Mundart bildet hiesige Lebensweise zünftig ab

Sprachwissenschaftler in Sorge um Eigenheiten der sächsischen Dialekte

Annaberg-Buchholz.

Der heimische Zungenschlag bewegt die Erzgebirger. Seitdem die "Freie Presse" mit Jahresbeginn den Aufruf gestartet hat, Lieblingsworte in Mundart zu benennen, haben bislang 91 Einsender aus 52 Städten und Gemeinden 325 Wortvorschläge unterbreitet. Eine Vielzahl weiterer Nennungen haben auch den Erzgebirgsverein erreicht, der die Aktion Mundartwort des Jahres 2017 ausgerufen hat. Und auch die jüngst in Annaberg-Buchholz veranstalteten 24. Erzgebirgischen Jugendkulturtage haben bewiesen, dass sich durchaus junge Menschen zwischen 9 und 26 Jahren für die Mundart begeistern.

Angesichts jüngster Studienergebnisse sächsischer Sprachwissenschaftler ermutigende Fakten. Denn: In Sachsen sind die Dialekte auf dem Rückzug. "Die Mundarten sind zurückgegangen, aber noch nicht verschwunden", sagt beispielsweise Sprachwissenschaftlerin Evelyn Koch von der TU Dresden. Früher habe jedes Dorf seine Mundart gehabt, heute würden sich die Sprechweisen über größere Regionen hinweg angleichen. Sprachwissenschaftlichen Studien zufolge hat sich im Großraum Dresden-Leipzig-Chemnitz eine Art Einheitssprache entwickelt. "Das ist das, was wir heute unter Sächsisch verstehen. Dabei haben sich verschiedene Dialekt-Merkmale vereint", sagte Koch. Der Trend habe mit der Entwicklung von Fernsehen, Rundfunk und der zunehmenden Mobilität begonnen.


Darüber hinaus gebe es eine Stigmatisierung der sächsischen Dialekte. Die meisten Menschen würden heutzutage unterschiedliche Sprechweisen anwenden - je nachdem, ob sie öffentlich oder privat sprechen, sagt Koch. "In den sächsischen Gebirgsregionen hat sich die ursprüngliche Mundart besser erhalten. Noch haben wir in Sachsen eine Vielfalt, die bewahrt werden muss", so die Sprachwissenschaftlerin. Historische Grenzlinien seien nach wie vor in der Sprache nachweisbar. Seit 50 Jahren habe es in Sachsen kein gefördertes Forschungsprojekt zur Sprachsituation gegeben. Dialekte würden ein regionales Selbstbewusstsein bilden. "Es gibt bildhafte Ausdrücke, die in ihrer Emotionalität nur über Mundart transportiert werden können", betont sie. (mit dpa)

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