Landkreis mietet Wohnungen für bedrohte Frauen an

Die erste steht ab September zur Verfügung, eine zweite im vierten Quartal.

Annaberg-Buchholz.

Suchten Frauen im Landkreis Schutz vor häuslicher Gewalt, so konnte ihnen bislang nur außerhalb eine sichere Bleibe vermittelt werden. Demnächst stehen nun auch im Erzgebirgskreis Notunterkünfte zur Verfügung. Damit hat die Kreisverwaltung einen Auftrag umgesetzt, der ihr im Februar vom Kreis- und Finanzausschuss (KFA) erteilt wurde.

Allerdings handelt es sich bei den Einrichtungen nicht um Frauenschutzhäuser, wie sie in fast allen Landkreisen Sachsens üblich sind, sondern um Wohnungen. Wie Abteilungsleiter Frank Reißmann am Mittwochabend im Kreistagsausschuss für Familie, Bildung, Gesundheit und Soziales mitteilte, können in den zwei Wohnungen jeweils drei bis vier Frauen mit ihren Kindern untergebracht werden.


"Die erste Wohnung steht ab 1. September zur Verfügung", so Reißmann. Die zweite sei im vierten Quartal bezugsfertig. Zugleich seien für das Projekt zwei Träger gewonnen worden. "Diese sichern die Betreuung der Schutzsuchenden rund um die Uhr durch hauptberuflich angestellte Fachkräfte ab", so Reißmann. Der Abteilungsleiter bat zugleich um Verständnis, dass sowohl die betreuenden Einrichtungen als auch die Standorte der Wohnungen anonym bleiben müssen.

Das Konzept hat bislang nicht alle überzeugt. "Schutzwohnungen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, können aber nicht das Gleiche leisten wie ein Frauenhaus", ist sich etwa die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lang sicher. Und auch bei einer Podiumsdiskussion jüngst in Annaberg-Buchholz wurde darauf hingewiesen, wie wichtig gerade in ländlichen Regionen ein Frauenschutzhaus ist. Zum einen, weil die bestehenden Häuser ringsum überlastet seien, andererseits weil es häusliche Gewalt überall gebe. Susanne Köhler, die Vorsitzende des Landesfrauenrates, hat am Donnerstag ankündigt, das Projekt Schutzwohnungen weiter im Auge zu behalten. Auch eine neue Petitions-Aktion schloss sie nicht aus. Bei der ersten hatten sich 1648 Bürger per Unterschrift für ein Frauenschutzhaus im Erzgebirgskreis ausgesprochen. Vom KFA war die Petition im Februar jedoch abgelehnt worden.

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