Organistin begeistert sich für Silbermann-Orgel in Forchheim

In der Veranstaltungsreihe war Yulia Draginda zu Gast. Sie spielte Buxtehude und Marchand - und natürlich Bach.

Forchheim.

Es gibt immer ein erstes Mal, für Yulia Draginda war es am Sonntag in Forchheim soweit. Die international renommierte Konzertorganistin spielte erstmals an einer Silbermannorgel und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Die Orgel ist fantastisch und klingt wunderschön. Ich durfte hier endlich einmal auf einer Silbermannorgel spielen, nach Konzerten auf vielen Orgeln, die im Stile Silbermanns gebaut worden sind", sagte Yulia Draginda. "Das Instrument ist ungewohnt schwergängig, vor allem das Manual. Dazu fehlt ein Cis, aber ich liebe diese Orgel einfach", fasste sie nach ihrer Begegnung mit dem Forchheimer Instrument zusammen.

80 Zuhörer kamen in die George-Bähr-Kirche und erlebten ein Konzert auf hohem Niveau. Yulia Draginda entlockte dem alten Instrument stürmische und zarte Töne, Natürlich spielte sie Bach, unter anderem die "dorische" Toccata und Fuge d-moll, dazu Werke von Buxtehude und Marchand, die Besucher ließen sie erst nach einer Zugabe gehen.

Yulia Draginda ist Moskauerin, aber eigentlich Weltbürgerin. Mit zwölf Jahren setze sie ihr Klavierlehrer an eine Orgel - und eine riesengroße Leidenschaft war entfacht. Das mit Auszeichnung absolvierte Musikstudium am Tschaikowsky-Konservatorium in ihrer Heimatstadt Moskau war der erste Schritt hin zu einer weltweit gefeierten Organistin. Sie setzte ihre Studien in Stuttgart und Basel fort, legte das Konzertexamen mit Auszeichnung ab und wurde seitdem mit Preisen überhäuft.

Danach lebte sie in Deutschland, arbeitete in der Schweiz, war wissenschaftlich tätig - und stolperte über einen Zeitungstext. "Da las ich von der Möglichkeit, an der McGill-Universität in Toronto zu promovieren. Ich verzichtete auf meine sehr gut dotierte Stelle und ging nach Kanada", erzählte die 32-Jährige, die neben ihrer Muttersprache Russisch fließend Französisch, Englisch und Deutsch spricht. Von ihrer Universität mit einem Reisestipendium ausgestattet, macht sie derzeit Urlaub und gibt Konzerte wie das am Sonntag in Forchheim.

Eingefädelt wurde es von Burkhard Scheibe, einem gebürtigen Sachsen, der die Organistin bei einem Konzert im vergangenen Jahr traf. Die Forchheimer Kirchgemeinde und die Silbermanngesellschaft ließen sich das Angebot zu einem Konzert nicht entgehen, der Termin wurde auf die Semesterferien gelegt.

"Diese Sommerkonzerte sind für uns kein Geschäftsmodell, wir machen damit kein Geld", erläuterte Sabine Schetelich aus Freiberg von der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft. Die Organisten spielten demnach unentgeltlich, da sie spielen wollten und bewerben sich dafür.

Die Reihe Forchheimer Konzerte, bestehend aus vier Veranstaltungen, wird am 12. August, 17 Uhr, fortgesetzt. Es spielt der Erfurter Organist Prof. Matthias Dreißig. Den Abschluss der kleinen Reihe bildet das Weihnachtskonzert mit Frank Zimpel (Orgel) und Alexander Pfeiffer (Trompete) (16. Dezember, 16 Uhr), den Anfang machte Organist Andreas Rockstroh aus Jöhstadt am 27. Mai.

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