Tierfutter-Reserven gehen auch im Erzgebirge zur Neige

Die Grünschnitternte fiel in diesem Jahr bescheiden aus. Manche Weiden sind inzwischen vertrocknet. Das bringt insbesondere Milchbauern Probleme. Besser ist dagegen die Getreideernte gelaufen.

Zschopau/Marienberg.

Einige Weiden im Erzgebirge sind inzwischen so vertrocknet, dass die Tiere darauf nichts mehr zu fressen finden. "Manche Landwirte treiben ihre Rinder deshalb schon jetzt zurück in den Stall", sagt Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge. Normalerweise geschieht das erst Ende Oktober bis Mitte November. Doch dieses Jahr ist kein normales Jahr. Die ausgeprägte Dürre bereitet den Landwirtschaftsbetrieben schon länger Kopfzerbrechen. Milchbauern sorgen sich, wie sie ihre Rinder über den Winter bringen.

Nur der erste Futterschnitt in diesem Jahr habe noch gute Ergebnisse gebracht. Der zweite und dritte sei zum Teil ganz ausgefallen, sagt Bergelt. Möglicherweise könnte im September noch Nachschub für die Silos kommen. Allerdings müsste es dafür erst längere Zeit regnen.

Wo Schatten ist, gibt es auch Licht: Werner Bergelt spricht von einem im Durchschnitt guten Maisertrag. Zwar nicht in der Menge, aber in der Qualität könnten die Erzgebirgsbauern punkten. In anderen Regionen beklagen Landwirte hingegen einen Totalausfall bei Mais.

Trotzdem wird auch im Erzgebirge das Futter knapp. Tiere, die statt auf der Weide im Stall stehen, müssten schon ihre Winterfuttervorräte anreißen. Einen Zukauf hält Bergelt für nicht machbar, weil Futter überall in der Region knapp ist und sich Silagen für einen Transport über viele Kilometer nicht eignen. "Mit allen Reserven werden wir unsere Tiere aber über den Winter bringen", zeigt er sich zuversichtlich.

Auch im Vergleich zum Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes fällt die Bilanz der Erzgebirgsbauern im Erzgebirgskreis und im Territorium des Altkreises Freiberg weniger dramatisch aus. Über alle Getreidearten hinweg liegen die Erträge bei 62 Dezitonnen pro Hektar. Dieser Wert liegt Bergelt zufolge zehn Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Das Gleiche gilt beim Raps mit einem durchschnittlichen Ertrag von 33 Dezitonnen pro Hektar.

Werner Bergelt wertet die Zahlen als Beleg, dass das Erzgebirge beim Getreideanbau mit Trockenheit besser zurecht kommt als andere Regionen. "Die Regenstaulage im Gebirge ist für uns existenziell", sagt Werner Bergelt. Während es in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern monatelang nicht regnete, habe das Erzgebirge doch von Zeit zu Zeit etwas abbekommen. Wegen der lokal begrenzten Niederschläge konnten jedoch nicht alle Betriebe davon profitieren. Die Getreideernte selbst habe im Vergleich zu anderen Jahren wenig Probleme bereitet: Es gab kaum Verluste, zusätzliche Kosten für die Getreidetrocknung blieben aus. Alles in allem zeigt sich der Geschäftsführer zufrieden: "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir noch so viel geerntet haben." Nun warten die Erzgebirgsbauern auf gute Getreidepreise. "Die sind zwar schon etwas gestiegen, aber noch nicht so, wie sie sein könnten", sagt Werner Bergelt.


Mitarbeiter bringt Wasser auf die Weiden

Kein Grün, nur verbranntes und vertrocknetes Gras - so sieht es derzeit auf vielen Weiden aus, auch auf denen der Agrarprodukte Krumhermersdorf GmbH. "Eine Grasmahd fehlt uns komplett. In normalen Jahren schneiden wir vier Mal im Jahr Gras für die Fütterung, in diesem Jahr hatten wir drei und eine halbe Mahd. Der vierte Schnitt fehlt komplett", erzählt Leiter Kay Weißbach. Das Unternehmen hat 600 Milchkühe und 350 Kälber und Färsen und stellt das Futter selbst her.

Mit der Grassilage, die bisher eingebracht wurde, reicht die Agrarprodukte Krumhermersdorf GmbH laut einer Hochrechnung bis März. Jetzt wird, um Silage zu sparen, schon ein Kilogramm Heu pro Tier und Tag zugefüttert, sonst sind es zu diesem Zeitraum etwa 300 Gramm. Die Kühe werden auch auf Flächen gebracht, die schon seit 20 Jahren nicht mehr beweidet wurden. Wegen des fehlenden Regens sind auch fast alle Quellen auf den Weiden versiegt, von acht Quellen sprudelt nur noch eine.

"Darum ist ein Mitarbeiter den ganzen Tag beschäftigt, Wasser auf die Weiden zu bringen. Jede hat ein Wasserfass, das immer wieder aufgefüllt werden muss", sagt der 47-Jährige. (dit)

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