Fritz aus Grünhainichen besucht Pinguinkolonie am Pol

Reisenussknacker Wilhelm aus Seiffen hat Verstärkung aus dem Engeldorf bekommen. Ein knuffiges Kerlchen fungiert in der Antarktis als Botschafter des Erzgebirges.

Grünhainichen.

Im Dezember 1911 hatte Amundsen gegen Scott den Wettlauf zum Südpol gewonnen. Jetzt war Fritz vor Wilhelm da. Wilhelm, der Reisenussknacker aus Seiffen, war in Portugal, Peru, Ecuador, Neuseeland, Südkorea, auf der Osterinsel und sogar schon live in der Fernseh-Talkshow Riverboat. Aber bis zum südlichsten Punkt der Erde dürfte es noch keine Holzfigur aus dem Erzgebirge geschafft haben.

Fritz ist ein kleiner Schneemann aus Grünhainichen. Schöpfer des knuffigen Kerlchens, das eine große Schneeflocke in den Händen hält, ist Dirk Hobler. Der Diplom-Designer ist Inhaber der Holzkunstfirma Hobler - Figuren mit Herz aus Grünhainichen. Da fast alle Hobler-Figuren als Pärchen auftreten, hat Fritz einen Bruder - Otto. Zur Familie gehören unter anderen noch die Kaninchen Emma und Max, die Engel Hans und Lotte sowie das Teufelchen Gustav.


Wie aber kam Fritz in die Antarktis? "Marie-Charlott Rümmler, eine Bekannte von uns aus Jena, hat den Schneemann vor einiger Zeit geschenkt bekommen. Sie ist Ökologin und war schon mehrmals zu Forschungsarbeiten am Südpol. Diesmal hat sie ihn mitgenommen", berichtet Dirk Hobler.

Anders als Norweger Roald Amundsen, der im August 1910 mit einem Schiff mit 97 Schlittenhunden, Bauteilen für eine Hütte sowie Proviant für zwei Jahre an Bord zur Eroberung des Südpols aufgebrochen war, reiste Fritz bequem im Gepäck der Thüringerin. Wie schon bei früheren Reisen erforscht die Ökologin zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tier- und Pflanzenwelt in der Antarktis.

Informationen der Uni Jena zufolge werden dafür im Auftrag des Umweltbundesamtes zum Beispiel Pinguinnester und -kolonien mittels GPS erfasst, gezählt und kartiert. Um die Tiere dabei weniger stören zu müssen, soll nun der Einsatz von Drohnen getestet werden. Dabei gilt es etwa zu klären, wie weit sich eine Drohne einer Pinguinkolonie nähern kann, ohne Panik auszulösen. Vor dem Gast aus dem Engeldorf haben die flugunfähigen Seevögel jedenfalls keine Angst, wie Fotos vom Pol zeigen. Der kleine Mann mit grauem Zylinder, rotem Schal und der schräg nach oben ragenden Möhre im Gesicht wurden von den Pinguinen neugierig beäugt. Fritz ließen die Südpolbewohner kalt.

Anders als bei Amundsen und Scott, die sich als Rivalen betrachteten, sind Fritz und Wilhelm keine Konkurrenten. Der Schneemann sieht sich eher als Verstärkung für den Nussknacker. Beide sind Botschafter der Region und wollen das Erzgebirge bei so vielen Menschen wie möglich bekannt machen. Der Nussknacker aus dem Spielzeugdorf reist schon seit zwei Jahren regelmäßig mit Freunden und Bekannten seines Erschaffers Markus Füchtner um die Welt. Wo immer sie hinfuhren, fotografierten sie Wilhelm und stellten die Bilder ins Internet.

Eine weitere Gemeinsamkeit neben der Reiselust ist die Begeisterung der beiden Holzfiguren für den Sport. Wilhelm war 2018 bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Der Schneemann aus Grünhainichen - diesmal ausgestattet mit Ski und Gewehr - war vor zwei Wochen beim Biathlon in Oberhof. "Der Veranstalter des Weltcups hatte uns gebeten, für die Veranstaltung eine limitierte Serie von 100 Figuren herzustellen", erläutert Dirk Hobler.

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