Mit Mindestabstand geht es wieder Richtung Lesestoff

Bibliotheken öffnen nach und nach ihre Türen. Und verzeichnen gleich am ersten Tag einen regelrechten Andrang.

Zschopau/Wolkenstein/Olbernhau.

Claudia Grizenko und ihre Kinder hatten ganz einfach Glück. "Zufällig waren wir am letzten Tag hier, als die Bibliothek geöffnet hatte. So konnten wir uns eindecken", sagte die Grießbacherin. Mit "wir" meint sie sich und ihre vier Kinder, die alle bekennende Leseratten seien. Am Montag kam sie mit einer riesigen Tüte, darin befanden sich die ausgeliehenen Medien, die sie wieder in die Stadtbibliothek Zschopau zurück brachte.

Nach sieben Wochen Corona bedingter Schließzeit haben in der Region wieder Bibliotheken geöffnet, etwa in Großrückerswalde, Olbernhau, Wolkenstein und Zschopau. Die Stadtbibliothek Marienberg kann ab Donnerstag besucht werden, ab kommender Woche dann nach und nach die Ortsteilbibliotheken der Bergstadt.

Und die Menschen haben offenbar darauf gewartet. "Es hatte sich eine richtige kleine Schlange gebildet", berichtet Uta Liebing von der Wiedereröffnung in Wolkenstein. Die Olbernhauer Bibliotheksleiterin Sabine Fritzsch sprach gar davon, dass die Bibliothek "überrannt" worden sei: "Am Montag kamen mehr als doppelt so viele Besucher wie sonst."

Ein ähnliches Bild gab es in Zschopau. "Es wurde ganz einfach Zeit, dass die Bibliothek wieder öffnet", sagte eine Zschopauerin, die sich in den vergangenen Wochen mehr aufs Rätsel lösen verlegt hatte. Am Montag konnte sie wieder für Nachschub sorgen, sie lieh sich Bücher "quer Beet" aus, vom Thriller bis hin zu utopischer Literatur.

Bibliotheken haben zwar nach und nach wieder geöffnet, der Besuch werde aber auf lange Zeit mit Einschränkungen verbunden seien, sagte Uta Liebing. "Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden, zudem darf nur ein Besucher pro 20 Quadratmeter sogenannter Besucherverkehrsfläche eingelassen werden", zählte die Wolkensteinerin auf. Zurückgebrachte Medien legt sie für fünf Tage beiseite. "Wenn jemand eins davon haben möchte, lege ich es für ihn zurück. Sind die fünf Tage um, kann er es abholen." Die Zwischenlagerung ist in der Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates vorgeschrieben.

Die vergangenen Wochen sind in den Einrichtungen genutzt worden, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten. "Drei Kollegen haben im Homeoffice gearbeitet, einer war immer da, um Anrufe zu Vormerkungen und Verlängerungen zu bearbeiten", berichtete Silke Dost aus Zschopau. Zudem seien neue Medien katalogisiert worden, wofür bei normalem Betrieb oft die Zeit fehle.

Neu gestaltet hat Uta Liebing den Eingangsbereich der Wolkensteiner Bibliothek. Damit ist mehr Platz für die Ausleihe geschaffen worden. In Zschopau verläuft der Weg der Besucher nur noch in eine Richtung, in einer Einbahnstraße. "Nachdem sich die Leser die Medien ausgeliehen haben, müssen sie die Bibliothek über den Turm ,Schlanke Margarethe' wieder verlassen. So sorgen wir dafür, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann", beschreibt Silke Dost die Vorgehensweise der Zschopauer. (mit bz)

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