Reisetagebuch

Norbert Braumüller aus Wolkenstein ist mit dem Interrailpass einen Monat in Europa unterwegs. Hier berichtet er von dem Reiseabenteuer auf Schienen:

Ich saß (ohne Internet) vier Stunden im polnischen IC hinter Bialystok auf einer wegen Bauarbeiten eingleisigen Strecke fest. Als wir wieder fuhren, hätte der Zug schon in Schlesien sein müssen.

Gut, aber ich bin jetzt in Zilina (Slowakei), kann wieder in Euro bezahlen. Ja, ich bin durch Polen geeilt, weil ich Sonntag in einem deutschen Gottesdienst in Siebenbürgen sitzen möchte. Morgen eile ich dann durch Ungarn bis an die rumänische Grenze.

Ich sitze auf der Terrasse eines geschlossenen Restaurants. Eben habe ich (endlich mal wieder) prima gegessen. Das Licht ist gelöscht. Es ist stockdunkel. Der Bildschirm von meinem Laptop leuchtet. Ich habe die Stirnlampe auf, damit ich die Tastatur sehe. In meiner Unterkunft, die für ihr W-Lan mit 9,0 Punkten bewertet wurde, gab es heute kein Internet. Erst morgen wieder. Das nützt mir nichts. Ich brauchte noch eine Zugverbindung und eine Unterkunft. Was wohl die Leute denken, die in der Nachbarschaft wohnen, wenn die mich so sehen.

Ich hatte einen wunderschönen Eisenbahntag. Von Warschau nach Kattowitz. Und dann durch die Beskiden. Ich glaube, ich bin doch ein Bergmensch. Ich habe nur am Fenster gestanden. Bis fast 700 Meter kamen wir hoch. Herrlich.

Auf einer Strecke saßen mir gegenüber eine Frau mit ihrer Tochter. Ihr Schwiegervater und ihre Großmutter waren Deutsche. Sie bezeichnet sich als Schlesierin und freute sich, mit mir Deutsch zu reden.

Mittlerweile bin ich in Hermannstadt (Sibiu) angekommen. In meinem Tagebuch habe ich es eine Fahrt in die Vergangenheit genannt. In Ungarn und Polen standen vor den Bahnhöfen die Stationsvorsteher mit ihren roten Mützen und der grünen Kelle. Hielten wir an, kam der große Moment für sie, dann gaben sie uns das Signal zur Weiterfahrt. Fuhren wir nur vorbei, grüßten sie freundlich. Das gleiche geschah an den Schranken. Der Schrankenwärter machte die Schranke auf und zu und schaute dem Zug nach. Und auch auf den Stellwerken gab es Personen, die wahrnahmen, dass wir vorbeifuhren.

Schade, dass diese Zeit vorbei ist. Digitalisierung und autonom fahrende Züge bedeuten eben auch weniger Menschen, mit denen wir in Kontakt kommen.

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