Spendenaktion nimmt Fahrt auf

Seit einer Woche ist die Aktion "Leser helfen" am Laufen. "Freie Presse"- Leser können wieder Menschen helfen, denen das Schicksal Schweres auferlegt hat.

Schneeberg/Pockau.

Mariam Seigert ist berührt. "Mein Vater wurde diese Woche sogar beim Zahnarztbesuch auf die Leser-helfen-Aktion angesprochen", erzählte er gestern am Telefon. Und was er noch toller findet: Der Arzt habe schon für ihn, seine Familie gespendet.

Deren Schicksal beschäftigt seit einer Woche die Erzgebirger. Wenn Familie Seigert aus Pockau ihre Wohnung verlässt, dann muss dies gut geplant sein. Gut eine Stunde dauert es, bis alle im Auto sitzen, so Herbert Seigert, ohne den im Alltag kaum etwas geht. Angela Seigert ist wie ihr Sohn Marian schwerbehindert. Sie leidet seit knapp 20 Jahren an Multipler Sklerose, er seit seiner Kindheit an Muskeldystrophie. Beide sitzen in Rollstühlen und sind täglich auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch ihre Eltern packen mit an. Angela Seigert muss regelmäßig zum Arzt, der zum Beispiel den aktuellen Krankheitsstand überprüft. Arme und Beine kann sie nicht mehr bewegen, mit dem Fortschreiten der Krankheit starben die nötigen Nervenzellen ab. Marian Seigert ist weniger eingeschränkt. Zwar hat er durch seine Erkrankung an Muskelkraft verloren, seine Arme kann er noch nutzen und so einige Alltagsaufgaben selbst erledigen.

Das größte Problem der Familie: Ihr Auto reicht längst nicht mehr aus. Herbert Seigert kommt zunehmend an seine Grenzen. Zunächst muss er seine Frau und seinen Sohn anziehen, dann bringt er sie zum Treppenlift und zum Auto. Dort muss der 53-Jährige seine mehr als 90 Kilogramm schwere Frau herausheben und auf einen der Sitze heben. Danach das Gleiche mit seinem Sohn. Zudem verstaut er die Rollstühle. Sind sie beim Arzt oder bei der Physiotherapie angekommen, ist er erneut gefordert. Anschließend müssen sie wieder heim. Kurz um: achtmal schweres Heben - und das jede Woche. "Wir benötigen einen Kleintransporter", sagt Helmut Lindner, der Vater von Angela Seigert. Er hat die Familie für "Leser helfen" vorgeschlagen. "Die Rollstühle könnten über eine Rampe direkt hineingefahren und für die Fahrt gesichert werden." Kräftezehrendes Heben würde entfallen. Der Alltag würde erleichtert.

Auf Alltags-Erleichterungen hofft auch Ulli Müller. Mit großen, erwartungsvollen Augen liegt der Zehnjährige in seinem Bett. Der Junge aus Schneeberg leidet an den Folgen eines genetischen Defekts. Die Diagnose lautet: Adrenale Leukodystrophie (ALD) und bedeutet, dass sich die schützende Myelinschicht, die alle Nervenbahnen sowie das Gehirn ummantelt, allmählich zersetzt. Heilbar ist diese Krankheit in dem Stadium nicht mehr, sie lasse sich jedoch mittels einer Diät und etlichen Nahrungsergänzungsmitteln lindern, vielleicht sogar stoppen, so die Hoffnung der Eltern. Doch die Krankheit hinterlässt Spuren. Ulli kann nur im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen. Oft krampft er am ganzen Körper.

Seine Eltern Silke und Peter Müller tun alles, damit es ihrem Nesthäkchen gut geht. Aber sie haben bei aller Fürsorge ein großes Problem: Sie benötigen dringend einen Fahrstuhlanbau, um Ulli gefahrlos zu transportieren. "Er wächst ja, wird schwerer. Bislang tragen wir ihn immer zu zweit die steile Treppe hinunter", sagt Mutter Silke Müller und zeigt auf die enge und steile Holztreppe. Für den Transport packt sie meist den Jungen an den Armen und stützt den Kopf, der Vater nimmt ihn an den Füßen. Ulli wiegt zwar nur 33 Kilogramm, aber seine Mutter auch nur 48.

Die Eltern bewirtschaften die Gaststätte auf dem Aussichtsturm Gleesberg in Schneeberg. Das Wohnhaus gehört zum denkmalgeschützten Ensemble des Turms, der 1898 errichtet wurde. Der gesamte Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz, und doch gebe es vielleicht eine Variante, einen Fahrstuhl hinter dem Haus anzubauen. Eine Anfrage beim Denkmalschutzamt läuft. Doch die Kosten für den Bau übersteigen derzeit das finanziell Machbare der Familie. (mit alu)

www.freiepresse.de/leserhelfen

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