Lehrerin hilft über Sprachgrenzen hinweg

Eine Pädagogin aus Litvinov bringt in Olbernhau seit 28 Jahren Deutsche und Tschechen miteinander ins Gespräch.

Olbernhau/Litvinov.

Eine gute Nachbarschaft ist niemals ein Fehler. Das gilt nicht nur im Kleinen für die eigenen vier Wände, sondern auch im Großen für Länder und Staaten. Oftmals stellt aber die Sprache eine Barriere dar, wie beispielsweise zwischen Deutschland und Tschechien.

Seit 28 Jahren hilft Marie Svačinová an der Volkshochschule (VHS) in Olbernhau Menschen beider Nationen dabei, die Sprache des Nachbarn zu lernen. Fast schon nebensächlich dabei ist, dass ihr Kurs unter den aktuell 676 angebotenen der älteste an der heutigen Volkshochschule Erzgebirgskreis ist.

Die heute 67-jährige Tschechin begeisterte sich schon in Kindertagen für Sprachen. Da ihre Eltern das Interesse förderten, lernte Marie Svačinová bereits Anfang der 1960er-Jahre Deutsch. "Ich bin in einem Dorf in der Nähe von Prag aufgewachsen. Da es in der Schule keinen Deutschunterricht gab, lernte ich außerhalb", erinnert sie sich. Auch bei der späteren Berufswahl entschied sich Marie Svačinová für Sprachen und studierte Deutsch und Russisch auf Lehramt an der Universität in Prag.

"Ich war 1975 damit fertig und habe nach dem Abschluss an mehreren Schulen, unter anderem auch in Brno, gearbeitet", sagt Marie Svačinová, die dort ihren Mann kennenlernte, mit dem sie 1980 nach Litvínov zog und am Gymnasium der Stadt Deutsch und Russisch unterrichtete. Ihre Sprachkenntnisse nutzte sie unter anderem auch, um Touristen auf Reisen zu begleiten, um als Dolmetscherin zu arbeiten oder auch für die Arbeit im Partnerschaftsverein. Über den kam 1992 der damalige Leiter der Volkshochschule in Olbernhau, Ralf Göhler, in Kontakt mit Marie Svačinová. "Wir hatten eine enorme Nachfrage nach Tschechischkursen und brauchten dringend weitere Dozenten", erinnert er sich. Mit einem bis dahin an der VHS noch nicht genutzten Konzept begann Marie Svačinová kurze Zeit später ihre Dozententätigkeit. "Da es sowohl Tschechen, die Deutsch, und Deutsche, die Tschechisch lernen wollten, gibt, läuft der Kurs von Beginn an als Tandemkurs", verrät Marie Svačinová. Dabei lernen Muttersprachler beider Länder mit- und voneinander die jeweils andere Sprache. "Damit die anfängliche Lust, eine Sprache zu lernen, nicht in Frust umschlägt, ist diese Methode ideal", sagt Marie Svačinová. Statt im klassischen Sinne Vokabeln zu büffeln und Grammatikregeln auswendig zu lernen, kommen die Teilnehmer in der Gruppe ins Gespräch und lernen so gegenseitig eine lebendige Sprache. "Ich begleite und strukturiere das Erlernen der Fremdsprache dabei eigentlich nur", stellt Marie Svačinová mit einem Augenzwinkern fest.

Das kommt bei den derzeit zehn Kursteilnehmern gut an. "Da ich mich sehr für das Land interessiere, habe ich vor 16 Jahren begonnen, die Sprache zu lernen. Das gemeinsame Lernen ist besonders für das freie Sprechen und die Entwicklung des Hörverstehens optimal", sagt der Olbernhauer Gottfried Einert. Auch Libuše Novotná Pokorná aus Nová Ves v Horách ist mit ihren Erfolgen beim Deutschlernen zufrieden. "Wir besuchen gemeinsam Museen, Ausstellungen, unternehmen Ausflüge. Dabei wenden wir das Gelernte praktisch an und erfahren noch vieles über Kultur, Land und Leute", so die 41-Jährige.

"Sprachen lernen muss Spaß machen. Das war und ist bei mir so, und das will ich auch den Kursteilnehmern vermitteln. Denn wenn etwas Freude bereitet, stellt sich auch der Erfolg ein. Und ein Erfolg ist es doch auch, wenn Deutsche und Tschechen dank der erlernten Sprache mehr gemeinsam haben als eine gemeinsame Grenze", ist sich Marie Svačinová sicher.

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