Vom Erzgebirgs-Bike-Marathon zum Wangenabstrich

Im Start- und Zielbereich des Wettkampfes in Seiffen fiel am Samstag ein orangefarbenes Zelt auf. Sportler und Gäste kamen dorthin, um einer Dittmannsdorferin im Kampf gegen den Krebs zu helfen.

Seiffen/Dittmannsdorf.

Am Rande des Erzgebirgs-Bike-Marathon sind am Sonnabend 73 Sportler und Besucher einem Aufruf gefolgt, der zugunsten von Christina Wolfgruber aus dem Gornauer Ortsteil Dittmannsdorf gestartet worden war. Die 34-Jährige ist Mutter eines einjährigen Mädchens und hat erst vor wenigen Wochen die Diagnose Blutkrebs erhalten. Seitdem wird sie im Chemnitzer Küchwald-Klinikum mit einer Chemotherapie behandelt. Die junge Frau benötigt dringend eine Stammzellenspende. Dafür muss zunächst ein passender Spender gefunden werden.

Ihre Familie hat sich daraufhin für eine rasche Typisierungsaktion in der Region eingesetzt und Unterstützung beim Verein "Erzgebirge gegen Blutkrebs" gefunden. Dieser hat die Veranstaltung in Seiffen nun im Namen von Christina Wolfgruber initiiert - in der Hoffnung, dass sich viele Menschen beteiligen und womöglich als Spender für die Dittmannsdorferin, aber auch andere Patienten infrage kommen.

Im Start- und Zielbereich des Wettkampfes fiel besonders ein orangefarbenes Zelt auf. Vier Vereinsmitglieder sowie Bekannte und Verwandte von Christina Wolfgruber sprachen dort Menschen an, schilderten den Fall und überzeugten sie, an der Typisierung teilzunehmen. Mit dabei war Christina Wolfgrubers Vater, Matthias Wolfgruber. "Ich würde ja selbst spenden, bin aber zu leider alt dafür", sagte er. In der weltweiten Datenbank seien schon zwei potenzielle Spender gefunden worden, die für seine Tochter infrage kämen. Beide würden aber in den USA wohnen. "Einer ist schon abgesprungen, von dem anderen haben wir noch nichts gehört. Darum wäre es ein großer Glücksfall, wenn in Seiffen ein Treffer gelandet werden könnte", sagt der Dittmannsdorfer.

Der Verein "Erzgebirge gegen Blutkrebs" wurde vor drei Jahren gegründet und organisiert seitdem regelmäßig Typisierungsaktionen, erklärt Vorsitzende Jana Lorenz: "Wir fragen an, ob wir bei Großveranstaltungen einen Stand aufbauen können. Manchmal kommen auch Veranstalter auf uns zu." Zu Hochzeiten hat der Verein 46 Aktionen in einem Jahr gestartet. Die Resonanz sei unterschiedlich: Mitunter kamen in einem Jahr rund 5000 Menschen; bei mancher Einzelaktion seien es sehr wenige, aber es habe auch schon ein einziges Wochenende gegeben, an dem 3000 Leute da waren. In Seiffen beim Erzgebirgs-Bike-Marathon war der Verein schon vergangenes Jahr zu Gast. Für den Initiator des Marathons, Albrecht Dietze, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Aktivisten dabei sein können: "Das ist Ehrensache."

Der Verein arbeitet ehrenamtlich. Bei den Typisierungsaktionen kooperiert er mit der Stefan-Morsch- Stiftung im rheinland-pfälzischen Birkenfeld. Diese stellt Material für die Wangenabstriche zur Verfügung und nimmt diese anschließend entgegen. Die Morsch-Stiftung ist eine von 26 Datenbanken in Deutschland, die Typisierungsinformationen von Menschen sammeln und an das Zentrale Knochenmarksspenderregister Deutschland (ZKRD) in Ulm weitergeben.


"Keinen Rückzieher machen"

Jan Rudolph und seine Frau Christin wohnen in Seiffen und haben eigentlich alle Hände voll zu tun. "Wir bauen gerade unser Haus, sind aber extra wegen der Typisierung hergekommen", erzählt Jan Rudolph. "Man darf nicht nur an sich selbst denken. Wenn wir anderen Menschen damit helfen können, machen wir das gern", sagt der 30-Jährige. Jan und Christin Rudolph sind zweifache Eltern, ihre Töchter Lara und Eileen mussten am Samstag auf beide verzichten. "Wir haben aus der ,Freien Presse' von der Aktion erfahren und waren sofort bereit, uns typisieren zu lassen. Dazu gehört für uns aber auch, bei einem Treffer keinen Rückzieher zu machen und auch wirklich Stammzellen zu spenden", bekräftigt der Familienvater. (dit)


"Mutter und Vater verloren"

Dominique Götze aus Meerane hat selbst schmerzhaft erfahren, welche Auswirkungen eine Krebserkrankung haben kann. "Ich habe Mutter und Vater dadurch verloren. Sie waren zwar nicht an Leukämie erkrankt. Ich wäre aber heilfroh gewesen, wenn meinen Eltern hätte geholfen werden können", sagt der 37-Jährige. Ehefrau Katja wollte sich auch zur Typisierung anmelden, ist aber abgewiesen worden. "Bei drei Kindern komme ich leider nicht für eine Stammzellenspende in Frage. Wenn Dominique derjenige wäre, dessen Spende helfen könnte, werde ich ihn unterstützen", fügt sie hinzu. Ihr zwölfjähriger Sohn Luca war schon am Samstag beim Erzgebirgs-Bike-Marathon am Start, gestern folgte der Vater. (dit)


"Ich möchte helfen"

Claudia Kluge hat beim Erzgebirgs-Bike-Marathon am Samstag als Betreuerin alle Hände voll zu tun. "Meine Kinder gehen an den Start, und ich kann hoffentlich nicht nur ihnen helfen", sagt die Olbernhauerin. Während der zehnjährige Niels und die achtjährige Anouk auf ihren Mountainbikes schwitzen, lässt Mutter Claudia einen Wangenabstrich vornehmen. "Ich habe davon in der ,Freien Presse' und auf Facebook gelesen und möchte helfen. Es ist mir auch bekannt, dass eine Stammzellenspende mehr ist, als ein Wangenabstrich. Aber ich möchte im Falle eines Falles auch Hilfe bekommen. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich bei meinen Kindern sein darf und hoffe, dass Christina die entscheidende Hilfe erfahren wird." (dit)

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