Streit um Alarmierung gipfelt in Rücktritt des Stadtwehrleiters

Steffen Kliem hat sein Amt abgegeben. Er beklagt unter anderem, dass er von mehreren Ortswehrleitern unter Druck gesetzt worden sei.

Olbernhau.

Zwölf Ortswehren hat die Stadt Olbernhau. Bei einigen, die mit der Eingemeindung von Pfaffroda hinzugekommen sind, gibt es zu wenige Mitglieder, weswegen sie wochentags von 6 bis 18 Uhr nicht ausrücken können. Die Alarmierung geht an ihnen vorbei, was nicht jedem gefällt. Seit Wochen schwelt ein Streit, der nun zum Rücktritt des Stadtwehrleiters Steffen Kliem beitrug.

"Ich wurde unter Druck gesetzt", betont Kliem, der sich zu unrecht angefeindet fühlt. Im Stadtwehrausschuss habe er sich erklären müssen. Er könne nicht verantworten, dass etwa bei einem Brand oder bei einem Verkehrsunfall zuerst eine Ortswehr alarmiert werde, die nicht mit ausreichend Personal ausrücken könne. Muss etwa jemand aus einem brennenden Haus gerettet werden, seien genügend Atemschutzgeräteträger erforderlich. Genau an diesen mangelt es mitunter, da viele Feuerwehrmitglieder auswärts arbeiten. Der 40-Jährige betont, dass der Stadtwehrleiter letztlich die Verantwortung trage. Er habe das Problem gegenüber der Stadtverwaltung angesprochen, aber nicht die erhoffte Rückendeckung erhalten. Unter anderem aus diesem Grund zog er zum 1. Januar die Konsequenzen. Seitdem leitet Udo Müller von der Niederneuschönberger Wehr kommissarisch die Stadtwehr.

Um welche Ortswehren es sich handelt, möchte Steffen Kliem nicht sagen. Ein Blick in den Brandschutzbedarfsplan zeigt, dass unter anderem Dittmannsdorf sowie Hallbach tagsüber als nicht einsatzfähig gemeldet sind. Auf Nachfrage erklärte nun der Dittmannsdorfer Wehrleiter Denny Hantsche, dass er keineswegs auf Steffen Kliem Druck ausgeübt habe. Vielmehr habe er seine Argumente vorgetragen. "Die Kameraden vor Ort kennen sich am besten aus." Daher sei eine parallele Alarmierung sinnvoll. Ähnlich sieht das Frank Kleiner, er ist Ortswehrleiter in Hallbach. Den Rücktritt von Steffen Kliem kann er eigenen Worten zufolge nicht nachvollziehen. Ihm sei an einer offenen Diskussion gelegen. Druck sei nicht ausgeübt worden. Kleiner erklärt, dass es zum Beispiel im vorigen Jahr in Hallbach einen Unfall gegeben habe. "Quasi vor der eigenen Haustür. Die Kameraden fragten sich: Was ist los? Warum werden wir nicht alarmiert?" Zumal bei einem Unfall im Unterschied zu einem Brand keine Atemschutzgeräteträger erforderlich seien.

Doch das ist nicht alles. Steffen Kliem beklagt, dass er als Stadtwehrleiter nicht genügend einbezogen wurde. Als Beispiel benannte er die Anschaffung eines neuen Mannschaftstransportwagens (MTW) für die Haselbacher Ortswehr. Dafür hatte sich Bürgermeister Heinz-Peter Haustein eingesetzt. Kliem sagt, dass er nur per Kurznachricht auf dem Handy informiert wurde.

Das Thema hatte schon während des Stadtrates im Dezember Unmut ausgelöst. Zur Beschlussfassung zum Kauf des Fahrzeuges sagte damals CDU-Fraktionschef Guido Kolberg: "Ich habe die Befürchtung, dass die Büchse der Pandora geöffnet wird." Andere Wehren könnten auch Ansprüche anmelden. Nun bekräftigte er: Den Haselbachern sei etwas versprochen worden, ohne dass das Gremium ausreichend einbezogen wurde.

Bürgermeister Heinz-Peter Hau-stein sagte auf Nachfrage, dass der MTW dem Nachwuchs zugute komme. Er sieht die Stadtwehrleitung keineswegs übergangen. Der Kauf sei Sache des Bürgermeisters oder des Stadtrates. Auf Steffen Kliem angesprochen, betont er, dass der Rücktritt private Gründe habe. Dies gehe aus dessen Schreiben hervor, das der Verwaltung zuging und "Freie Presse" vorliegt. Kliem schreibt: Sein Amt stelle seit der Eingliederung von Pfaffroda eine übermäßige Belastung dar und er habe noch ein Privatleben. Aber eben auch: Er wolle nicht für Fehler bei der Alarmierung verantwortlich gemacht werden.

Wann genau die neue Stadtwehrleitung gewählt wird, stehe noch nicht fest, teilte die Verwaltung mit. Die Ortswehr Olbernhau wird Steffen Kliem weiterhin leiten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...