Kindertagesstätte wird "arsenfreie Insel"

Bei laufendem Betrieb geben sich Handwerker und Bauarbeiter bei den "Herolder Spatzen" die Klinke in die Hand. Belasteter Boden im Garten wurde abgetragen. Für die Knirpse ist das ein Abenteuer.

Herold.

Aus dem einstigen Kindergarten mit Barackencharme ist in den vergangenen Jahren ein Gebäude mit farbenfroher Fassade geworden, und auch die energetische Sanierung hat sich bewährt. Doch noch immer gehen Handwerker und Bauarbeiter bei den "Herolder Spatzen" ein und aus. Das liegt zum einen daran, dass im Gebäude noch der Brandschutz verbessert und der Flur renoviert werden. Zum anderen, und das ist der nicht ganz alltägliche Teil der Arbeiten, trägt eine Firma die Erde im gesamten Garten ab, der dadurch einer Mondlandschaft gleicht. Weil die Erde stark belastet ist, muss sie ausgetauscht werden.

Die Muttererde ist weg, nun kommt der Unterboden bis auf eine Gesamttiefe von rund 30 Zentimetern dran, wie Bauamtschef Carsten Schubert erläutert. Rund 600 Kubikmeter Erde werden so insgesamt weggeschafft. Danach verlegen Bauarbeiter Geovlies als Schutzschicht, bevor Lastwagen den neuen Boden herankarren. Der Grund für all das ist der Arsengehalt im Untergrund. Nun ist es nicht so, dass der Kindergarten dieses Problem exklusiv hat. Wollte man alles Arsen aus dem Boden bekommen, das sich wegen natürlichem Erzvorkommen und Altbergbau dort befindet, müsste man das ganze Greifensteingebiet umpflügen. Das geht freilich nicht, und jemand müsste schon sehr viel Erde essen, um sich zu vergiften.

Doch für besonders sensible Flächen wie Kindertagesstätten oder Spielplätze gelten verschärfte Grenzwerte und Regeln. Darum wird an den betroffenen Orten nach und nach saniert, wobei im Thumer Stadtgebiet dann kein Handlungsbedarf mehr besteht. "Wir schaffen eine arsenfreie Insel in unserer Gegend", sagt Carsten Schubert.

Bis es so weit ist, bleibt einiges zu tun. Nach dem Bodenaustausch gilt es zu pflanzen und teils neue Spielgeräte aufzubauen, um die Linde kommt eine asphaltierte Bobbycar-Rollbahn. Für die Kinder ist der Garten wohl erst 2019 wieder nutzbar, im Krippenbereich geht es dank Rollrasens schneller. Die Kosten für das Vorhaben ohne Spielgeräte betragen mehr als 270.000 Euro, in einer frühen Planungsphase war die Stadt von 80.000 Euro weniger ausgegangen. 215.000 Euro übernimmt der Europäische Fonds für regionale Entwicklung.

Zu Problemen haben die Bauarbeiten nicht geführt, sagt Erzieherin Silvia Rother. Auf einer angrenzenden städtischen Wiese, die 2019 als Bauland für zwei oder drei Eigenheime zur Verfügung steht, wurde eine Spielfläche mit Sonnensegel, Spielgeräten und Sandkasten aus Baumstämmen eingerichtet. Zudem dürfen die Bauarbeiter in der Ruhezeit zwischen 12 und 14 Uhr keinen Lärm machen. Für die Kinder sei das alles ein Abenteuer, sagt Silvia Rother. Oft stehen sie am Fenster und gucken Bagger und Laster zu. "Da ist für die Kinder das Frühprogramm gesichert", so die Erzieherin.

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