Kinder atmen auf: Heidersdorf beseitigt Quelle von Formaldehyd

Die Akustikdecke im Sportraum der Kinder- tagesstätte "Villa Zwergenland" gab den gesundheitsschädlichen Stoff ab. Nun hofft die Gemeinde auf Schadensersatz.

Heidersdorf.

Auch in Heidersdorf ist der reguläre Kindertagesstättenbetrieb wegen der Corona-Krise ausgesetzt worden. Zuvor konnte allerdings nach monatelanger Suche die Quelle der Formaldehyd-Belastung im Sportraum der Kita "Villa Zwergenland" gefunden werden. Laut Bürgermeister Andreas Börner (PBI) dünsteten die an der Decke verbauten Akustikplatten aus. Die Gemeinde hat sie entfernen lassen, daraufhin sanken die gemessenen Werte unter den zulässigen Grenzwert, sodass der Raum von den insgesamt 66 Kindern wieder genutzt werden konnte. Erledigt ist die Angelegenheit damit nicht.

Börner kündigte gegenüber den Gemeinderäten an, dass Heidersdorf Schadensersatz in Höhe von mehreren Tausend Euro geltend machen will. Die genaue Summe kann er noch nicht beziffern. Die Gemeinde habe mit der Firma, die die Deckenplatten verbaute, mit dem Lieferanten sowie mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen.

Es seien Proben überreicht worden, sodass die Unternehmen sich ein Bild machen können, so Börner. Inwiefern eine Einigung erzielt werden kann oder ob das Ganze ein Fall für das Gericht ist, wird sich wohl angesichts Corona erst in einiger Zeit zeigen.

Dass die Quelle des Formaldehyds doch noch gefunden wurde, sei vor allem seiner eigenen Hartnäckigkeit geschuldet, erklärte Börner. Der beauftragte Gutachter habe nicht weiterhelfen können. Börner nahm daraufhin eigenständig Proben und schickte sie an ein Labor. Das Ergebnis war eindeutig: Die Akustikplatten dünsteten aus.

Vor rund zehn Jahren war der Anbau errichtet worden. Gab es zunächst keine Beschwerden, trat mit der Zeit ein Geruch auf. Ein ähnlicher Fall in Seiffen brachte die Angelegenheit ins Rollen. Die Gemeinde schaltete das Landratsamt ein. Auch die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) wurde hinzugezogen. Die Nutzung des Raums wurde untersagt. Darüber hinaus musste streng gelüftet werden. Es zeigte sich: Die aus dem PVC-Bodenbelag stammenden Gerüche sind gesundheitlich unbedenklich. Und zugleich: In der Luft befindet sich Formaldehyd aus anderer Quelle. So handelte es sich beim Geruch um einen glücklichen Umstand, denn anderenfalls wäre das gesundheitsgefährliche Formaldehyd kaum entdeckt worden.


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