Im Tivoli soll es wieder Bälle geben

Investor Scholz will das Jugendstilgebäude in Olbernhau als Veranstaltungsort erhalten. Doch sein Konzept geht noch viel weiter.

Olbernhau.

Vor rund vier Jahren ist der Vorhang im Olbernhauer Tivoli gefallen. Fast ebenso lang ist Noch-Inhaberin Kerstin Drechsel mit Investor Andreas Scholz im Gespräch. Der Geschäftsführer des Burgstädter Unternehmens Chreans möchte die symbolträchtige Immobilie übernehmen und hat dazu ein Konzept für das gesamte Areal ausgearbeitet. Jetzt hat er seine Pläne erstmals öffentlich im Olbernhauer Stadtrat vorgestellt - ohne zunächst Zahlen zu nennen. Die Details zum Kauf sollen zum nächsten Stadtgespräch des Tivoli-Vereins vorgelegt werden.

Die Übergabe der Immobilie steht unterdessen offenbar kurz bevor. Bei den Konditionen zum Kauf sei er sich mit Kerstin Drechsel einig. Der Vertrag liege vor, es fehle lediglich die notarielle Beglaubigung, so Andreas Scholz. Sein Unternehmen ist auf die Umnutzung von besonderen Immobilien spezialisiert. Zu den schon umgesetzten Projekten zählt unter anderem das ehemalige königlich-sächsische Amtsgericht in Burgstädt - heute eine Einrichtung, die medizinische Versorgung und Wohnen kombiniert. In einem Gebäude des ehemaligen VEB Strömungsmaschinen Pirna hat das Unternehmen hingegen Lofts eingerichtet. Um Projekte unabhängig voneinander umsetzen und finanzieren zu können, werde jeweils eine eigene Betreibergesellschaft gegründet, erläuterte Scholz den Stadträten. Auch für das Olbernhauer Tivoli hat der Burgstädter Investor weitgehende Pläne: Im Wesentlichen nannte er vier Schwerpunkte: Das Jugendstilhaus selbst soll nach historischem Vorbild saniert werden. Insbesondere sei geplant, die zurückgebauten Turmspitzen des Hauses wieder herzustellen. Eine Rekonstruktion der alten Dachkuppel sei aus Gründen des Brandschutzes nicht möglich. Im Fall der Türme sei es aber denkbar, dort Übernachtungsmöglichkeiten einzurichten, so Scholz. "Im Keller können wir Vereinen aus der Region einen Versammlungs- und Veranstaltungsort bieten, im Saal im Idealfall mehrere Feierlichkeiten pro Monat anbieten", so Scholz. Dazu müsse ein Netzwerk, vor allem mit den Tourismusverbänden, aufgebaut und die Erreichbarkeit der Stadt verbessert werden. "Bei der Anbindung müssen wir über die Region hinaus bis zu den Autobahnzubringern und dem Leipziger Flughafen denken", erklärte Scholz. Das sei auch im Sinne der Vermarktung des eben erst zuerkannten Welterbe-Titels notwendig, sagte Scholz. Der ursprüngliche Plan, im gesamten Gebäude Wohnungen einzurichten, sei hingegen vom Tisch.

Auch auf die damit verbundenen finanziellen Herausforderungen ging Investor Scholz ein: Es sei zu erwarten, dass Unterhaltung und Betrieb des Tivolis allein ein Minusgeschäft darstellen - zumindest in den ersten acht Jahren. Zur dauerhaften Finanzierung des Projekts plant der Burgstädter Unternehmer deshalb, im Gebäude des ehemaligen Kinos eine intensiv-medizinische Pflegeeinrichtung zu schaffen. "Unsere Vorstellung lautet, moderne Krankenhaustechnologie mit Hotelflair zu verbinden."

Die von Andreas Scholz vorgestellten Pläne schließen ebenso das angrenzende Areal ein. Für eine ungestörte Sichtachse zur Innenstadt müsse das Wema-Gebäude weichen, ebenso sei die Straßenführung zu verbessern. "Auch weil wir mit einem erhöhten Busaufkommen rechnen müssen", erklärte der Burgstädter Investor.

"Es erfüllt mich mit Glück, dass auch weiterhin Veranstaltungen im Tivoli stattfinden werden. So wird nun ein weitere Kapitel aufgeschlagen", sagte Noch-Inhaberin Kerstin Drechsel zur bevorstehenden Übernahme. Reichlich eine Million Euro hatte sie selbst in das Gebäude investiert. Für sie sei es stets wichtig gewesen, zum künftigen Eigentümer ein Vertrauensverhältnis zu haben.

Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) zeigte sich froh, dass die Pläne für das Tivoli und die Umgebung mittlerweile spruchreif sind. "Das ist ein Punkt, der uns sehr lange emotional beschäftigt hat und auch noch beschäftigen wird", so Haustein zur Stadtratssitzung.

Zum nächsten Stadtgespräch des Tivoli-Vereins wird Investor Andreas Scholz das Vorhaben erneut vorstellen. Die Veranstaltung findet am 22. Oktober, 19 Uhr im Theater Variabel statt.

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