Kunstrasenplätze sind für ihre Eigentümer keine Sparbüchsen

In etwa 30 Orten des Erzgebirgskreises können Fußballer auf künstlichem Grün spielen - jetzt auch wieder in Schönheide und Schneeberg. Doch erneut zeigt sich: Billigvarianten sind die Alternativen zum natürlichen Rasen nicht.

Schönheide/Marienberg.

In der Pokalpartie gegen Neudorf II haben die Schönheider Fußballer ihren neuen Kunstrasen gestern einem ersten Härtetest unterzogen. 14 Jahre nachdem das Waldstadion den gefürchteten Hartplatz "verlor", ließ die Gemeinde den Kunstrasenplatz erstmals sanieren. "Über die Jahre gab es die zu erwartende Abnutzung", sagt Amtsverweser Eberhard Mädler. "Zuletzt war das Spielfeld schon fast wieder ein Hartplatz." Nun ist auf den gut 6000 Quadratmetern rollenweise neuer Kunstrasen mit 40 Millimeter hohen Fasern verlegt und aufgeklebt, sind Markierungen aufgebracht, Quarzsand und Granulat aufgefüllt und verteilt. "Das Ganze kostet zirka 240.000 Euro", erklärt Mädler. Etwa 180.000 Euro fließen aus dem sächsischen Förderprogramm "Brücken für die Zukunft".

Dass Kunstrasenplätze für die Eigentümer - in der Regel die Kommune - keine Sparbüchsen sind, belegt auch die neue Anlage in Schneeberg, die anstelle der von 2005 gebaut und am Freitag eingeweiht wurde. "Die Gesamtkosten betragen 805.000 Euro", weiß Peter Stimpel, Vorstand des Fußballclubs Concordia. "Wir sind sehr dankbar, dass dadurch für den Verein und für alle Nutzer sehr gute Trainings- und Wettkampfbedingungen beste- hen." Schneeberg gehört wie Schwarzenberg und Marienberg zu jenen Orten, die Naturrasen- und Kunstrasenplätze haben. Das eröffnet zusätzliche Möglichkeiten und insbesondere im Winterhalbjahr Alternativen im Spielbetrieb. Doch auch ein Kunstrasen muss gepflegt und meist nach 15 bis 20 Jahren erneuert werden. Beim Marienberger Turnvater-Jahn-Sportplatz war das 2016/17 der Fall. 200.000 Euro wurden in Belag, Markierungen, Sand und elastisches Gummigranulat investiert. "Alter Belag und Füllung waren verschlissen", sagt André Schroll, Abteilungsleiter der Fußballer des FSV Motor. Die sind vor allem in kälteren Monaten auf das Areal angewiesen, wenn der durch große Belastung ramponierte Naturrasen im Lautengrundstadion Pflege und Ruhe erhält.

Ob Plastikgrün langfristig wirklich kostengünstiger als Naturrasen ist, wird in Fußballerkreisen kontrovers diskutiert. Da helfen am besten Fakten. "Als wir am Volkshaus noch den alten Rasenplatz hatten, war der Eigenbetrieb der Gemeinde mit Pflegeleistungen beauftragt. Das betraf vor allem Grünschnitt und Bewässerung", erklärt Andrea Arnold, ehrenamtliche Bürgermeisterin in Gornsdorf. "Bis zu 8000 Euro wurden dafür 2011/12 ausgegeben - 5000 Euro für Personal, der Rest für Technik und Material." Seit November 2012 wird auf dem 612.000 Euro teuren Kunstrasenplatz gespielt. "2014 gab's den ersten Pflegeauftrag an eine Firma. Die war für 2260 Euro zweimal im Jahr im Einsatz. Der TSV Elektronik brachte aber auch noch Leistungen." Inzwischen läuft das anders. TSV Elektronik Gornsdorf und SV Tanne Thalheim nutzen zum Pflegen ihrer Kunstrasenplätze nun ein gemeinsam angeschafftes Gerät. "Es nimmt nicht nur das Granulat auf, es richtet auch die Halme wieder auf", so Arnold. "Wir haben die Anschaffung bezuschusst, zahlen dem TSV nun jährlich 1000 Euro Zuschuss und geben technische Unterstützung."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...