Im "Getzenwald" wird schon die "Speckschwarte" gefettet

Das Getzenrodeo in Grießbach bringt auch die weltbesten Motorradgeländefahrer an ihre Grenzen. Das Spektakel in dem Drebacher Ortsteil ist in vielerlei Hinsicht auch selbst eine Veranstaltung der Extreme.

Grießbach.

Der Termin rückt näher. Zwischen Johanngeorgenstadt und Seiffen, Stollberg und Oberwiesenthal werden die Tage heruntergezählt. Noch sieben Wochen müssen sich Freunde des Motorradgeländesports gedulden, bis im Erzgebirge mit dem Grießbacher Getzenrodeo der heiße Herbst eingeläutet wird. Am 21. Oktober steigt die siebte Auflage des Extrem-Enduros, das Tausende Zuschauer an die Strecke lockt und selbst den weltbesten Fahrern alles abverlangt. "Freie Presse" zeigt, weshalb das Spektakel in dem rund 500 Einwohner zählenden Ortsteil von Drebach in vielerlei Hinsicht auch selbst eine Veranstaltung der Extreme ist.

Veranstalter: Das Getzenrodeo wird alle zwei Jahre vom gleichnamigen Verein auf die Beine gestellt. "Wir sind 18 Leute", sagt Falko Haase, der zusammen mit Matthias Schubert den Hut auf- und die Veranstaltung vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. "Nach dem Getzenrodeo ist vor dem Getzenrodeo", macht der 42-Jährige deutlich, dass die Vorbereitungen des diesjährigen Rennens bereits im Herbst 2016 begannen. Nach der Erledigung aller Formalitäten trifft sich der harte Kern der Truppe seit einigen Wochen mindestens einmal wöchentlich nach Feierabend zum Streckenbau und anderen Arbeiten. "In der Woche vor dem Rennen nehmen die meisten Urlaub", sagt Schubert, der als Anästhesie-Fachkrankenpfleger in der Chemnitzer Frauenklinik arbeitet. "Wir machen das in der Freizeit, aus Spaß an der Freude", fügt Kfz-Mechaniker Haase hinzu.

Strecke: Der Kurs befindet sich in einem Waldstück südlich des Dorfes. Die nur etwa 4,5 Kilometer lange Tour ist je nach Bodenbeschaffenheit, Profil und Geländeart in verschiedene Sektionen unterteilt: "Kartoffel-Reibe" (Steinfeld), "Getzenpfanne" (fast senkrechte Felskante) oder "Speckschwarte" (Steilabfahrt). Alle Passagen setzen ein hohes technisches Fahrkönnen, Körper- und Maschinenbeherrschung, Mut und Selbstüberwindung voraus. "Wir bauen keine künstlichen Hindernisse auf, unser Motto lautet: 99,9 Prozent Natur", bekräftigt Schubert und betont, dass der "Getzenwald" sonst strikt motorradfreie Zone sei: "Selbst wir fahren die Strecke nicht ab."

Fahrer: Nachdem in den Anfangsjahren deutsche Fahrer den Sieg - Ralf Scheidhauer (2) und Marcus Kehr - noch unter sich ausmachten, dominieren seit 2012 internationale Extrem-Enduro-Spezialisten das Geschehen im Erzgebirge. Allen voran Graham Jarvis. Der 43-jährige Brite gewann die letzten drei Rennen und hat sich längst zum Publikumsliebling entwickelt. "Dabei wollte er 2012 gar nicht bei uns starten, sondern lieber in Neuseeland. Inzwischen kommt er immer gern zu uns. Es gefällt ihm hier", so Schubert. Rund 120 Fahrer aus sieben Nationen haben sich bisher für die maximal 50 Startplätze beworben. "Mehr sind aus Sicherheitsgründen nicht drin. Die Auswahl übernehmen wir", sagt Schubert. Der Verein hofft erneut auf ein erlesenes Starterfeld mit den Stars der Szene wie Jarvis, seinen Landsmann Jonny Walker, den Spanier Alfredo Gomez und den deutschen Senkrechtstarter Manuel Lettenbichler. "Zugesagt haben die Werkteams, aber schriftlich liegt im Moment noch nichts vor."

Preisgeld: Nachdem bei den ersten Rennen der Sieger lediglich einen Getzen, also ein traditionelles Gericht der erzgebirgischen Küche, erhielt, können die besten Fahrer mittlerweile auch ein sattes Preisgeld verdienen. Diesmal wird die Rekordsumme von über 20.000 Euro an die ersten fünf Fahrer verteilt. Der Sieger erhält allein 10.000 Euro. "Die Prämien finanzieren wir durch das Eintrittsgeld. Wegen des Preisgelds kommen die besten Fahrer, wovon wiederum die Zuschauer etwas haben", so Haase. Zuschauer und Programm: Rund 10.000 Zuschauer säumten 2016 die Strecke im "Getzenwald". "Auf ähnlich viele hoffen wir auch diesmal", sagt Schubert. Neu ist in diesem Jahr, dass sich Fahrerlager und Festzelt auf dem Gelände der Firma Mogatec befinden und dass das Getzenrodeo an einem Sonntag ausgetragen wird. "Das Programm beginnt bereits am Samstagmittag mit einer Autogrammstunde und öffentlichem Training. Am Abend steigt im Festzelt die Eröffnungsfeier unter anderem mit Einmarsch der Nationen und Fahrervorstellung", blickt der Grießbacher voraus.

Mit einem Kanonenschuss wird am Sonntag, 12 Uhr das Zwei-Stunden-Rennen gestartet. Ab 15.30 Uhr kämpfen die besten zwölf Fahrer über fünf Runden, diesmal in entgegengesetzter Fahrtrichtung um den Titel "Getzenchamp 2018". Der neu gestaltete Zielbereich befindet sich an der "Speckschwarte", wo erstmals auch eine Videowand Bilder von der Strecke zeigt.


Gewinnspiel: Name für spektakuläre Passage gesucht

Der wohl extremste Abschnitt beim Getzenrodeo 2018 hat noch keinen Namen. Er befindet sich zwischen der Auffahrt "Zwiebelschale" und der Abfahrt "Speckschwarte" und ist etwa 250 Meter lang. "Dort sind die größten Felsen, die wir haben", sagt Matthias Schubert vom Getzenrodeo-Verein. Die spektakuläre Passage muss nur in der letzten Runde des Finales von den fünf führenden Fahrern absolviert werden. Am Ende des Abschnitts befindet sich das Ziel. Die "Freie Presse" sucht noch einen passenden Namen für die Passage. Vorgabe: Er muss zu den Namen der anderen Sektionen der Runde wie "Getzenpfanne", "Kartoffelreibe", "Fettnapf", "Heiße Röhre" und "Buttermilchrinne" passen.

Vorschläge können per E-Mail an red.zschopau@freiepresse.de geschickt werden. Einsendeschluss: 4. Oktober. Der originellste Vorschlag wird prämiert.

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