Stadt macht Vereinsförderung transparent

Das bisher willkürlich erscheinende Verfahren zur Vergabe von Zuschüssen stieß im Zschopauer Rat seit langem auf Kritik. Nun hat das Gremium eine Richtlinie mit einem neuen Ansatz beschlossen.

Zschopau.

Zschopaus Stadtspitzen sind stolz auf die großzügige Unterstützung des sportlichen und kulturellen Vereinslebens in der Kommune. Immerhin hat die Motorradstadt zuletzt jedes Jahr um die 95.000 Euro an Zuschüssen vergeben. Kritik gab es dagegen immer wieder am Vergabemodus, der mitunter recht willkürlich erschien. Auf ihrem Förderantrag mussten die Vereine bislang eine Summe und eine Begründung notieren, worüber letztlich der Stadtrat befand.

Das wird sich in der neuen Förderperiode grundlegend ändern. Im Oktober hat der Stadtrat dazu eine Richtlinie verabschiedet. Danach hat jeder Verein Anspruch auf eine pauschale Förderung, die sich nach der Mitgliederzahl bemisst. Vorausgesetzt, die Zuwendungsempfänger erheben von ihren Mitgliedern Mindestbeiträge: bei Erwachsenen sind das 40, bei Kindern 20 Euro im Jahr.

Zu den Architekten der Richtlinie gehört Klaus Baumann, Oberbürgermeister im Ruhestand und Fraktionsvorsitzender von "Wir - die Vereine". Schon vor den Kommunalwahlen 2019 bezeichnete er die Vereinsförderung als ungerecht. Nicht zuletzt sei das Thema ausschlaggebend gewesen, mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf zu ziehen. Auch die Grünen setzten sich in ihrem Wahlprogramm für eine "gerechte und transparente Vereinsförderung" ein.

Beide Fraktionen hatten einen gemeinsamen Antrag in den Stadtrat eingebracht, um eindeutige Regelungen für die Vergabe von Zuschüssen zu finden. Nach Zuarbeiten aus den Fraktionen legte die Verwaltung einen Entwurf vor, der vor der Beschlussfassung zweimal im Hauptausschuss diskutiert wurde. Schließlich sollten das Papier alle Stadträte mittragen können, begründet Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) das Vorgehen. Das Prozedere nahm etwa ein Dreivierteljahr in Anspruch. "Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie wir eine Entbürokratisierung hinbekommen und die Wertschätzung für unsere Vereine zum Ausdruck bringen können", fügt Klaus Baumann zum nun vorliegenden Ergebnis an. Neben der mitgliederabhängigen Pauschalförderung können Vereine eine Sonderförderung beantragen. Die gibt es beispielsweise für wiederkehrende Veranstaltungen wie das Familien- und Vereinsfest zum 1. Mai, das Classic-Enduro, die Zschopauer Classic für historische Renn- und Sportfahrzeuge sowie für den Enduro-Höhepunkt "Rund um Zschopau". Von einer Sonderförderung kann ebenso die Drittliga-Mannschaft des Volleyball-Clubs Zschopau profitieren.

Bauhofleistungen, die bislang genauso wie monetäre Mittel bewilligt wurden, sind nicht mehr Bestandteil der Förderung. Vielmehr können Vereine diese Leistungen jetzt mit dem Geld bezahlen, das sie erhalten. Dazu gibt es eine Preisliste mit allen möglichen Positionen: vom Auf- und Abbau einer überdachten Bühne für rund 1500 Euro bis zur Absperrschranke für fünf Euro.

Um die Kinder- und Nachwuchsarbeit im Verein besonders zu würdigen, stellt die Stadt zusätzlich für Kinder und Jugendliche eine Pro-Kopf-Förderung von 15 Euro bereit. Gestaffelt nach Jahres- und Mitgliederzahl gibt es auch für Jubiläen Pauschalbeträge. Unberührt von der neuen Richtlinie bleiben die Mietverträge für städtische Räume und Objekte. Mietzuschüsse oder -erlasse können im Einzelfall per Sonderantrag gewährt werden.

Bis 31. Dezember können Vereine ihre Anträge einreichen. Das Formular und die Richtlinie sind auf der Homepage der Stadt zu finden. Die ausfüllbare PDF-Datei kann anschließend per E-Mail versendet werden. Bislang liegen im Rathaus 15 Anträge vor. Für OB Sigmund noch kein Grund zur Beunruhigung: "Erfahrungsgemäß kommen die Vereine immer erst auf den letzten Drücker." Spannender ist für ihn, wie sich die neue Vorgehensweise finanziell auswirkt. "Bislang haben wir ja nur eine Hochrechnung." Ein Hintertürchen hat sich die Verwaltung aber offengelassen, falls etwas schiefgeht: Geld darf demnach nur fließen, wenn entsprechende Haushaltsmittel bereitstehen. Mit der Überweisung können die Vereine rechnen, sobald der Haushaltsplan rechtskräftig ist. "Nach einem Jahr werden wir zusammen mit den Vereinen auswerten, was das neue System gebracht hat", kündigt Klaus Baumann an.

In diesem Jahr hat die Kommune letztmals nach dem alten Muster 94.000 Euro einschließlich Bauhofleistungen an annähernd 80 Vereine verteilt.

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