Neuer Geschäftsführer will Verband auf Zukunftskurs bringen

Frederic Günther übernimmt die Leitung des Verbundes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller - und startet gleich zu Beginn mit einer großen Aufgabe.

Seiffen.

Kreissäge, Schleifmaschine, Abrichte - Frederic Günther kennt die Maschinen des Holzhandwerkes aus dem elterlichen Betrieb seit seiner Kindheit und hat sie auch schon bedient. Während der Mitgliederversammlung des Verbandes der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller am Mittwoch in Seiffen ist der 33-jährige Diplom-Betriebswirt als künftiger Geschäftsführer der Vereinigung vorgestellt worden.

Bisher war Günther zunächst als Einkäufer für eine Münchener Firma tätig und arbeite seit 2012 im Familienunternehmen mit. Er sei von seinem Vorgänger Dieter Uhlmann angesprochen worden, ob er die Leitung des Verbandes übernehmen wolle. Uhlmann ist nach gut 25 Dienstjahren auf der Suche nach einem Nachfolger. Dass es mit der Bewerbung geklappt hat, "macht mich schon stolz", sagt Günther. An die Arbeit seines Vorgängers will er anknüpfen. "Allerdings gibt es auch Handlungsbedarf", erklärt der 33-Jährige. Viele Betriebe stehen vor großen Herausforderungen. "Die Angst vor schwindendem Umsatz spielt da weniger eine Rolle als der Gewinn von Nachwuchs", so Günther. Dies gelte nicht nur im Bereich Ausbildung und Fachkräfte. Auch Nachfolger für die Firmenübergabe lassen sich immer schwieriger finden. Dieses Problem betrifft den Verband sogar direkt. "Der von uns angestellte Ausbilder ist auf die Seite der theoretischen Schulung gewechselt", erläutert Günther. Es werde nun mit Hochdruck daran gearbeitet, einen Ersatz zu finden.


Zu den Hauptaufgaben des 33-Jährigen gehört neben den inneren Angelegenheiten auch die Vertretung nach außen. Der Verband versteht sich als Mittler zwischen Branche, Politik und Wirtschaft, erklärt Günther. Er vertritt die Interessen von 57 Firmen - vom Kleinstbetrieb bis zum 200-Mitarbeiter Unternehmen. Bereits jetzt sei die Organisation gut vernetzt - vor allem zum Landkreis, aber auch in die Parlamente von Dresden in Berlin. Als besonders wichtig bezeichnet Günther die Kontakte nach Brüssel. Zahlreiche Verordnungen der EU mögen zwar guten Zielen dienen, seien aber ohne Rücksprache mit den Betroffenen verabschiedet worden. Als Beispiel nennt er die Verpackungs- und Elektroverordnungen: "Der bürokratische Aufwand, alle Auflagen zu erfüllen, trifft vor allem die kleinen Unternehmen." Als Lösungen schlägt Günther Ausnahmeregelungen für die regionalen Hersteller vor - so wie sie im Nachbarland Österreich bereits existieren.

Bis zum Anfang des kommenden Jahres werden Dieter Uhlmann und Frederic Günter die Funktion des Geschäftsführers gemeinsam ausüben, danach übernimmt Günther komplett. Um das Problem des ausbleibenden Nachwuchses in der Branche anzugehen, steht der 33-Jährige bereits jetzt vor seiner ersten großen Aufgabe als Verbandsleiter: Eine Kampagne soll auf Messen, in den Medien und der Öffentlichkeit wieder ein Bewusstsein für den Wert des Handwerks geschaffen werden. Dabei sollen nicht nur die Produkte der regionalen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller beworben werden. "Uns ist wichtig, dass die Stärken des Handwerks in den Vordergrund gerückt werden." Diese sieht Günther vor allem im Qualitätsanspruch, aber auch in der Individualität der in Handarbeit gefertigten Produkte gegenüber der seriell hergestellten Importware. Um junge Leute für eine Ausbildung in der Branche zu begeistern, will Günther die Idee eines Kompetenzzentrums in Seiffen voran treiben: "Im Idealfall könnten wir potenzielle Unternehmens-Nachfolger so gleich im Ort ausbilden."


Zahlen und Fakten

Der Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller wurde 1990 gegründet. Aktuell sind 57 regionale Unternehmen Mitglied.

Der bisherige Geschäftsführer Dieter Uhlmann (66) zählt zu den Gründungsmitgliedern, war zunächst im Vorstand tätig und ist seit 1994 Geschäftsführer des Verbandes. Bis Anfang kommenden Jahres wird er die Leitung an seinen Nachfolger Frederic Günther (33) übergeben.

Auf der Mitgliederversammlung am Mittwoch in Seiffen wurde der bisherige Vorstandsvorsitzende Matthias Schalling in seiner Funktion bestätigt. Neu in den zehnköpfigen Vorstand des Verbandes wurden für die kommenden vier Jahre Claudia Baer (Wendt & Kühn, Grünhainichen), Elisabeth Graupner (Graupner Holzminiaturen, Grottendorf), Peter Wagner (Drechslerei Volkmar Wagner, Riechberg) und Björn Köhler (Köhler Kunsthandwerk GmbH, Eppendorf) gewählt. (jwen)

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