Krauß fordert Mentalitätswechsel in der CDU

Bundestagsabgeordneter sieht sonst auch im Erzgebirge seine erfolgsverwöhnte Partei vor handfesten Problemen

Ehrenfriedersdorf.

Die Christdemokraten im Kreis halten heute Abend auf dem Sauberg in Ehrenfriedersdorf ihren Parteitag ab. Unter anderem wird der Vorstand neu gewählt. Mit Überraschungen rechnet keiner. Oder doch - wegen Berlin? Andreas Luksch hakte bei dem Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß nach.

Freie Presse: Rechnen Sie heute mit einer heißen Diskussion angesichts der jüngsten Wahldebakel und der Rückzugsankündigung von Angela Merkel?

Alexander Krauß: Ich denke schon, dass darüber gesprochen wird.

Was werden Sie Ihren Parteifreunden sagen?

Dass sich Angela Merkel viele Jahre um Deutschland verdient gemacht und das Land 2009 durch die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit geführt hat. Immerhin bewegt sich die Zahl der Arbeitslosen auf historischem Tiefstand.

Das aber ist doch nur die halbe Wahrheit ...

Nun hat sie erkannt, dass nach 18 Jahren an der Parteispitze eine Erneuerung notwendig ist. Bei der Bundestagswahl fuhr die CDU ein katastrophales Ergebnis ein. In Sachsen verloren wir jeden dritten Wähler.

Und was heißt das für Sie?

Ein "Weiter so" beim nächsten Bundesparteitag wäre für mich nicht in Frage gekommen. Deswegen ist es gut, dass sie den Weg für einen Neuanfang frei macht.

Welchen Änderungsbedarf sehen Sie im Auftritt der CDU?

Wir brauchen einen stärkeren Blick auf die Leute, die unser Land tragen - egal ob Arzt, Krankenschwester, Handwerker oder Feuerwehrmann. Für sie muss sich Leistung auch lohnen. Es gibt konkrete Themen, welche die Leute bewegen. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, der muss eine Rente bekommen, die über dem Grundsicherungsniveau liegt.

Und was tun Sie dafür konkret?

Mit der Grundrente haben wir einen ersten Schritt vereinbart, der aber erst der Anfang sein kann. Ob im Gespräch mit der Kanzlerin oder in der Rentenkommission meiner Fraktion - das Thema spreche ich immer und überall an, weil wir hier eine Lösung brauchen!

Wer wäre Ihnen dafür an der Spitze der Partei lieber - Merz, Spahn, Kramp-Karrenbauer?

Alle drei Kandidaten sind respektable Persönlichkeiten, jeder mit seinen eigenen Stärken. Friedrich Merz umweht der Wind des Neuaufbruchs. Jens Spahn hat klar formuliert, dass die Flüchtlingspolitik der Ursprung der schlechten Wahlergebnisse ist. Annegret Kramp-Karrenbauer kann die Partei zusammenführen und steht am stärksten für das Miteinander von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Ich selber habe mich noch nicht entschieden, wen ich wähle.

Auf welcher Seite wähnen Sie derzeit die Erzgebirgs-CDU? Themen der AfD kopieren - ist das der Ausweg, um 2019 auch eine Pleite in der hiesigen Region zu vermeiden?

Die AfD hat kaum konkrete Themen. Sie wurde aus Protest gewählt. Insofern gibt es da nichts zum Kopieren. Wir müssen eine bürgernahe Politik machen und die Migration weiter begrenzen. Wir stehen für eine Position der Mitte - wo tatsächlich Verfolgten im Rahmen unserer Möglichkeiten geholfen wird, wir aber keinen Missbrauch des Asylrechts dulden.

Das klingt aber ein bisschen nach weiter so ...

Die CDU im Erzgebirge war viele Jahre erfolgsverwöhnt. Heute fällt uns nichts mehr in den Schoß. Wir müssen um jede Stimme kämpfen, was eigentlich auch der Normalzustand ist. Das heißt: häufiger zu den Leuten auf die Straße gehen und das Gespräch suchen. Dies erfordert bei einigen in der Partei einen Mentalitätswechsel. Personell sind wir für die Landtagswahl hervorragend aufgestellt: sowohl mit erfahrenen Politikern wie Rico Anton, Jörg Markert und Ronny Wähner als auch mit den neuen Kandidaten Eric Dietrich und Falk Haude, die frischen Wind nach Dresden bringen wollen.

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