Lebenshilfe: Neue Werkstatt verteuert sich um 800.000 Euro

Der Verein muss für das Millionen-Projekt deutlich mehr Geld aufbringen. Damit kann der Umzug der rund 120 Beschäftigten mit Behinderung erst später vonstatten gehen.

Olbernhau.

Moderne Räume, genügend Platz, ideale Bedingungen: All dies will das Lebenshilfewerk Mittleres Erzgebirge mit seinem Neubau an der Ladestraße im Olbernhauer Ortsteil Grünthal verwirklichen. Am gestrigen Mittwoch fand der erste Spatenstich statt. Um genau zu sein: Es waren sogar vier Spaten im Einsatz. Mit vereinten Kräften begingen die Projektverantwortlichen den symbolischen Akt.

Angesichts des Umfanges der Arbeiten war der vierfache Spatenstich keineswegs übertrieben. Auf einer Grundfläche von 3240 Quadratmetern soll eine neue Werkstatt entstehen, die bis zu 120 Menschen mit Behinderung sowie weiteren sechs mehrfach behinderten Menschen in einem Förder- und Betreuungsbereich Platz bietet. Und das hat seinen Preis: Etwa 6,4 Millionen Euro sollen für das Projekt ausgegeben werden. Dabei war zunächst eine deutlich niedrigere Summe vorgesehen: rund 5,6 Millionen Euro. "Wir mussten in der Zeit vom Stellen des Förderantrages bis heute eine Steigerung der Baupreise von rund 15 Prozent hinnehmen", sagte Kathrin Schulze, Geschäftsführerin des Lebenshilfewerkes Mittleres Erzgebirge.


Ursprünglich war der Baubeginn für das Vorhaben, für das es schon Mitte des Jahres 2014 erste Ideen gab, bereits vor einem Jahr geplant. "Das größte Problem war, den Entwurf und die technischen Lösungen so zu gestalten, dass die Vorschriften eingehalten werden", erklärte Bauplaner Joachim Baldauf.

Doch die Lebenshilfe muss die 6,4 Millionen Euro nicht allein aufbringen. Ein Großteil des Betrags, rund 3,5 Millionen Euro, steuert das sächsische Sozialministerium bei. Darüber hinaus beteiligt sich unter anderem der Erzgebirgskreis mit rund 10 Prozent. Neben weiterer Förderung durch die Arbeitsagentur nimmt das Lebenshilfewerk zur Finanzierung seines Eigenanteils einen Kredit auf. "Um die Kosten mit dem Budget in Einklang zu bringen, mussten Lösungen ständig hinterfragt und angepasst werden. Zudem musste die Ausschreibung mehrfach überarbeitet, gestrafft und letztlich auch wiederholt werden", ergänzt Joachim Baldauf. Bislang seien in 22 Gewerken Aufträge an überwiegend in der Region ansässige Firmen vergeben worden.

"Der Grundstein für das Bauprojekt soll am 28. Juni gelegt werden. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres 2020 geplant", sagte Baldauf. Dann kann der Umzug der Beschäftigten in das neue Gebäude erfolgen. Sie arbeiten derzeit in der etwa einen Kilometer entfernten jetzigen Lebenshilfewerkstatt an der Grünthaler Straße sowie einer Außenstelle an der Dörfelstraße. Hier wie dort wird es verschiedene Arbeitsbereiche wie Holz, Textil, Montage und Verpackung geben. Die Beschäftigten stellen zum Beispiel Teile für erzgebirgische Holzkunst her, schneiden Stoffe und prüfen Ventile.

Erforderlich machte sich der Neubau der Lebenshilfewerkstatt in Olbernhau, da das jetzige Gebäude an der Grünthaler Straße den Anforderungen nicht mehr gewachsen war und eine Sanierung zu teuer wäre. Über eine Nachnutzung gibt es indes noch keine Entscheidung.

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