Klima lässt Getreide schneller reifen und Erträge schrumpfen

Bis zu zwei Wochen früher als üblich bringen auf den Feldern Mähdrescher die Ernte ein. Die Trockenheit könnte aber noch zum Problem werden.

Zschopau/Marienberg.

So früh wie wohl noch nie hat die Bauernland AG Großolbersdorf in diesem Jahr mit der Getreideernte begonnen. Zumindest sehr ungewöhnlich nennt Pflanzenschutz-Agronom Florian Graebner den Zeitpunkt für die Mahd der Wintergeste. Die begann am Mittwoch in Krumhermersdorf, Börnichen und Wolkenstein - zehn bis 14 Tage früher als üblich.

Während Landwirte in Tieflagen schon von einer Missernte sprechen, zeigt sich der Mitarbeiter des größten Milchproduzenten im Erzgebirge zuversichtlich. "So schlecht würde ich es gar nicht sehen", sagt Graebner. Er rechnet vielmehr mit durchschnittlichen Erträgen. Wenngleich Aussagen dazu zum jetzigen Zeitpunkt noch vage sind. Die Getreideernte ist ja gerade erst angelaufen. Weil Bauernland Felder in verschiedenen Höhenlagen bis hinauf an die tschechische Grenze bewirtschaftet, räumt Florian Graebner durchaus regionale Unterschiede ein. Wegen des nächtlichen Regens mussten seine Kollegen gestern eine Pause einlegen. Spätestens am Sonntag sollen die Arbeiten auf dem Feld fortgeführt werden.

Eingetrübt ist die Prognose von Werner Bergelt, der als Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge auch über die Kreisgrenzen nach Mittelsachsen blickt. Er rechnet mit Erträgen unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre - "zwischen 75 und 100 Prozent. Das wird kein Rekordjahr."

Den Feldpflanzen setzt die Trockenheit zu. Wenngleich die Landwirtschaft im Erzgebirge mit trockenen Jahren besser zurechtkommt als in den Niederungen. "Der Nachttau im Gebirge lässt die Pflanzen Wasser aus der Luft aufnehmen. Am Montag hatten wir beispielsweise in Rübenau Frost, verbunden mit intensivem Tau", erklärt Bergelt. Hält die Trockenheit an, könne sich aber auch im Erzgebirge in den nächsten Wochen die Lage verschlimmern.

Das Problem sieht der Landwirtschaftsexperte im ausbleibenden Landregen. In seinem Grundstück in Großrückerswalde nimmt er selbst Niederschlagsmessungen vor: "Bislang liegen wir zehn bis 15 Prozent unter dem langjährigen Mittel." Doch die Statistik trügt und gilt nur in einem begrenzten Gebiet. Denn Bergelts Aufzeichnungen enthalten ein lokales Unwetter, das den Wasserstand im Messgefäß auf 100 Millimeter klettern ließ. "Ohne dieses Starkregenereignis würden wir sogar bei etwa 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel liegen."

Nicht der aktuellen Trockenperiode zuschreiben möchte Werner Bergelt die jüngst in Mittelsachsen vermehrt aufgetretenen Feldbrände. "Die gab es schon immer. Durch dumme Zufälle hat sich das dieses Jahr verstärkt. Sobald ein Schlag erntereif ist, reicht ein Streichholz, um ein Feld zum Brand zu bringen." Besonders von überhitzen Erntemaschinen gehe hierbei Gefahr aus.

Auch Waldbesucher sind gewarnt. In dieser Woche herrschte im Forstbezirk Marienberg Gefahrenstufe 3, was soviel wie mittlere Gefahr bedeutet. Das kommt in diesen Höhenlagen nicht oft vor, sagt Thomas Köhler von der Forstbezirksverwaltung. Erst gestern gab es mit der Absenkung auf Stufe 2 leichte Entwarnung. "Durch die Regenstau- lagen im Gebirge bekommen wir immer mal wieder Regen ab, womit die Warnstufe im Vergleich zu anderen Gebieten auf einen niedrigeren Wert fällt." Trotzdem bittet Thomas Köhler angesichts der beginnenden Heidelbeersaison Waldbesucher, Regeln zu beherzigen: "Autos sollten am Waldrand nicht in trockenes, hohes Gras gestellt werden. Ein Rauchverbot im Wald dürfte inzwischen selbstverständlich sein."

Einen weiteren Bericht zur diesjährigen Ernte und Problemen mit der Trockenheit lesen Sie auf Seite 6.

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