Luther und das Erzgebirge - eine Schau

Christian Gabler und seine Helfer haben eine neue Ausstellung in der Deutscheinsiedler Kirche fertig gestellt. Sie beschäftigt sich mit Martin Luther.

Deutscheinsiedel.

Martin Luther hat mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen sozial und religiös viel bewegt, auch im Erzgebirge. Das betonte Pfarrer Michael Harzer bei einem Besuch der neuen Sonderausstellung in der Deutscheinsiedler Kirche. "Es gibt viele Verbindungen hierher, wie die Schau beweist", so der Fachmann.

Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Im ersten geht es um das Leben und Wirken Luthers im Allgemeinen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Personen, die ihn umgaben. Zudem beschreibt die Ausstellung die Auswirkungen Martin Luthers Handeln auf das Erzgebirge.

Inhaltlich hat sie Christian Gabler aufbereitet. Der 67-Jährige schrieb Kirchgemeinden an und bat um Chronikauszüge. Diese hat er ausgewertet, aufgearbeitet und mit Bildmaterial angereichert. Da Luther auch bis nach Böhmen hinein gewirkt hat, setzte er sich mit dem Archiv in Most/Brüx sowie mit dem Bund der Vertriebenen in Verbindung. Entstanden sind mehrere Informationstafeln, die Cordula Zimmermann gestaltete.

Im Zuge seiner knapp siebenmonatigen Recherchen ist Christian Gabler auf Unerwartetes und Interessantes gestoßen. So las er zum ersten Mal über die Grafen von Schlick, die die Reformation in Böhmen fördern wollten und daran scheiterten. Auf der anderen Seite des Erzgebirgskamms beendete die Gegenreformation recht rasch den Aufstieg von Luthers Thesen.

27 prominente Anhänger des Reformators, unter ihnen Adelige, Bürgermeister und Geistliche, wurden in Prag hingerichtet. In dieser Zeit flohen vor allem Bergleute und Handwerker aus Böhmen ins sächsische Erzgebirge. "Ein Zentrum der Reformation muss Wolkenstein gewesen sein", sagt Christian Gabler. Viele evangelische Pfarrer kamen von dort. Luther hatte seinen engen Vertrauten Kaspar Eberhard dorthin geschickt. Außerdem lebte Katharina von Mecklenburg, die Frau Herzog Heinrich des Frommen mehr als 20 Jahre in Wolkenstein. Er erlaubte die Reformation, sie trieb sie voran, ist sich Christian Gabler sicher. Während in Buchholz Friedrich Myconius bereits 1520 die erste protestantische Predigt hielt, blieb Annaberg der katholischen Lehre noch bis 1539 treu. "In dieser Zeit strömten bis zu 1000 Gläubige aus Annaberg in die Buchholzer Gottesdienste", so der Deutschneudorfer. Die erste von Protestanten errichtete Kirche war 1540 Jáchymov/Joachimsthal in Böhmen. Wenig später wurde dort wieder katholisch gepredigt. Das gilt auch für die Kirche in Krupka/Graupen. Sie war die erste, die ohne Patron von den Bergleuten gebaut worden ist. Mit Johann Friedrich Luther ist ein Enkel des Reformators in Arnsfeld begraben.

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober zu sehen. Die Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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