Per Mausklick durchs Museum

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie wird an digitalenAngeboten gefeilt, damit Interessenten "Die sehenswerten Drei" trotz aller Beschränkungen erleben können. Auch auf der Burg Scharfenstein zahlen sich diese Bemühungen nun aus.

Scharfenstein.

Mit der Bewältigung von Krisen scheinen sich die Erzgebirger gut auszukennen. Das war schon Mitte des 17. Jahrhunderts so, als der Bergbau ein Tief erlebte und die Arbeiter deshalb auf die Herstellung von Holzfiguren umsattelten. Und auch zu Corona-Zeiten wird Innovation gelebt, indem Museen ihre Inhalte in neuer Form präsentieren. Auch über eben jene Geschehnisse der Jahre um 1650 hat Marleen Dietz weiterhin viel zu erzählen, denn die Museumspädagogin der "Sehenswerten Drei" leitet ihre Führungen nun via Computer und Internet.

Erst vergangene Woche stand eine "Virtuelle Tour durch das Weihnachts- und Spielzeugmuseum" auf dem Programm, bei der aus der Ferne knapp 20 Teilnehmer die entsprechenden Räumlichkeiten der Burg Scharfenstein am Bildschirm besuchten. Unter anderem erfuhren sie von Marleen Dietz dabei, welche Rolle der Bergbau bei der Entstehung dieser Traditionen spielte. In Bild und Ton wurde aber noch viel mehr Wissenswertes über den Ideenreichtum und die Vielfalt der Arbeiten vermittelt. "Solche digitalen Angebote spielen inzwischen eine ganz wichtige Rolle", erklärt Patrizia Meyn. Sie ist die Geschäftsführerin der "Sehenswerten Drei" zu der neben den Schlössern Augustusburg und Lichtenwalde auch die Burg Scharfenstein gehört.

Insgesamt wurden bislang 16 Angebote seit dem vergangenen Frühjahr entwickelt. Über solche virtuellen Rundgänge sei zwar schon zuvor nachgedacht worden: "Das hatten wir auf der Agenda." Aber erst der Beginn der Pandemie und die damit verbundene vorübergehende Schließung der Museen war der Anstoß, die Ideen auch in die Tat umzusetzen. "Wir haben uns überlegt, wie wir den Gästen außerhalb unserer Mauern etwas bieten können", so Patrizia Meyn. Viel Material musste digitalisiert werden. Präsentationen wurden erstellt. Um Touren durch die historischen Räumlichkeiten ging es ebenso wie um die museumspädagogischen Angebote. Heraus kamen elf kurze Filme mit einer Länge von zwei bis fünf Minuten, die auf der Homepage der "Sehenswerten Drei" ständig abrufbar sind. "Dort können sich zum Beispiel auch Lehrer von Schulen über unsere Projekte informieren", erklärt die Geschäftsführerin und verweist unter anderem auf das Scharfensteiner Mittelalterdorf. Ergebnis der Arbeit, die auch nach der Wiedereröffnung weiterging, waren zudem fünf Webseminare, bei denen die beiden Museumspädagogen Marleen Dietz und Martin Kreß zu angekündigten Terminen stets live am Computer virtuelle Touren leiten.

Dass die neuen Angebote gut angenommen werden, überrascht Patrizia Meyn nicht. "Moderne Technik gehört ja inzwischen zum Alltag", sagt sie und nennt als Beispiel die Augustusburger Sonderausstellung "Ausgetrickst". Um deren Faszination zu erleben, sei schon beim "normalen" Besuch eine Handy-App nötig. "Kinder erklären da auch mal ihren Großeltern, was zu tun ist." Ähnlich sei auch das Geschehen an den heimischen Bildschirmen vorstellbar, wenn ein Web-Seminar läuft. Diese dienen in den meisten Fällen nicht nur den 10 bis 15 Personen, die sich durchschnittlich pro Veranstaltung anmelden. "Häufig wird es ja so sein, dass noch mehr Leute oder sogar die ganze Familie dabei sind", vermutet die Geschäftsführerin.

Das Feedback zeigt, dass tatsächlich häufig Eltern gemeinsam mit ihren Kindern per Mausklick die Museen besuchen. Denn oft ist die Arbeit von Marleen Dietz nach den rund 30-minütigen Web-Seminaren noch nicht getan. "Manchmal dauert es noch einmal so lange, die Nachfragen zu beantworten", berichtet sie. Doch diesen Aufwand nimmt die Museumspädagogin gern auf sich, gerade dem jungen Publikum steht sie gern Rede und Antwort. Schließlich zeigt es, dass das Konzept aufgeht. "Neben Musik bauen wir auch Spiele und kleine Rätsel ein, um die Konzentration hochzuhalten", erklärt Marleen Dietz. Außerdem sei die per Chat erfolgende Kommunikation mit den Besuchern generell ein wichtiger Aspekt digitaler Angebote. Diese sollen viele Informationen bieten und zugleich Lust wecken, die Ausstellungen in der Realität zu besuchen. Das betrifft das Weihnachts- und Spielzeugmuseum ebenso wie die Sandmännchen-Schau in Scharfenstein, der am Samstag das nächste Webseminar gewidmet ist.

Am kommenden Samstag beginnt 11 Uhr das nächste Webseminar "Mit dem Sandmännchen durch die Welt". Es folgen "Ausgetrickst - Interaktive Reise durch die Welt der Täuschungen" (21. Januar, 17 Uhr) und "Virtueller Rundgang durch Schloss Augustusburg" (26. Januar, 17 Uhr). Im Vorfeld ist eine Anmeldung via Internet nötig. www.die-sehenswerten-drei.de

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