmenphilosophie, zu der neben E-Tankstelle und Wärmepumpe nun auch eine Lebensinsel gehört. Es handelt sich um den neuen Firmenparkplatz, der dank einer Initiative des Landschaftspflegeverbandes Zschopau-/Flöhatal nicht nur 46Autos Platz bietet, sondern auch zahlreichen Insekten.

"Bei uns sind sie damit offene Türen eingerannt", sagt Hollnagel über das Projekt, um das sich bei dem in Pobershau beheimateten Verein in erster Linie Yvonne Scholz kümmert. Seit einem Jahr sucht sie den Kontakt zu Kommunen, Firmen und Bürgern, um ihrem Anliegen Aufmerksamkeit zu verschaffen. Fördermittel können über die Leader-Region Zwönitztal/Greifensteine abgerufen werden. Doch des Geldes bedarf es gar nicht unbedingt.

"Im Prinzip kann jeder selbst etwas dazu beitragen, den Lebensraum für Schmetterlinge, Hummeln und Wildbienen zu verbessern", sagt die Projektmitarbeiterin: "Es wäre schon ein Fortschritt, wenn einige Grünflächen nicht mehr fünf- oder sechsmal pro Jahr gemäht werden, sondern vielleicht nur noch zweimal." Genau darin liege aber das Problem, denn viele Menschen könnten wilde Natur nicht ertragen.

Eine Fläche, auf der Gras und andere Pflanzen wuchern, habe innerhalb von Ortschaften schnell den Ruf eines Schandflecks weg, den es zu beseitigen gilt. Dabei bieten genau solche Bereiche optimale Lebensbedingungen für Insekten, die für die gesamte Natur - und damit letztlich auch für den Menschen - von großem Nutzen seien. Sie seien nicht nur wichtiger Bestandteil der Nahrungskette, sondern sorgen auch für die Bestäubung der Blüten. "Das ist nicht nur auf die Honigbiene zurückzuführen", betont Yvonne Scholz. Selbst Schmetterlinge erledigen das. Dank ihres Saugrüssels können sie Nektar sogar aus bis zu 40 Millimeter tiefen Röhrenblüten saugen. Werden große Wiesen jedoch im Herbst gemäht, gehen die dort gelegten Eier und damit die nächste Generation an Schmetterlingen verloren: "Sie verpuppen sich und schlüpfen erst im folgenden Mai."

Auf Folgen von Pflegearbeiten, die vielleicht der Ordnung, aber nicht der Natur dienen, möchte der Landschaftspflegeverband mithilfe der Lebensinseln aufmerksam machen. "Wir wollen das Bewusstsein schaffen, warum die Pflanzen wachsen sollen. Es handelt sich in erster Linie um eine Informations- und Öffentlichkeitskampagne", erklärt Geschäftsführerin Heike Rossa, die die Arbeit bei Yvonne Scholz in guten Händen sieht. Der Projektmitarbeiterin schwebt auch ein Wettbewerb unter Kleingärtnern vor: Wer hat den schönsten Naturgarten? Während sich dieses Vorhaben noch in Planung befindet, ist ein Geschichten-Wettbewerb für Grundschulen schon angelaufen. "Es geht um Insekten, die genervt im Stadtpark sitzen. Viertklässler sollen diese Story mit ihren eigenen Ideen zu Ende schreiben", erklärt die Initiatorin, die sich auch über gute Gespräche mit den Gemeinden Amtsberg, Drebach, Ehrenfriedersdorf und Thalheim freut. "Dort wurden schon Flächen besichtigt, auf denen man etwas tun kann." Auch mehrere Firmen haben ihre Bereitschaft zur Kooperation bekundet. Doch nirgends ist das Projekt so weit vorangeschritten wie in Weißbach, wo neben dem Flexiva-Parkplatz noch eine 2000 Quadratmeter große Schmetterlingswiese angelegt wurde.

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