Pläne lösen Debatten aus

In Sayda soll Müll entsorgt werden können. Während der Chef einer Agrargenossenschaft den Flächenverbrauch kritisiert, steht der Bürgermeister hinter dem Vorhaben.

Sayda.

Am geplanten Wertstoffhof in Sayda scheiden sich die Geister. Die Stadträte haben den Standort im Gewerbegebiet an der Dresdner Straße auf ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich befürwortet, und auch Bürgermeister Volker Krönert (CDU) begrüßt das Vorhaben. Der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Friedebach, Heiko Schulz, hingegen meldet Bedenken wegen des Wegfalls landwirtschaftlicher Flächen an.

Die Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) wollen im erzgebirgischen Teil des Nachbarlandkreises einen neuen Wertstoffhof einrichten und den Wertstoffhof aus dem Frauensteiner Ortsteil Burkersdorf nach Sayda verlegen. In Sayda müssen noch die Eigentumsverhältnisse geklärt werden, auch um die Zufahrt zum künftigen Wertstoffhof zu bauen. "Wir sind im Hintertreffen, weil es in der Vergangenheit versäumt wurde, das Gewerbegebiet konkret zu planen", so der Bürgermeister. Seit zwölf Jahren sei das Gebiet an der Dresdner Straße ausgewiesen, allerdings habe bislang für die Planung das Geld gefehlt. Nun, da die EKM etwa 400.000 Euro in einen neuen Wertstoffhof investieren will, will die Kommune das Problem angehen - zumal sich rechtsseitig der Straße Gewerbe gut entwickelt hat. Auch auf der linken Seite der Dresdner Straße gibt es Unternehmen, aber eben auch noch freie Plätze.


Der Chef der Agrargenossenschaft kritisiert die Pläne: "Wieder eine Fläche, die dauerhaft versiegelt werden soll", so Heiko Schulz. Mit der Errichtung eines Wertstoffhofes am Stadtrand von Sayda gehe "unwiederbringlich landwirtschaftliche Nutzfläche verloren". Schulz: "Da wir als Agrargenossenschaft auf besagtem Stück einen langjährigen Pachtvertrag besitzen, bricht nicht nur Produktionsgrundlage, sondern auch ein Teil Existenzsicherung weg." Die Flächenversiegelung habe nicht nur ökologische, sondern soziale und ökonomische Konsequenzen.

Schulz fragt, warum keine Brachflächen genutzt werden oder kein Rückbau vorgenommen wird. Er sagt: "Ja, es ist bequemer und billiger, auf der grünen Wiese zu bauen. Und es ist traurig, dass politische Entscheidungsträger mitmachen."

Bürgermeister Krönert sieht das anders. Er entgegnet: "Die Agrargenossenschaft hat genügend Brachflächen - alte Ställe und Getreidesiloanlagen -, die seit Mitte der 1990er-Jahre leer stehen." Diese Brachen müssten abgerissen und die Flächen entsiegelt werden. "Eigentum verpflichtet", so der Bürgermeister. Für einen Wertstoffhof auf diesen Flächen sei es aber zu spät, da die Arbeiten am Wertstoffhof in diesem Jahr beginnen sollen. Und: Der betreffende Teil des Gewerbegebiets sei 2008 ausgewiesen worden - und zwar mit Zustimmung des damaligen Vorsitzenden der Agrargenossenschaft. Laut Krönert geht es um einen Hektar Land, der wegfällt. Vorsorglich habe die Stadt Sayda der Agrargenossenschaft 2008 20 Hektar Land "zu einem sehr günstigen Preis" verkauft. Rathausmitarbeiter würden die Situation auch einmal in einer Vorstandssitzung erklären.

Unterdessen prüft die EKM auch andere Standorte für einen Wertstoffhof, zum Beispiel in Rechenberg-Bienenmühle. "Solange nichts sicher ist, sehen wir es als unsere Pflicht an, mehrgleisig zu verhandeln. Es kommt ja letztlich auf die Gesamtkosten an", sagte EKM-Chef Jens Irmer auf Anfrage. (mit cor)

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