Junger Rollstuhlfahrer liebt Fußballspielen

Noah Köhler aus Cranzahl ist nicht nur ein großer Fan dieser Sportart. Er spielt auch gern selbst mit dem runden Leder. Allerdings ist das mit einigen Hürden verbunden.

Cranzahl.

Es hat einige Zeit gedauert, bis der neunjährige Noah Köhler aus Cranzahl begriffen hatte, dass die diesjährige Spendenaktion "Leser helfen" der "Freien Presse" im Erzgebirge ihm gewidmet ist. Und auch nach etwa zwei Wochen kann er es immer noch nicht so recht fassen, dass so viele Menschen an seinem Schicksal teilhaben und für ihn spenden, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: einen Roboterarm für seinen Rollstuhl. Allein in den vergangenen Tagen sind mehr als 4000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen.

Unterdessen geht für den Neunjährigen, der seit seinem zweiten Lebensjahr an spinaler Muskelatrophie leidet, der Alltag weiter. Und zu dem gehören seit einigen Wochen ganz besondere Ausflüge: Alle zwei Wochen donnerstags geht es im großen Familienauto nach Dresden. Dort spielt Noah Rollstuhl-Fußball - genauer gesagt Elektro-Rollstuhl-Fußball. Eine Sportart, die in Deutschland noch relativ unbekannt ist - im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern. Umso größer ist die Begeisterung, mit der in Dresden jeden zweiten Donnerstag trainiert wird - von Menschen mit ganz unterschiedlichen Muskelerkrankungen und Menschen ganz unterschiedlichen Alters. Eine Begeisterung, die auch Noah angesteckt hat, obwohl er mit seinen neun Jahren das "Küken" der Truppe ist und die weiteste Anreise hat. Doch die knapp zweistündige Fahrt nimmt er gern in Kauf. Ebenso wie Vater Benjamin: "Es tut Noah gut, vor allem auch der Kontakt zu den anderen Rollstuhlfahrern", sagt er. Kontakte, die es zu Hause so gut wie nicht gibt.

Für das Spiel werden die Rollstühle mit sogenannten Guards ausgestattet - Schutzschilde vor den Füßen, die noch zum größten Teil aus Kunststoff sind, bald aber gegen stabilere Metallgitter ausgetauscht werden sollen. Mit diesen Konstruktionen wird während des Spiels auch der Ball bewegt. Mitunter eine schwierige Angelegenheit, bestätigt auch Noah. "Vor allem, wenn der Ball zu dicht am Rollstuhl ist, sieht man den Ball nicht mehr", erläutert er. Die im Vergleich zum klassischen Fußball deutlich größere Lederkugel mit 33 Zentimetern Durchmesser dann richtig zu steuern und gezielt im Spielfeld zu bewegen, sei dann besonders schwer. Ansonsten sei Rollstuhl-Fußball genauso schwierig wie echter Fußball, kommentiert der Fan, dessen Herz für den FC Bayern München und den FC Erzgebirge Aue schlägt.

In den etwa anderthalb Stunden Training scheinen Noah und seine sieben Mitspieler an diesem Nachmittag zu vergessen, dass sie eigentlich im Rollstuhl sitzen: Sie wollen einfach nur Fußball spielen. Da wird selbst manche Trainingseinheit, bei der es zum Beispiel um Koordination geht, nicht als so wichtig erachtet. "Doch auch das gehört mit dazu", sagt Trainerin Angelika Bulang. Sie kennt den Ehrgeiz ihrer Truppe und wünscht sich, dass es vielleicht demnächst auch im Erzgebirge eine eigene Rolli-Mannschaft gibt. So könnten Spiele und vielleicht sogar Turniere ausgetragen werden. So wie jüngst in Österreich, wo sich die seit noch nicht einmal einem Jahr bestehende Dresdner Mannschaft den dritten Platz geholt hat. Den Pokal dafür durfte auch Noah am Donnerstagabend kurz in den Händen halten, obwohl er des kurzfristigen Termins wegen nicht selbst beim Wettkampf sein konnte. Doch der emotionale Augenblick am Donnerstag entschädigte dafür.

Nicht minder spannend ist für ihn - wie für die Familie - der Verlauf der Spendenaktion. Knapp 26.000 Euro waren bis gestern für den Jungen aus Cranzahl zusammengekommen. Allerdings werden knapp 50.000 Euro für den Roboterarm benötigt, der von der Krankenkasse nicht finanziert wird. Und der dem Neunjährigen doch so sehr helfen würde. Denn mit ihm könnte Noah dann vielleicht wieder allein essen und trinken.

www.freiepresse.de/leserhelfen

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