Nussknackerfirma Steinbach legt erfolgreichen Neustart hin

Das Sortiment ist erhalten geblieben, ebenso der Kundenstamm und ein Teil der Mitarbeiter - dennoch weht in Gebirge ein frischer Wind. Denn der neue Inhaber Rico Paul setzt nicht nur auf den amerikanischen Markt.

Marienberg.

Es ist eine harte Nuss gewesen, die es beim Nussknackerhersteller Steinbach zu knacken galt. Doch inzwischen ist klar: Die in Gebirge ansässige Firma wird weiter bestehen - mit neuem Besitzer. Der Dresdner Unternehmer Rico Paul will nicht nur schnell den amerikanischen Markt sichern und ausbauen, sondern künftig auch in Deutschland präsenter sein. Genau daran hatte es bis zur Insolvenz im vergangenen Jahr gemangelt.

30 Mitarbeiter sind aktuell beschäftigt, einst waren es am Standort Gebirge 45. Hinzu kamen 180 im niedersächsischen Werk Hohenhameln. Dieses wurde geschlossen, die Produktion auf das Erzgebirge konzentriert. "Mir war von Anfang an klar, dass die Nussknacker in die Region gehören", sagt Paul. Maschinen und Muster wurden übernommen. So umfasst das Sortiment mehr als 500 verschiedene Nussknacker und Räuchermänner - vom Förster über Fußballer, Pfadfinder und Indianer bis hin zu Figuren aus der Weltraumsaga "Star Wars". Auch der Markenname ging an den neuen Eigentümer über. So gelang der Neustart.


Die Belegschaft sei sehr motiviert und die Produktion längst wieder in vollem Gang, betont Paul. Es gebe genügend Aufträge. Schon früh suchte der Unternehmer den Kontakt zu den Händlern in den USA. "Steinbach ist dort ein Begriff, den jeder kennt." Dafür hatte einst die Familie Steinbach bei verschiedenen Amerikareisen gesorgt, bis sie ihr Unternehmen im Zuge der Insolvenz verlor. Offiziell wurde damals die Einführung des Mindestlohnes als Grund der Probleme genannt. Doch bereits zuvor verzeichnete die Firma Absatzrückgänge, etwa im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008, als die Nachfrage in den USA sank.

Natürlich habe die Insolvenz zu einem Knick geführt, so Rico Paul. Umso größer sei in den USA die Erleichterung gewesen, als klar war: Steinbach wird es weiterhin geben. Denn die Nussknacker sind für die amerikanischen Händler in normalen Zeiten ein gutes Geschäft. Sie lassen sich landesweit in Weihnachtsund Einrichtungsläden sowie in Baumärkten verkaufen. Zudem sind sie bei Großhandelsketten gelistet. Ein Glücksfall für Paul, schon jetzt würden keine Verluste mehr eingefahren. Steinbach sei profitabel.

Doch es bleiben noch jede Menge Aufgaben. Vor allem gilt es, das Unternehmen breiter aufzustellen und den deutschen Markt zu erobern. Denn hierzulande ist Steinbach vergleichsweise unbekannt. Rico Paul will das ändern und unter anderem die Präsenz im Internet ausbauen.

An seinem zweiten Standbein hält er weiter fest. Der Dresdner besitzt mit dem Unternehmen Happy Kids einen Fachhandel für die Einrichtung von Kindertagesstätten, Schulen und Behörden. Seit Jahren vertreibt er unter anderem Möbel. Seine Erfahrungen will er nun für Steinbach nutzen.


Dresdner Unternehmer legte das beste Angebot vor

Insolvenzverwalter Manuel Sack hatte zum 30. November 2015 den Mitarbeitern in Marienberg gekündigt. "Natürlich keine schöne Aufgabe", räumt der Jurist ein. Auch im größeren niedersächsischen Standort Hohenhameln wurde Personal abgebaut. Zunächst ging Sack davon aus, der Standort in Niedersachsen werde weitergeführt. "Zumal der Betrieb beider Standorte zu hohe Logistikkosten verursacht hätte", erklärt er.

Für den Kauf der insolventen Steinbach GmbH habe es "fünf ernsthafte und zwei sehr ernsthafte Interessenten gegeben". Den Zuschlag bekam der Dresdner Unternehmer Rico Paul, der laut Sack das "mit Abstand beste Angebot" abgegeben hatte. Die Überraschung war perfekt, als der neue Inhaber ohne langes Zögern klarstellte: Die Nussknacker gehören nach Sachsen, der Standort Marienberg muss unbedingt erhalten bleiben.

Eine Hiobsbotschaft für die übrige Belegschaft in Niedersachsen: Mit dem Aus des Werkes endete in Hohenhameln die Produktion der Steinbach-Nussknacker. In Marienberg wurden dafür 23 ehemalige Mitarbeiter zurück in die Firma geholt. Heute liegt ihr Gehalt sogar über dem Mindestlohn. Den hatte die ehemalige Unternehmensleiterin Karla Steinbach noch als Hauptgrund für die Krise ihrer Firma herangezogen. (jrob)

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