Klammes Sayda: Licht am Ende des Tunnels

Die Stadt könnte nach gut zehn Jahren ihre Finanznot überwinden. Die Hoffnung wird durch sprudelnde Gewerbesteuern genährt. Doch der Bürgermeister warnt vor Euphorie.

Sayda.

Kein Geld für den Straßenbau, die Vereine, die Wohnungen: Die Stadt Sayda ist derzeit der einzige Ort in Mittelsachsen, der sich in einer sogenannten Haushaltskonsolidierung befindet. Die missliche Lage - wegen der Schuldenlast können nur die dringlichsten Ausgaben bestritten werden, zu denen die Stadt per Gesetz verpflichtet ist - könnte aber bereits im nächsten Jahr überwunden sein. Das sehen zumindest die Pläne vor, die Kämmerer Jens Wolf den Stadträten von Sayda jüngst präsentiert hat.

Dem Zahlenwerk des Finanzfachmanns zufolge hat die Erzgebirgsstadt 2020 fast 110.000 Euro auf der hohen Kante liegen. 2018 waren noch fast eine Million Euro "Miese" verbucht worden, Ende diesen Jahres soll der Fehlbetrag bereits auf 350.000 Euro geschmolzen sein. Das Licht am Ende des Tunnels rührt von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer her. "Ein großer Zahler hat wieder begonnen, Vorauszahlungen zu leisten", sagte Bürgermeister Volker Krönert (CDU) in der Ratssitzung. Konkret weist der Haushalt, den die Stadträte beschlossen haben, für 2019 ein Gewerbesteuer-Brutto von 985.000 Euro aus. Im Vorjahr waren es 400.000 Euro gewesen.

Auch wenn der Kämmerer in seiner Prognose für die Folgejahre jeweils schon mit gut 700.000 Euro Gewerbesteuer rechnet, rät Bürgermeister Krönert dennoch zur Vorsicht: "Wir haben kaum Einfluss auf politische und unternehmerische Entscheidungen." Vor gut zehn Jahren habe die Verbundnetz Gas AG wegen einer EU-Vorgabe ihren Konzern umstrukturieren müssen. Die Folge: Sayda habe für die Verdichterstation keine Gewerbesteuer mehr erhalten und sogar noch 850.000 Euro zurückzahlen müssen. Seither befindet sich die Stadt in der Haushaltskonsolidierung und muss der Rechtsaufsicht jedes Jahr ein Haushaltsicherungskonzept vorlegen. In dem aktuellen Papier empfiehlt Wirtschaftsprüfer Alexander Terpitz neben Einsparungen, die der Stadtrat jüngst behandelt hat (siehe Infokasten) auch die Bildung einer Einheitsgemeinde mit Nachbarkommunen. Dadurch würden nicht nur die Finanzhilfen des Freistaates höher aus-, sondern auch Nachteile kleiner Verwaltungen wegfallen. Zu letzteren zählten beispielsweise vergleichsweise hohe Kosten für "die Beschäftigung qualifizierter Mitarbeiter ohne ausreichendes Arbeitsaufkommen", mangelnde Vertretungsmöglichkeiten und qualitative Defizite, da wenige Mitarbeiter ein großes Spektrum abdecken müssen.

Eine Fusion mit Dorfchemnitz allein reiche dabei nicht, so der Prüfer. Beide Kommunen kommen auf insgesamt 3300 Einwohner; Ziel sind mindestens 5000. Allerdings ist bereits die bestehende Verwaltungsgemeinschaft belastet: Seit 2017 klagt Dorfchemnitz gegen die Verwaltungsumlage, die es an Sayda zahlen muss - pro Jahr rund 300.000 Euro.


Der Sparplan der Stadt Sayda für 2019

Einsparungen gibt es vor allem infolge des Ausscheidens und längerer Krankheit von Mitarbeitern im Bauhof (22.500 Euro) und bei Melde- und Ordnungsaufgaben (20.000 Euro).

Gekürzt wurde u. a. bei Planungshonoraren (2630 Euro), Buswartehallen (900 Euro), Loipen (10.000 Euro) und Straßenbeleuchtung (5000 Euro).

Reinigungsarbeiten etwa in Schule und Rathaus sollen einer Fremdfirma übertragen werden. Die bisher damit betraute Mitarbeiterin scheidet 2020 aus; damit könnten der Analyse zufolge 20.000 Euro gespart werden.

Ein Gutachten soll klären, ob die Stadt einen Teil ihrer Wohnungen verkaufen kann. Laut Kämmerer Jens Wolf ist dabei aber zu bedenken, dass Vermietung auch Einnahmen bringt.

Nicht akzeptiert hat der Rat den Vorschlag des Prüfers, 1000 Euro für den Neujahrsempfang der Stadt einzusparen. Eine Würdigung für die Ehrenamtler sei wichtiger, hieß es. Der Empfang findet am 11. Januar 2020 im Waldhotel "Kreuztanne" statt. (jan)

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