Schwere Maschinen und zarte Pflanzen wecken die Neugier

71 Betriebe aus dem mittleren Erzgebirge beteiligen sich an der Woche der offenen Unternehmen. Dabei können Schüler ganz verschiedene Berufe erkunden. "Freie Presse" hat sie begleitet.

Marienberg/Zschopau.

Damit Schüler und Firmen schon frühzeitig in Kontakt kommen, wurde die Woche der offenen Unternehmen ins Leben gerufen. Seit Montag schnuppern die Jugendlichen in verschiedene Berufsfelder. Bei Scherdel in Marienberg wurden an drei Tagen sieben Ausbildungsberufe und drei duale Studiengänge vorgestellt. Laut Personalleiter André Schreiter beginnen im Unternehmen jährlich 15 Lehrlinge und BA-Studenten ihre Ausbildung.

"Fingerfertigkeit und Interesse für technische Prozesse sind gute Voraussetzungen. Dazu gute Schulnoten in Mathematik und Physik sowie ordentliche Kopfnoten", beschreibt der Personalchef einige der Einstellungskriterien. Die täglich rund 50 Interessierten wurden in vier Gruppen durch das Unternehmen geführt und bekamen Einblick in die Produktion, den Spezialmaschinenbau, den Werkzeugbau, die Lehrwerkstatt sowie die Produktpalette. Am Dienstag besuchte Nick Beyer aus Steinbach das Unternehmen. "Ich informiere mich, weil ich einen handwerklichen Beruf in der Metallbranche erlernen möchte. Welchen genau und vor allem wo, das weiß ich aber noch nicht. Im Rahmen der Aktion schaue ich mir auch noch andere Betrieb und Berufe an", sagte der 13-Jährige.

Zum ersten Mal hat sich die Swing Tiefbau aus Großrückerswalde an der Woche der offenen Unternehmen beteiligt. Der Baubetrieb, der zu einem Firmenverbund aus sieben Unternehmen gehört, beschäftigt rund 75 Mitarbeiter. "Jährlich beginnen bei uns drei Jugendliche ihre Ausbildung zum Baugeräteführer, Straßenbauer oder Beton- und Stahlbetonbauer", erklärte der Ausbildungsverantwortliche Denny Zöller. 20 Interessierte nutzten am Mittwoch die Gelegenheit, sich über das 1990 gegründete Unternehmen und die Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten schlau zu machen. "Wir setzen bei der Ausbildung auf Klasse statt Masse. Neben guten Kopfnoten auf dem Zeugnis sind auch ein entsprechender Haupt- oder Realschulabschluss wichtig. Entscheidend ist aber das Bewerbungsgespräch", sagte Zöller. Zudem betonte er, dass die Baubranche alle andere als eintönig ist: "Ich habe selbst Straßenbauer gelernt, mich dann weiter qualifiziert. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass jede Baustelle anders ist und keine einer anderen gleicht. Langeweile kommt daher keine auf." Unter den Interessierten war auch Yered Eckert aus Olbernhau. Der 14-Jährige besucht derzeit eine 7. Klasse und beginnt schon frühzeitig mit der Berufsorientierung. "Ich habe drei Betriebe besucht. Neben diesem noch zwei metallverarbeitende Firmen in Marienberg und Olbernhau. Derzeit ist der Beruf Baugeräteführer mein Favorit. Ich würde hier in Großrückerswalde gern mal ein Schülerpraktikum machen", sagte Eckert.

Viel Interesse und noch mehr Liebe zum Job werden bei der Baumschule Dittersdorf gefordert. "Wir Gärtner haben einen ganz speziellen Beruf", sagte Evelyn Naue. Die Geschäftsführerin erläuterte zudem: "Man ist den ganzen Tag draußen." Fünf Schüler waren zur Woche der offenen Unternehmen in die Dittersdorfer Baumschule gekommen, um einfach in den Beruf hineinzuschnuppern.

Weitere 25 Heranwachsende sind bei der Straßenmeisterei in Gornau zu Gast gewesen. Sie erhielten Einblicke in das Tätigkeitsfeld der Straßenwärter und lernten die technische Ausstattung kennen. Dabei imponierte besonders eine Schneefräse des russischen Typs SIL. "Die hatten wir in diesem Winter im Einsatz", sagte René Seidel. Der Chef der Straßenmeisterei ging mit den Schülern über das Gelände des Landkreisbetriebs und zeigte ihnen unter anderem auch das Salzlager.

Fünf Straßenmeistereien unterhält der Erzgebirgskreis. Die Mitarbeiter kümmern sich um eine Gesamtlänge von 1253 Straßenkilometern. "Auf uns entfallen davon 237 Kilometer", erklärte René Seidel. Drei Auszubildenden für den Beruf des Straßenwärters oder der Straßenwärterin gibt der Erzgebirgskreis für die Straßenmeisterei Gornau im Jahr 2019 einen Ausbildungsplatz, für den der Realschulabschluss die Voraussetzung ist. "Ich hatte mir das genau so vorgestellt, der Beruf wäre etwas für mich. Das ist interessant und abwechslungsreich", sagte der 14-jährige Tim Tröger aus Gornau.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...