Geburten auf höchstem Stand seit Wende

In vielen Orten des Erzgebirges gibt es wieder mehr Kinder. Doch nicht jede Kommune profitiert von der Entwicklung.

Marienberg/Zschopau.

Gute Nachrichten für den Erzgebirgskreis: Die Geburtenrate nimmt wieder zu und hat im Jahr 2015 den höchsten Stand seit der Wende erreicht - so die aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik. Mit durchschnittlich 1,7 Kindern je Frau gibt es zwar noch immer einen Bevölkerungsrückgang, denn rein rechnerisch wäre er erst bei mehr als 2,0 gestoppt, also bei zwei Kindern je Frau. Doch die Kommunen sehen sich auf einem guten Weg, auch wenn es mancherorts noch klemmt.

Die Spitzenreiter: Etwa 60 Orte gibt es im Erzgebirge, einer übertraf 2015 alle anderen: Gornsdorf. Dort lag die Geburtenrate bei 4,0. "Der Zuzug junger Leute nach Gornsdorf ist eine Ursache", sagt Bürgermeisterin Andrea Arnold. Gornsdorf fördere Familien, so gebe es seit Jahren ein Begrüßungsgeld. Wichtig sei vor allem ein intaktes Umfeld mit Schule, Kindertagesstätte, Sportstätten, Bad, Spielplätzen und Vereinen.

Ähnlich sieht es in Tannenberg aus. Die Gemeinde profitiert laut Bürgermeister Christoph Neubert von der Nähe zu Annaberg-Buchholz. So gebe es viele junge Familien, die in der Stadt arbeiten und in Tannenberg leben, etwa im Wohngebiet mit Eigenheimen. Wenn erst mal ein Haus gebaut ist, sei der Nachwuchs nicht mehr weit, ist sich der Bürgermeister sicher. So kam Tannenberg 2015 auf eine Geburtenrate von 2,8, wozu das bis dahin gezahlte Begrüßungsgeld in Höhe von 1000 Euro beitrug.

Das Mittelfeld: "Wir sind zufrieden", sagt Steffen Möckel, Hauptamtsleiter in Bad Schlema. Die Kindertagesstätten seien ausgelastet, weitere Plätze werden geschaffen. Natürlich gebe es finanzielle Grenzen, deswegen fordert Möckel mehr Unterstützung vom Bund. Bad Schlema versuche zudem, bezahlbares Bauland zur Verfügung zu stellen, der infrage kommende Platz sei aber wegen der Wismut-Vergangenheit begrenzt. Die Geburtenrate liegt hier bei 1,6.

Auch Schneeberg ordnet sich mit 1,5 im Mittelfeld ein. Bürgermeister Ingo Seifert kann sich damit gut anfreunden. Schneeberg habe viel zu bieten, etwa sechs Kindertagesstätten und sieben Schulen. Seifert ist oft in letzteren unterwegs, um für die Region zu werben. "Viele Jugendliche wissen nicht, was es bei uns für Berufschancen gibt." Denn auch das Wissen um diese Perspektiven sei entscheidend. Nur so lassen sich junge Menschen halten, die später Familien gründen.

Annaberg-Buchholz bewegt sich ebenfalls im Mittelfeld. Dort lag die Rate im Jahr 2015 bei 1,7. Stadtsprecher Matthias Förster verweist darauf, dass viel für Familien getan wird. Unter anderem gibt es Babyempfänge des Oberbürgermeisters, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche werden gefördert, Standorte für Eigenheime ausgewiesen, Arbeitsplätze geschaffen.

Eine leichte Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet Marienberg: 2015 lag die Geburtenrate bei 1,8. Als Gründe nennt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer die gute wirtschaftliche Situation sowie die gute Infrastruktur. Marienberg unterstützt Familien unter anderem mit Familienbaugrundstücken, mit Einkaufsgutscheinen für Neugeborene und mit Zuschüssen bei der Schülerbeförderung.

Die Schlusslichter: Weniger erfreulich gestaltete sich im Jahr 2015 die Geburtenrate in Deutschneudorf. Dort lag sie bei nur 1,0. Zwar relativiert sie sich mit Blick auf das Vorjahr, als es deutlich mehr Geburten gab, die Zahl gibt Bürgermeisterin Claudia Kluge dennoch zu denken. "Junge Leute ziehen weg", sagt sie. Gleichzeitig gibt es Grund zur Hoffnung. Der Kindergarten sei voll belegt. Renovierte Wohnungen finden schnell Mieter. Zudem bieten Unternehmen Jobs.

Niedrig fiel die Geburtenrate im Jahr 2015 auch in der Motorradstadt Zschopau aus. Dort lag sie bei 1,3, während sie im Jahr 2014 noch 1,8 betrug. Zu den Gründen sagt Oberbürgermeister Arne Sigmund etwas ratlos: "Uns liegen keine detaillierten Erkenntnisse vor." Er verweist darauf, dass es in Zschopau ein Begrüßungsgeld für Neugeborene in Höhe von 100 Euro gibt. Ein Familienpass bietet Vergünstigungen etwa für den Freibadbesuch.

Eine sehr niedrige Rate verzeichnete Auerbach: 0,8. Damit bildete der Ort in Sachen Geburtenrate das Schlusslicht des Landkreises. In letzter Zeit habe es wieder mehr Geburten gegeben, betont Bürgermeister Horst Kretzschmann. Auerbach profitiert dabei von dem Nachbarort Gornsdorf, wo es mit der KSG Leiterplatten GmbH einen attraktiven Arbeitgeber gibt. Kretzschmann: "Wir haben die Talsohle durchschritten. Man muss die längerfristige Entwicklung sehen."


Zahlen sind eine Momentaufnahme

Um das Geburtenverhalten der Frauen im jeweiligen Kalenderjahr zu verdeutlichen, wird die sogenannte zusammengefasste Geburtenziffer genutzt. Sie lag im Landkreis im Jahr 2015 bei 1,7. Zugrunde gelegt wurden die Daten von Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren, also derjenigen im gebärfähigen Alter. Die zusammengefasste Geburtenziffer besitzt einen vorläufigen Charakter, da sie teils auf Annahmen beruht.

In vielen Orten des Erzgebirges ist die Zahl schwankend. Während die einen in den Vorjahren besser abschnitten (etwa Deutschneudorf und Auerbach), sah es in den anderen schlechter aus (etwa Gornsdorf). (geom)

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