Landkreis prüft Stipendium für Medizin

Mittelsachsen könnte angehenden Ärzten unter die Arme greifen

Freiberg.

So starke Unterstützung ist selten im Mittelsachsen-Kreistag für Anträge der Linke-Fraktion: Mit großer Mehrheit, darunter aus der stärksten Kreistagsfraktion von CDU und Regionalbauernverband (RBV), hat der Kreistag den Landrat beauftragt, die Einführung eines Medizinerstipendiums von 400Euro monatlich zu prüfen. Der Vorschlag der Linken sieht vor, dass die Studenten sich im Gegenzug "rechtlich gesichert verpflichten", nach Abschluss ihres Studiums in Mittelsachsen zu praktizieren.

Fraktionsmitglied Sabine Lauterbach hatte zuvor mit Hinweis auf eine drohende Unterversorgung in zahlreichen Sparten für die "direkte Initiative zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses für den Landkreis" geworben. Ob dies der richtige Weg ist, dazu gab es Fragen. So klingt der Antrag laut SPD/Grüne-Fraktionschef Axel Buschmann zunächst sinnvoll. Dennoch heile er nicht den größten Krebsschaden, den er unter Beifall als Ursache für den Ärztemangel bezeichnete, den Mangel an Studienplätzen.

Kreis-Amtsärztin Dr. Annelie Jordan meldete Zweifel an, ob es tatsächlich möglich ist, junge Leute über die Dauer ihrer Ausbildung von bis zu 15 Jahren zu binden. Nach Meinung von Freie-Wähler-Fraktionschef Uwe Liebscher klingt der Antrag gar nach Politischem-Geschenke-Verteilen, er gehe aber am Ziel vorbei: "Das scheint ein hilfloser, populistischer Versuch, etwas zu bewegen, was nicht geht." Schließlich fehlten auf dem Land nicht nur Ärzte, sondern beispielsweise auch Lehrer und Erzieher. Mit 400 Euro könne "man Mediziner nicht in die Pampa locken", so der Oberschönaer. Dafür brauche es beispielsweise auch Kulturangebote.

Die Geringswalder Hausärztin und Grünen-Kreisrätin Claudia Glanz widersprach. Auch wenn der Antrag das Problem nicht löse und die Unterstützung von Landtagsmitgliedern nötig wäre, so könnten doch Studienmöglichkeiten und auch das Landarztstipendium des Freistaates helfen, wie in ihrem Fall. Sie betreue Mediziner, die diese Möglichkeiten genutzt hätten, und sorge so selbst für ihre Praxisnachfolge. Auch Landrat Matthias Damm (CDU) warb für den Prüfauftrag. Und CDU-RBV-Fraktionschef Jörg Woidniok sprach sich als Jurist dafür aus, zu prüfen, Rahmenbedingungen anzuschauen und anhand des Ergebnisses zu entscheiden, statt den Antrag von vornherein wegzudiskutieren. (grit)

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