Mit der legendären Trophy-MZ auf Tour

Mehr als 100 Motorrad-Gespanne unterschiedlicher Hersteller und Baujahre sind am Wochenende am Chemnitzer Fahrzeugmuseum zu sehen gewesen. Darunter auch Maschinen, die ein Stück Familiengeschichte erzählen.

Chemnitz.

Motorradfahren und Motorrad-Gespann fahren - das sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Dieser Ansicht ist Wolf Friedrich, und er teilt diese Meinung mit zahlreichen anderen Fans von Motorrädern, die über einen Seitenwagen verfügen und am Wochenende am Museum für sächsische Fahr- zeuge in Chemnitz vorgefahren sind.

Was den Unterschied ausmacht? Das vollkommen andere Fahrverhalten, das ein Gespann hat und das deshalb auch dessen Fahrer an den Tag legen muss, wie Friedrich erklärt. Dass der 75-Jährige heute zeitweise noch mit einem Gespann unterwegs ist, das bereits Ende der 1960er-Jahre produziert wurde, ist nicht nur seiner Leidenschaft für Motoren zu verdanken. Denn der Mann, der in seinem Berufsleben als Diplomingenieur in der Motorenentwicklung tätig war, ist mit dem "Virus" durch seinen Vater infiziert worden. Dieser arbeitete im Motorradwerk Zschopau in der Versuchsabteilung und hatte allein deshalb ständig mit Motorrädern und Gespannen zu tun.

Die Maschine, die Wolf Friedrich für Touren im Sommer nutzt und die etwa 16 Pferdestärken hat, war zunächst in den Händen seines Vaters, der mit dem Gespann sogar bis Moskau und zurück fuhr. Nach der Wende stand es bis 2005 in der Garage. Danach, Wolf Friedrich war in Rente gegangen und hatte nun mehr Zeit, nahm er sich des Erbstückes an, zerlegte es komplett, restaurierte es und baute es wieder zusammen. Die Lackierung in Grün-Schwarz, die einst als Sonderausführung das Motorrad zierte, veränderte er in eine schwarz-weiße Serienlackierung, in der das in Zschopau gefertigte Motorrad MZ-Trophy ES 250/2 - so die korrekte Bezeichnung - und der in Leipzig hergestellte Seitenwagen ausgeliefert wurden. Und so kann er jetzt nicht nur zu Gespanntreffen fahren, sondern auch mit den Enkeln auf Tour gehen.

Die Abgase, die, wie Friedrich erklärt, durchaus für den im Seitenwagen Sitzenden sehr lästig sein können, werden bei seiner Maschine durch einen speziellen Auspuffanbau, den es einst als Zubehör zu kaufen gab, so abgeleitet, dass sie nicht mehr stören. Wer eine solches Trophy-Gespann fährt, so Friedrich, sollte allerdings immer daran denken, dass die Bremsen zwar funktionieren, aber eben doch längst nicht kraftvoll und direkt sind, wie vergleichbares Material von heute.

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