Holzmännlein und Zwerge: Autorin schreibt Erzgebirgsmärchen

Weil es bisher keine gibt, hat Claudia Curth einfach selbst Märchen verfasst, die zwischen Auerbach und Seiffen spielen. Das Projekt gewinnt zunehmend an Fahrt. Bäcker und ein Radiomoderator spielen dabei eine Rolle.

Marienberg.

Sagen gibt es im Erzgebirge zuhauf. "Aber die sind gruselig. Erzählen zum Beispiel von weißen Frauen, deren Seelen keine Ruhe finden, oder getöteten Förstern", sagt Claudia Curth. Die Thalheimerin, die die Facebook-Seite "Erzgebirge-aktuell" betreibt und jährlich den Kalender "Mein Erzgebirge" mit mehr als 300 Veranstaltungen herausbringt, beschäftigt sich seit 2014 intensiv mit der Region. Ihren jüngsten Kalender wollte sie mit einem passenden Märchen versehen. "Da habe ich gemerkt: Es gibt gar keine." Also hat sie sich selbst hingesetzt und sieben Erzgebirgsmärchen geschrieben. Anfang November erscheint der Band.

Die Märchen mit einer Lesedauer von jeweils etwa zehn Minuten gleichen einem Streifzug durchs Erzgebirge. So entdeckt Friedl irgendwo bei Lößnitz das Steinhaus von Anna. In Beierfeld trifft der erfahrene Bergmann Heinrich auf drei weise Zwerge, in Seiffen bittet der Holzklotz Movendu den Lorenz, aus ihm ein richtiges Männlein zu machen, und in der Bergstadt Preßnitz im böhmischen Erzgebirge stoßen die Wandermusikanten auf ein magisches Büttenpapier. Nicht nur an der Geschichte vom Strumpfwirker Alfred, der über einen Zwerg stolpert, der gerade den Arsenkies Thalheimit abbaut, wird deutlich, wie die Autorin Fiktives mit den Realitäten verknüpft, die das Erzgebirge die vergangenen Jahrhunderte geprägt haben: Bergbau, Strumpfindustrie oder auch das Heilen mit Kräutern, die hier wachsen. Und natürlich gehen die Märchen am Ende gut aus. "Ich möchte, dass Kinder und mit ihren Vorlesern auch Erwachsene über diese Märchen das Erzgebirge besser kennenlernen", sagt Curth, die in das Buch auch Hintergrundwissen und Ausflugstipps gepackt hat. Und sie gibt - wie es sich für ein Märchen gehört - auch Werte mit.

"Ich denke da oft an meinen Urgroßvater Alfred Seidel", sagt Claudia Curth. Seine Sprüche wie "Aus einer schönen Schüssel wird man nicht satt" oder "Man muss seine Sachen auch im Dunkeln finden können" bettete sie in die Märchen ein. Auch beschreibt sie, wie Kinder einst spielten, und erläutert, wie vor Jahrhunderten ein Badezimmer aussah: "Eine Waschschüssel und ein Nachttopf, das war's. Da staunen die Kinder bei den Lesungen immer."

Im Tonstudio von Mirko Süß in Crottendorf ist eine CD dazu entstanden. Zunächst war nur geplant, die Märchen einzusprechen. Am Ende ist es ein Hörbuch geworden mit Effekten und verschiedenen Stimmlagen. Für die Rolle des Sprechers konnte Claudia Curth den Chemnitzer Radiomoderator Karsten Kolliski gewinnen, sie selbst hat spontan die weiblichen Parts übernommen. "Eine frühere Version hatten meine Kinder als Testhörer abgelehnt: Mutti, das klingt wie ein Roboter, meinten sie", erinnert sich die 45-Jährige.

Mit ihrem Buch scheint Claudia Curth einen Nerv getroffen zu haben. Der Tourismusverband Erzgebirge ist interessiert, ab 2021 bei den Wanderwochen eine Märchenwanderung aufzunehmen. "Wir freuen uns über das Projekt. Mit Märchen Lust am Entdecken der Region zu wecken, ist eine tolle Idee", erklärt eine Sprecherin des Tourismusverbands.

Touristen über diese Schiene anzulocken, kann sich lohnen, sagt Cornelia Vopel. Die Professorin ist Dozentin für Hotel-Management und Tourismus an der Berufsakademie in Breitenbrunn. "Werbung ist von Natur aus aufdringlich. Das Gegenteil ist Inbound-Marketing: die Erstellung hochwertiger Inhalte, die den Kunden anziehen. Weil sie wertvolles Wissen bieten. Oder unterhalten. Oder inspirieren", so Vopel.

Und damit nicht genug. Bäcker werden pünktlich zum Erscheinen des Buches Märchenkekse backen und verkaufen. "In Thalheim sind alle Bäcker dabei", freut sich die Autorin. Auch ein Café in Stollberg sowie eine Bäckerei in Beierfeld und in Ehrenfriedersdorf hätten zugesagt. Eine Übersetzung ins Tschechische ist im Gespräch. Angedacht ist auch, dass erzgebirgische Musiker zu jedem Märchen ein Lied komponieren. "Aber erst, wenn Band 2 erscheint. Sieben Lieder reichen für eine CD nicht", sagt Curth.

Das Buch "Erzgebirgsmärchen" inklusive Hörbuch-CD soll Anfang November erscheinen. Es kostet 19,90 Euro und ist im Buchhandel und in allen "Freie Presse"-Shops im Erzgebirge erhältlich. Zum bundesweiten Vorlesetag am 15. November wird Claudia Curth in der Bücherei Geyer von 17 bis 18 Uhr aus dem Buch lesen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...