Glosse : Versuchungen im Garten Eden

Mensch Adam, es war nur ein Apfel. Doch nicht einmal dieser Versuchung konntest du widerstehen. Nicht auszumalen, wie schnell du und deine Eva aus dem Paradies vertrieben worden wärt, wenn das Erzgebirge euer Garten Eden gewesen wäre. Denn hier wachsen die sündhaftesten Pflanzen überhaupt. Glaubst du nicht? Die diesjährige Gartenmeisterschaft hat es wieder einmal bewiesen.

Hier trägt ein Apfelbaum 19 verschiedene Sorten auf einmal. In Reifland wachsen Pfirsiche von der Hauswand, in Rothenthal Gurken von der Decke. Kürbisse bringen nicht ein, zwei, drei oder vier Kilo auf die Waage, sondern wiegen vermutlich mehr als deine geliebte Eva. Du müsstest sie tragen durch eine Allee aus Walnussbäumen, ein Paradies aus Palmen in Pockau, vorbei an einem Kiwibaum in Zschopau, bis eure Blicke in Gelenau gen Himmel gehen, um eine 4,30 Meter hohe Sonnenblume zu bestaunen. Sündhaft süße Honig- und Zuckermelonen, Papageienpflanzen und exotische Gurkenarten wie Plum-Lemon, Armenischer Meter und Ukraina Purple kreuzten eure Wege.

Umso stolzer sind wir auf uns selbst, hier am Schreibtisch sitzend und lechzend nach süßen Früchten und herzhaftem Gemüse. Obwohl wir jeden Tag über glückliche Gartenbesitzer berichtet und neidisch die Bilder ihrer umwerfenden Züchtungen begutachtet haben, sind wir standhaft geblieben. Keine Versuchung - wir dürfen im erzgebirgischen Paradies bleiben. Dennoch hat sich etwas getan. Wir sind vor lauter Grünzeug inzwischen alle zu Vegetariern mutiert und bis obenhin voll mit Inspiration. Nun warten wir auf das kommende Jahr und die verbotenste aller verbotenen Früchte: die Schlangenfrucht.

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