Landkreis schließt in zwei Jahren zwölf Gaststätten

Nach Kontrollen der Behörden mussten 2017 und 2018 mehrere Betriebe im Erzgebirge dichtmachen. In der gleichen Zeit wurden Verwarn- und Bußgelder im fünfstelligen Bereich verhängt. Eine neue Online-Plattform will nun für mehr Transparenz kämpfen.

Zschopau/Marienberg.

Wenn das Lebensmittelüberwachungsamt seine Kontrolleure in die Gaststätten der Region schickt, hat das für einige Betreiber ernste Folgen. Laut einem Sprecher des Landratsamtes wurden in den Jahren 2017 und 2018 zwölf Betriebe dichtgemacht. Betroffen waren Gaststätten in Stollberg, Jahnsdorf, Oelsnitz, Neukirchen, Zschopau, Schwarzenberg, Schönheide, Eibenstock und Marienberg. Und auch wenn es nicht immer gleich zu Schließungen kommt, so wird das Amt doch häufig fündig.

Mängel: Die Anzahl der Gaststätten mit Verstößen ist seit 2016 leicht gestiegen - und das, obwohl weniger Betriebe kontrolliert wurden. Wiesen 2016 noch 189 Gaststätten Mängel auf, waren es zwei Jahre später 202. In der gleichen Zeit sank die Anzahl kontrollierter Gaststätten von 632 auf 591. Im vergangenen Jahr wurde einer von drei Betrieben beanstandet. Die meisten Verstöße traten im Bereich der allgemeinen Hygiene auf. Dazu zählen sowohl bauliche Mängel als auch mangelnde Warentrennung, Hygienedefizite in der Produktion sowie Mängel bei der Hygiene des Personals. Hinzu kamen Verstöße bei der Reinigung und Desinfektion, der Kennzeichnung und der Schulung des Personals.

Konsequenzen: Stellen die Behörden Mängel fest, gibt es mehrere Möglichkeiten: Bei geringen Verstößen ordnen sie lediglich an, die Mängel zu beheben oder Lebensmittel zu vernichten, die nicht in Ordnung sind. Darüber hinaus können Betriebe aber auch dazu gezwungen werden, ihr Sortiment zu verkleinern oder das Angebot an Lebensmitteln zu schrumpfen. Mitunter sprechen die Kontrolleure Verwarnungen aus. Und einige Betreiber müssen für ihre Vergehen zahlen: In den Jahren 2017 und 2018 betrug die Summe aller Verwarn- und Bußgelder rund 30.000 Euro.

Die Sicht der Verbraucher: In Ländern wie Dänemark werden Verbraucher schon an der Tür darüber informiert, wie es laut Behörden um die Hygiene in der Gaststätte bestellt ist. Lächelnde oder traurige Smileys geben Aufschluss über die Qualität der Einrichtung. Anders in Deutschland: Von den Kontrollergebnissen erfahren Verbraucher in der Regel nichts oder nur in zusammenfassender, anonymisierter Form. Derzeit arbeitet die Bundesregierung an einer Lösung, wie Berichte veröffentlicht werden können, ohne dass es zu langfristigen Rufschädigungen kommt. Ein Mangel, der sich schnell beheben lässt, soll Betreiber nicht ewig belasten. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber bis Ende April Zeit gegeben.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und die Transparenz-Initiative "Frag den Staat" haben Anfang des Jahres eine gemeinsame Internetplattform gegründet: "Topf Secret". Auf der Homepage können Verbraucher Kontrollberichte von Behörden anfordern und veröffentlichen. Bislang wurden sieben Anfragen zu Gaststätten aus dem Erzgebirgskreis gestellt. "Antworten sollten in den nächsten Wochen eintrudeln", sagt Dario Sarmadi, Sprecher von Foodwatch.

Die Sicht der Betreiber: Bei der Dehoga, dem Branchenverband der Hotel- und Gaststättenbetreiber, löst "Topf Secret" Skepsis aus. "Wir wollen uns keinesfalls vor sogenannte schwarze Schafe stellen, aber aus unserer Sicht gibt es genügend Kontrollen und auch Möglichkeiten, um als Gast auf Missstände hinzuweisen", sagt Franziska Luthardt. Sie ist Geschäftsführerin des Regionalverbandes Chemnitz, der auch das Erzgebirge einschließt. Die Prüfberichte der Ämter, sagt Luthardt, seien für Laien nicht ohne weiteres zu verstehen. Oft tauchten darin Kleinigkeiten auf, wie etwa gesprungene Fliesen oder Kühlschrankdichtungen, die erneuert werden müssen. "Das zu veröffentlichen, wirkt wie ein Pranger", sagt Luthardt. Zudem befürchtet sie, dass die Berichte missbraucht werden könnten - von Konkurrenten, ehemalige Mitarbeitern oder Nachbarn, die ein Problem mit dem Lokal um die Ecke haben.

Laut der Foodwatch-Erfahrungen haben Umfragen in Dänemark ergeben, dass sich 86 Prozent aller Betreiber fair bewertet fühlen. Zudem habe das Smileysystem bewirkt, dass die Anzahl der Verstöße abgenommen hat. (mit micm)

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